Jahrgang 
1889
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12 und seine Geistesentwicklung sowie den Einfluss der Kunst auf dieselbe schilderte er, als er 1789 dem Menschen»an des Jahrhunderts Neige« zurief: Verlerne nicht die Hand zu preisen, Die an des Lebens ödem Strand Den weinenden verlassnen Weisen, Des wilden Zufalls Beute, fand, Die frühe schon der künft'gen Geisterwürde Dein junges Herz im Stillen zugekehrt Und die befleckende Begierde Von Deinem zarten Busen abgewehrt, Die Gütige, die Deine Jugend In hohen Pflichten spielend unterwies Und das Geheimnis der erhabenen Tugend In leichten Rätseln Dich erraten liess, Die, reifer nur ihn wieder zu empfangen, In fremde Arme ihren Liebling gab, O falle nicht mit ausgeartetem Verlangen Zu ihren niedern Dienerinnen ab«!

So verlockend es ist, hier gleich an diese herrliche Kunstschöpfung,»die Künstler«, anzuknüpfen und von hier aus des Dichters gereifte Kunstanschauungen und erhabene, auf das Begreifen und Darstellen des Menschheitsideales in sich und anderen gerichtete Ziele zu beleuchten, wird es sich doch empfehlen, zunächst einen Blick auf die Zeit zu werfen, aus welcher der Dichter sich emporgerungen hat zu jener Höhe. Es ist das um so mehr erforderlich, als jener Zeit zwei Gedichte angehören, welche um ihres philosophischen Inhalts wie um ihrer Bedeutung für die Beurteilung der Weltanschauung des Dichters willen eine eingehendere Würdigung auf der Schule notwendig machen: die»Resignation« und die»Götter Griechenlandss«.

IV.

Die genannten beiden Gedichte sind der Erklärung auf der Schule auch deswegen besonders bedürftig, weil sie groben Missverständnissen auch heute noch ausgesetzt sind und schiefen und unbilligen Urteilen über Schiller, insbesondere über sein Verhältnis zum Christentume immer wieder zum Ausgangspunkte dienen müssen. Als ein Zeugnis»innerer Zerrissenheit«, der Schwächen und Mängel seines Idealismus werden sie angerufen, als Beweis, dass»dem Idealismus Schillers sein eignes Ideal unter den Händen verschwinde«. Da wird als der Hauptzweck des ersten Gedichtes die Leugnung des Unsterblichkeitsgedankens mit besonderem Nachdruck betont, die Abwendung von dem Glauben an ein Jenseits,»an die Wirklichkeit einer übersinnlichen Welt«; es wird auf Grund des Gedichtes warnend darauf hingewiesen, wie»das Verzweifeln an der irdischen Welt zum Zweifel an der überirdischen treibt«, wie es ganz natürlich sei, dass derjenige, welcher in der Welt ausser sich nichts zu entdecken vermöge, das seine Hoffnung belebe, auch den Glauben an die Stimme seines Herzens auf die Dauer nicht behaupten könne. ¹) Die»Götter Griechenlands« aber haben von den

1) So Hasenclever, der Idealismus Christi und des Christentums. Deutsch-evangelische Blätter von Beyschlag 1888, Heft XI.