Jahrgang 
1897
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Herrn Regierungsbaumeister Gothan, sowie dem inzwischen in Ruhestand getretenen Herrn Baurat Scheepers, aufrichtigen Dank weiss und durch meinen Mund aussprechen lässt. Ich habe aber ausserdem die Freude zu verkündigen, dass aus Anlass des heutigen Höhepunkts im Leben der hiesigen Lehr- anstalt Se. Majestät der Kaiser und König geruht hat, dem verdienten Direktor der Anstalt, Herrn Professor Dr. Fehrs, die Auszeichnung des Rothen Adlerordens 4. Klasse zu verleihen, und dieselbe Auszeichnung dem bewährten ältesten Mitglied des Lehrerkollegiums, Herrn Professor Dr. Hänisch, zu Teil werden zu lassen, endlich auch die zuverlässigen Dienste des Schuldieners Wagner durch Verleihung des Allgemeinen Ehrenzeichens allergnädigst anzuerkennen.

Indem ich die Insignien dieser Orden hiermit in höherem Auftrag überreiche, füge ich auch meine persön- lichen Glückwünsche hinzu, und zu den Glückwünschen noch ein anderes, ganz kurzoes Wort. Wenn es dieses immerhin mehr zufälligen Anlasses bedurft hat, um die verliehenen Auszeichnungen zu erbitten und zu erlangen, so ist es doch keineswegs der Zufall und der äussere Anlass, der dazu hintrieb, sondern die längst bewiesene Würdig- keit, der wohlerworbene Anspruch. Und wenn diese Würdigkeit auch die Mitfreude eines grösseren örtlichen Kreises erweckt, so kann uns dies nur als neue Gewähr der verdienten Schätzung erscheinen.

Möge der heutige Festtag Licht werfen in die neue Lebensperiode hinein, die sich damit der Schulgemeinde eröffnet. Möge diese neuc Aula viele, viele male die Schulgemeinde in sich versammeln zu ernster Erhebung, zu festlichen Höhepunkten, zu feierlichem Wort, zu gemeinsamem Aufschwung Aufschwung nicht bloss zu den Idealen dieser Welt, sondern auch zu dem Ewigen und Unvergänglichen, zu dem was da in gleicher Höhe und Heiligkeit schwebt über allem, was den Menschen hoch oder niedrig heisst, und nur um so leuchtenderes Licht giebt, je mehr- wir uns innerhalb der Erdenwelt wirklich erhoben haben gleichwie die Sterne des Himmels nur in um so hellerem Lichte strahlen, wenn wir uns hoch in den Bergen befinden und dort zu ihnen aufschauen.

Erfülle denn auch dieses Haus die reine Luft der rechten Höhenwelt, werde auch diese Halle ein Tempel des heiligen Geistes.

Nachdem der Direktor dem Herrn Redner für die freundliche Begrüssung gedankt und an diesen auch den Dank der Anstalt für die mehreren ihrer Glieder Allerhöchst verliehenen Aus- zeichnungen sowie für die Glückwünsche des Provinzial-Schulkollegiums gerichtet hatte, teilte er ein während der Feier eingelaufenes Telegramm mit, durch welches Se. Excellenz der Herr Oberpräsident Nasse den in der neuen Aula versammelten Lehrern und Schülern seinen besten Gruss entbot und den Wunsch ausdrückte, dass neben ernster Arbeit und frischem idealem Sinn der Geist der Gottesfurcht und Vaterlandsliebe auch in den neuen Anstaltsräumen eine bleibende Stätte finden möchte.(Ein telegraphischer Glückwunsch des Herrn Regierungspräsidenten wurde bei dem nachfolgenden Festmahle zur Kenutnis gebracht S. u.). Dann wandte sich der Direktor mit nachstehender Ansprache an die Versammlung:

Bewegten Herzens ergreife ich das Wort, nachdem wir in diesen Saal eingezogen sind. Denn nach mehr- jähriger Unterbrechung darf die Schule heute zum erstenmale wieder eine Festversammlung in ihrem eigenen Heim begrüssen; sio übernimmt ausser diesem Saale gleichzeitig eine neue Turnhalle, ein physikalisches Lehrzimmer, einen Zeichensaal und erhält Ersatz für andere Räume, die mit Rücksicht auf die Gesundheit unserer Schüler nicht länger benutzt werden durften.

Mit der Vollendung der Um- und Erweiterungsbauten hat sich ein Werk vollzogen, das eigentlich schon vor einem Vierteljahrhundert begonnen wurde, damals aber nur zu einem vorläufigen Abschluss gebracht werden konnte: die Erncuerung des ganzen Schulgebäudes oder vielmehr die Schöpfung des ersten Gymnasialschulhauses in dieser Stadt. Vorher war die Schule Jahrzehnte hindurch in alten Häusern untergebracht, hatte sich in Räumen einrichten und einnisten müssen, die ursprünglich anderen und zum Teil recht untergeordneten Zwecken gedient hatten; da wurde in den Jahren 1871/72 das gegenüberliegende Klassengebäude neu aufgeführt, und heute ist alles neu: das Gymnasium befindet sich im Besitz des ersten wirklichen und vollständigen Schulhauses, das nicht von aussen nach innen, sondern gewissermassen von innen nach aussen aufgebaut, von Grund aus den Bedürfnissen der Schule Rechnung trägt und deshalb besonders gecignet ist die Arbeit der Lehrenden wie Lernenden zu fördern.