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einem Stadium ihrer Entwickelung zu derſelben Pflanze in einem andern Stadium. Zeigen zwei Pflanzen blos die Verſchiedenheit, daß die eine eine rauhe Oberfläche beſitzt, während die andere glatt iſt, beide aber in denſelben Zuſtand übergehen, wenn man ſie in denſelben Boden, in daſſelbe Klima bringt, ſo wird man ſie für natur⸗ geſchichtlich identiſch halten dürfen. Man kann zwei Mineralien nicht für weſentlich verſchieden anſehen, wenn ſie blos in verſchiedenen Formen aber derſelben Kriſtallreihe vorkommen, ſonſt in allen Dingen vollkommene Uebereinſtimmung zeigen, man wird ſie vielmehr für naturgeſchichtlich identiſch halten müſſen. Sieht man von ſolchen unweſentlichen Eigenſchaften ab, und faßt alle diejenigen Individuen zuſammen, die ſich blos durch dieſe von einander unterſcheiden, ſo hat man den Begriff der Spezies.
Bei der Bildung natürlicher Familien ſieht man von der der Congruenz in der Mathematik ent⸗ ſprechenden Identität im naturhiſtoriſchen Sinne ab, und beſchränkt ſich auf eine bloße naturhiſtoriſche Aehn⸗ lichkeit der Spezies, auf eine Uebereinſtimmung in denjenigen weſentlichen Eigenſchaften, welche den Habitus der Gruppen beſtimmen. Um die den Habitus der Gruppen beſtimmenden Eigenſchaften zu finden, müßte man, wie bei der Beſtimmung der Natur eines Individuums, eigentlich auf die Erklärungsnaturwiſſenſchaften, die es mit dem Zuſammenhange der Erſcheinungen in der Natur überhaupt zu thun haben, zurückgehen können, wird ſich aber, wie das bei dem jetzigen Standpunkte der Erklärungswiſſenſchaften meiſtens nur ausführbar iſt, und in Beziehung auf die Schule überall nur geſchehen kann, damit begnügen müſſen, auf dem Wege der Analogie und Induction nach den Sätzen der Wahrſcheinlichkeit:„Wenn Dinge in ſo und ſo viel Merkmalen übereinſtimmen, dann werden ſie auch wohl in den und den Merkmalen gleich ſein,“ und„Wenn dieſes und jenes in ſo und ſo viel Fällen ſich ergeben hat, dann wird es auch wohl in den und den Fällen zutreffen“ ſolche Eigenſchaften zu finden, mit deren Vorhandenſein das Vorhandenſein anderer auf eine ſo feſte und durchgreifende Weiſe verbunden erſcheint, wie bei den Begriffen die attributiven Merkmale auf eine nothwendige Weiſe mit den conſtitutiven im Zuſammenhange ſtehen. In dem Sinne konnte Cuvier ſagen:„Gebt mir einen Zahn, und ich will Euch das ganze Thier beſchreiben“. Eine Uebereinſtimmung in den Zähnen iſt mit einer Uebereinſtimmung in ſehr vielen andern Eigenſchaften verbunden, und eine Abweichung in dem Punkte zieht eine große Verſchiedenheit in den andern Eigenſchaften nach ſich. So wie mit den conſtitutiven Merk⸗ malen des Begriffs Parallelogramm alle den verſchiedenen Parallelogen gemeinſchaftliche Merkmale gegeben ſind, ſo iſt mit dem Vorhandenſein der Uebereinſtimmung in den Zähnen eine den Habitus bedingende Ueber⸗ einſtimmung in einer großen Gruppe von Thieren gegeben. Was der Zahn bei den Säugethieren, das ſind die plaſtiſchen Elemente bei den Mineralien, und Linne's Genie hat unter den die Pflanzen ordnenden Merk⸗ malen ſchon recht viele zu natürlichen Gruppen führende angegeben.
Vergleichen wir das logiſche Geſchäft der Claſſification in den naturhiſtoriſchen Wiſſenſchaften mit der Bildung mathematiſcher Vorſtellungen und Begriffe und deren Verwendung bei der Anordnung des mathematiſchen Stoffes, ſo ſehen wir, auf wie verſchiedene Weiſe unſer Geiſt hier und dort angeregt, beſchäftigt und gebildet wird. Dem Individuum in der Naturgeſchichte entſpricht das in unſerer intuitiven Anſchauung erzeugte, beſtimmte, individuelle mathematiſche Gebilde, dieſes oder jenes beſtimmte Dreieck, dieſer ſo und ſo große Kreis. Das Individuum in der Mathematik iſt durch ſeine Beſtimmungselemente vollkommen beſtimmt, das Individuum der Naturgeſchichte enthält immer noch außer den weſentlichen Merkmalen unweſentliche, zufällige. In der Mathematik giebt es vollkommen identiſche Individuen, in der Naturgeſchichte nur relativ identiſche. Was in der Mathematik der Begriff mit ſeinen conſtitutiven und attributiven Merkmalen, das iſt in der Naturgeſchichte die Gruppe(die Familie) mit ihrem Habitus und die den Habitus in ihrem Gefolge habenden charakteriſti⸗ ſchen Kennzeichen. Die abſtracten Begriffe der Naturgeſchichte haben neben einem gedachten Gegenſtande noch immer einen conereten, in der Natur aufweisbaren, die in der Mathematik haben nur einen gedachten Gegen⸗ ſtand, und können allein aus der Anwendung abſtrahirt werden. In der Naturgeſchichte ſucht man erſt durch
Vergleichung und Unterſcheidung von Außen gegebener Dinge, durch Ausſcheidung des Gleichen in Verſchiedenem, 2


