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Tagen Fr. Leop. Stolbergs bis auf unsre Zeit allen denjenigen ein Stein des Anstosses sein müssen, die Schillers poetischer Sprache und Phantasie das Ueberschreiten der Grenzlinien dogmatischer Schulsprache sowie der strengen Geschlossenheit des dogmatischen Lehrsystems nicht zu verzeihen vermochten und vermögen. Hat doch auch»der Ring des Polykrates« zum Beweise dafür dienen müssen, dass die religiöse Ansicht Schillers jene altgriechische sei vom Neide der Götter, ¹) und»noch heute scheint es manchem unbegreiflich, wie Schiller habe dazu kommen können, dem griechischen Heidentum den Vorzug zu geben vor dem Glauben an den einen, heiligen, unsichtbaren, erhabenen Gott der Christen.« ²) In Vilmars Litteraturgeschichte lesen die Schüler folgendes über die beiden Gedichte:»Das erstere beginnt mit dem damaligen Zauberspruche aller sich nach der Natureinfalt zurücksehnenden, träumenden Herzen: et in Arcadia ego— auch ich war in Arkadien geboren— um bald aus der wilden Wehmut in die schneidendste Kälte, in die vollendete Trostlosigkeit der Phantasie des Diesseits überzugehen, und noch weit schärfer ist der Stachel in den»Göttern Griechenlands«, die, man nehme die Sache so mild wie man wolle, den völligen Bruch des Dichters mit der Christenwelt manifestierten und welche von dieser Seite her die Angriffe Fr. Leopold Stolbergs vollkommen rechttertigten.« Weder Viehoff noch Düntzer wissen mit der»Resignation« etwas Rechtes anzufangen und auch Hoffmeisters Deutung kann ebenso wenig wie die verschleiernde Humboldts völlig genügen. Eingehender werden die zahlreichen, unter sich sehr verschiedenen Ansichten über das Gedicht angeführt und besprochen von Gustav Hauff in seinen Schillerstudien. ³) Wenden wir uns den Gedichten selbst zu!
1. Die Resignation.
Das Gedicht ist an einem entscheidenden Wendepunkte seines Lebens entstanden, in der Zeit, da Schiller sich anschickte, Mannheim zu verlassen und nach Leipzig überzusiedeln, oder in der ersten Zeit seines Aufenthaltes hierselbst und zuerst 1786 im Drucke erschienen. Es bezeichnet den Uebergang aus des Dichters, dieses Jüngsten der»Stürmer und Dränger«, Sturm- und Drangzeit, aus der Zeit auch äusserer Not und Bedrängnis peinlichster Art in diejenige ruhiger und klärender Beschäftigung mit der Geschichte, dem Studium der Alten und der Kantischen Philosophie»in den Armen der Freundschaft«, in die Zeit(1785— 1794), ¹), durch welche er den Durchgangspunkt finden sollte zu den Höhen der Kunst und des Lebens, auf denen wir ihn uns bereits in flüchtigen Zügen zu vergegenwärtigen gesucht. Der Inhalt des Gedichtes erfordert einen kurzen Rückblick auf »des Lebens Mai«, der nun hinter dem fünfundzwanzigjährigen Jünglinge liegt. Wir folgen dabei zumeist der vielfach neue Gesichtspunkte erschliessenden, in ihrer edlen und klaren Sprache auch
¹) Leimbach, Ausgewählte deutsche Dichtungen u. s. w., vierter Teil, erste Abteilung S. 81.
2) So äussert sich Stier in einer gründlichen Abhandlung über das Gedicht in Beyschlags deutsch- evangelischen Blättern 1888, Heft X.
3) Gust. Hauff, Schillerstudien. Stuttgart Abenheim, 1880 S. 9— 29.
4) Von diesem höchst wichtigen, zugleich aber auch von weiten Kreisen der gebildeten Welt am wenigsten gewürdigten, weil in der Regel am wenigsten gekannten Abschnitt in dem Leben des Dichters hat Hettner treffend geurteilt:»Nur wer keinen Begriff hat von dem tiefen Gedankenleben Schillers, kann Schillers geschichtliche und philosophische Epoche beklagen. Schiller wäre niemals dieser volle und grosse Mensch, niemals dieser volle und grosse Dichter geworden, hätte er diese schweren und langen und nach der Natur seines Geistes unerlässlichen Bildungskämpfe nicht voll und ganz ausgekämpft«.


