Jahrgang 
1889
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14 weitere Kreise der Gebildeten zu fesseln geeigneten Darstellung von Schillers Leben von Otto Brahm, die hoffentlich nebst desselben Verfassers»Heinrich von Kleistæ« recht bald ihren Weg auch in die Schülerbüchereien finden wird.

Nur zu bald hatte das bei aller häuslichen Not, welche das Glück der Eltern trübte, für den Knaben in seinem vierten bis siebenten Jahre(1763 1766) doch schöne Idyll von Lorch sein Ende gefunden. Oft und gern hat der Dichter in späteren Tagen mit seiner Schwester Christophine auf diese Zeit zurückgeblickt und sie in wehmütiger Erinnerung»die sorgloseste, friedlichste Zeit seines Lebens« genannt. Einer strengen Schulzucht hatte der Knabe sich nun fügen müssen vom Beginn des Jahres 1767 an in der Lateinschule zu Ludwigsburg, wohin sein Vater übergesiedelt war. Die Anstalt war wenig geeignet, dem frübhentwickelten, reichen Gemütsleben des Knaben frische Nahrung zuzuführen, aber auch nicht mächtig genug es zu ersticken; der religiöse und dichterische Trieb regt sich mächtig in ihm und»die Richtung auf das Empfindsame hin« wurde den selbständigen Regungen seiner reichen Gemütswelt schon hier gegeben durch den»Gegensatz zwischen den Bedürfnissen des Herzens und den härteren Geistern, welche seine kleine Welt beherrschen«. Sechs Jahre vergehen so dem leicht auffassenden und fleissigen, von ernstestem Pfichtgefühl nach des Vaters Lehre und Beispiel beseelten Knaben, dessen höchster Wunsch ist, einmal Theologe zu werden. Da wird seine Entwicklung gewaltsam abgebrochen»und die schwere Hand, welche auf Würtemberg lag, griff auch in sein Schicksal ein«, als des Herzogs Karl Eugen rücksichtsloser Befehl den talentvollen Zögling der Ludwigsburger Lateinschule gegen seines Vaters und den eignen Willen in die»Militärpflanzschule« zwang(16. Januar 1773),»die Sklavenplantage«, wie Chr. Schubart sie nannte. Acht Jahre seines Lebens,»des Lebens Mai«, hat er in dieser Anstalt verbracht, wo»Menschen wie Drahtpuppen behandelt wurden«, wie Charlotte von Lengefeld, Schillers spätere Gemahlin, bei einem gelegentlichen Besuche der Akademie in ihrem Tagebuche bemerkte, Auch Schiller sollte zu einer«Drahtpuppe«, zu einem gefügigen Werkzeuge erzogen werden für das Willkürregiment eines Despoten. Er aber konnte nicht Fürstendiener sein! Allmählich hat sich hier das Zerwürfnis vorbereitet, welches den dreiundzwanzigjährigen Jüngling zur Flucht aus der Heimat trieb, Familie und Vaterland und Ruhe der Seele auf Jahre hinaus ihm raubend.

Die Uebersiedelung der hohen Schule in die alte Reiterkaserle hinter dem Schlosse zu Stuttgart(18. Nov. 1775) und die Hinwendung Schillers von dem ihm widerwärtigen Studium des Rechts zu demjenigen der Arzneiwissenschaft gibt seinem Dichten und Denken eine neue Wendung, während die äussere Lage im ganzen dieselbe bleibt. Trotz der Abgeschlossenheit gegen die Aussenwelt, in welcher die Zöglinge unter strenger Aufsicht auch hier gehalten werden, berühren die erregten Wellen der litterarischen Strömung der Zeit doch auch Schillers Brust wie die gleich- strebender Freunde. Doppelten Reiz hat der Genuss der verbotenen Früchte der Sturm- und Drangperiode mit ihrer Auflehnung gegen die Unnatur, gegen Regel und Zwang. In den Jahren 1776 und 1777, in welche diese eifrige Beschäftigung mit der Litteratur und zahlreiche dichterische Pläne des jungen Mediziners fallen, mag der Grund gelegt worden sein zu der inneren Gährung, die mit der»Resignation« im Jahre 1785 ihren vorläufigen Abschluss fand. Hier erzeugte sich der Gegensatz zwischen der bisherigen»moralisch-theologischen« Anschauungsweise, die, an Klopstock genährt, den Blick in frommer Andachtsstimmung gerne auf das Jenseits gerichtet hielt, und jener revolutionären zum Kampfe gegen die bestehenden Verhältnisse, Ordnungen und Vorstellungen sich rüstenden Seelenstimmung, welche die»Räuber«,»Fiesko« und»Kabale und Liebe« hervorgebracht