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war wohl die Absicht, auf das Volk einzuwirken, die ihn bewog von der bis dahin herrschenden Weise der Predigt abzuweichen, und die ihm in Verbindung mit seinem gesunden Sinn den richtigen Weg wies. Die Predigt des 11. und 12. Jahrhunderts war jedenfalls mehr an die Geistlichen gerichtet, und diese mochten in der allegorischen Deutung der heiligen Schrift eine Art von Befriedigung finden. Dem Volke gegenüber war aber auf diesem Wege nichts auszurichten. Berthold wollte Volksprediger sein: hiermit steht zunächst der allgemeine Charakter seiner Rede, hiermit stehen auch im einzelnen alle die Eigentümlichkeiten und Vorzüge derselben in näherem oder entfernterem Zusammenhange. Zuerst dies, dass es wesentlich ethische Gegenstände sind, die er behandelt. Was man dogmatische Predigten nennt, diese finden sich bei Berthold gar nicht. Eine Annäherung daran ist es vielleicht, wenn er öfter— in der Pfeiffer'schen Sammlung in No. 31— den Verlauf der lateinischen Messe einer Deutung unterzieht, damit die Leute wenigstens wüssten, was da vor ihren Augen vorgehe, wenn sie auch die Worte nicht verstünden. Aber es ist eben nur eine Annäherung. Im allgemeinen geht er nur darauf aus, das Handeln der Menschen zu bestimmen. Dann sind es weiter nicht allgemeine ethische Gedanken, die er vorträgt, sondern einzelne Sünden und einzelne Tugenden nimmt er vor und lässt sich genau auf sie ein; genau nicht in dem Sinne, als ginge er von dem Begriffe der Sache aus und spaltete und gliederte und käme so auf alles einzelne zu sprechen. Sondern wie in der Philosophie die heuristische Methode verfährt, dass sie nämlich die gewöhnlichen Ansichten zu Grunde legt und, indem sie dieselben beurteilt und reinigt und genauer bestimmt, zur Wahrheit zu gelangen sucht: so hält sich Berthold an die Formen, unter denen ein Fehler im Leben erscheint, an die Anschauungen, die über diesen oder jenen Punkt unter der Menge herrschen, und widerlegt oder verbessert diese und weist den Fehler überall nach, auch wo er sich zu verbergen bemüht. Wie weiss er z. B. dem Fehler der gilekeil nachzuspüren, wie versteht er es z. B. in der prachtvollen und eindringlichen Predigt von der böhle(No. 22) alle falschen Ansichten über den Punkt im Anschluss an die Erfahrungen, die er gemacht hat, zu bekämpfen. Auf diese Weise wird aber seine Predigt individuell, und er konnte, wie Wackernagel sagt,»seiner Lehre eine lebensvolle Bezüglichkeit geben, konnte dieselbe Schritt für Schritt an die Wirklichkeit anknüpfen, konnte erreichen, worauf es ihm ankam, dass er gleichsam einem jeden seiner Zuhörer nach dem andern persönlich ins Gewissen redete.« Ferner hängt auch dies mit Bertholds populären Absichten zusammen, dass er bei seinen Reden so gerne ausgeht von den Dingen und Vorgängen in der Natur, die er als Vorbilder der Gegenstände seiner Predigt auffasst und hinstellt. Die Geschichte, speciell die alttestamentliche, muss ihm gleichfalls Vorbilder liefern. Wackernagel nennt diese Methode die typologische. Sie unterscheidet sich wesentlich von der allegorischen, weil bei ihr den Objecten ihre natürliche Bedeutung gelassen und nur eben eine vorbildliche Beziehung auf die Rede gegeben wird. Spuren der allegorischen Methode finden sich bei Berthold allerdings auch, doch tritt sie ganz und gar zurück gegen die typologische. Offenbar musste diese Bertbolds Absichten sehr förderlich sein. Wenn seine Zuhörer bei allem, was sie um sich sahen, wenn sie durch den Anblick des gestirnten Himmels, der Sonne, die von Wolken oder irgendwie verdunkelt wird, des Baumes mit seiner Wuczel, seinen Aestengund Blättern, dieses oder jenes Tieres, wenn sie durch alles erinnert wurden an die Lehren und Ermahnungen, die Berthold gegeben, wie musste dies denselben festen Halt in Gedächtnis und Herzen verleihen. Und nicht blos das Auge ist es, welches dazu von Berthold in Anspruch genommen wird, sondern wohl auch das Ohr. Wo Berthold davon spricht, dass man die Busse nicht aufschieben solle(p. 423), da benutzt er den Ruf der Taube und des Raben als Vorbilder.»Daz


