Jahrgang 
1889
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hat, in dem Gedichte»der Kampf« im Februar 1785 wohl ihren leidenschaftlichsten Ausdruck fand und auch in der»Resignation« noch nachklingt, hier aber als ein bereits überwundener Standpunkt. Wissenschaftliche Beschäftigung, dem Studium der Philosophie und Medizin vorwiegend zugewandt, besonders in den beiden Jahren 1778 und 1779, gewaltige dichterische Arbeit seit 1780 ¹) und wechselvolle Schicksale und Erfahrungen des Lebens führen ihn hin zur»Resignation«, zu einer Entsagung, welche doch reich ist an Hoffnung.

Der lange ersehnte Tag war endlich gekommen. Am 15. Dezember 1780 wurde Schiller aus der Akademie entlassen. Aber der erste Schritt ins Leben, in die so heiss begehrte Freiheit, bringt eine völlige Enttäuschung. Daurch eine ihm auf des Herzogs Befehl ohne Rücksicht auf seine Fähigkeiten und Wünsche zugewiesene, völlig untergeordnete Stellung schwer gekränkt, durch die wiederholte Aufführung der»Räuber« in Mannheim und seine dadurch veranlasste wiederholte heimliche Entfernung aus Stuttgart mit dem Herzoge völlig zerfallen und seiner besten Hoffnungen beraubt, entflieht er und kommt am 24. September 1782 in Mannheim an,»in schröcklicher Lage«, wie er selbst schreibt,»der ärmste Mensch, der verwiesen vom Herrn, verbannt von den Seinigen wie ein Flüchtling umher irren muss«.»Zwei ausgeprägte Persönlichkeiten, jeder ein Typus seiner Epoche, jeder leidenschaftlich verfestigt in seinen Ueberzeugungen, treten einander entgegen in weltgeschichtlichem Kontrast«, sagt Otto Brahm, das Bild dieses»brutalen Despoten« und seiner hohen Schule meisterhaft zeichnend. ²)

Auch in Mannheim erwarten ihn nichts als Enttäuschungen. Nicht sicher vor des Herzogs Verfolgung, darf er sich nicht öffentlich zeigen und bricht seiner Sicherheit wegen als Doctor Ritter in den letzten Tagen des September, von seinem treuen Freunde Andreas Streicher begleitet, von dem Stuttgart zu nahe gelegenen Mannheim zu Fuss auf nach Darmstadt und Frankfurt. Von Sachsenhausen, wo er der grösseren Billigkeit wegen Wohnung genommen, richtet er»mit gepresstem Gemüt, nicht mit trocknem Auge« an den Freiherrn von Dalberg jenen rührenden Brief mit der Bitte um eine Geldunterstützung, damit er eine ihn bedrückende Schuld, in die er sich in Stuttgart durch die auf eigne Rechnung unternommene Drucklegung der»Räuber« gestürat, tilgen und sich und den Freund aus der augenblicklichen Notlage befreien könne.

Auch in dieser Hoffnung getäuscht, kehrt er in den ersten Tagen des November in die Nähe von Mannheim zurück und nimmt als Doctor Schmidt Wohnung im nahegelegenen Dorfe Oggersheim, wo der»Fiesko« trotz aller Bedrängnisse vollendet wird. Die Furcht vor Entdeckung und Dalbergs kühle Zurückhaltung treibt ihn von neuem fort. Anfangs Dezember macht er sich auf nach Bauerbach, dem einsamen, weltverlorenen Dörfchen in der Nähe von Meiningen, wo ihm Frau von Wolzogen einen Zufluchtsort bietet;»einen Schiffbrüchigen nennt er sich, als er dort eintrifft, der sich mühsam aus den Wogen gerettet.« Acht Monate bringt er hier zu, mit eitrigen Studien und dichterischen Plänen beschäftigt, aber auch vielfach abgelenkt und zerstreut durch aussichtslose Neigung zu Charlotte von Wolzogen, der Tochter seiner Beschützerin. Dann kehrt er wieder, noch tiefer verschuldet, nachdem seine edle Freundin für ihn Bürgschaft geleistet, nach Mannheim zurück, wo er nun einmal sein Glück finden zu können meint. Wie schwer sieht er sich wieder getäuscht! Zwar

¹1) Eine Besprechung der Jugenddramen Schillers etwa in der von Klaucke vorgeschlagenen Weise gehört auch in diesen Zusammenhang. Auch Kuno Fischer,»die Selbstbekenntnisse Schillers« ist zu berücksichtigen.

2) A. a. O. S. 50 ff.