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eigentlichen Charakter der rednerischen Proaa angeht, das Leidenschaftliche, so tritt dies zwar bei Berthold nicht allzusehr hervor, aber doch versteht er sich wohl darauf, die Affekte hervorzurufen und zwar die milderen ebensogut als die heftigeren. Wie angenehm wird das Gemüt bewegt bei Stellen wie diese(p. 223):»Als wénig als ein kind enpfinden mac die wile ez in der muoter libe beslozzen— der gezierde aller, dà der allmehtige got die welt mite gezieret hät, mit dem firmamente, unde wie er daz gezieret hat mit der sunnen unde mit dem edeln sternenschine, mit edelkeit der steine unde mit maniger hande varwe unde mit ir kraft unde maniger hande richen waete unde mit maniger hande wurze unde mit maniger hande liehten blüetevarwe unde gesmac der wurze unde der blüete unde der blumen, und alle die genaemekeit und alle die lustliche freude, die diu welt hät von der sumerwunne unde von vogelsange unde von seitenklange unde von andern süezen stimmen, unde die freude die menschen anblic git—: als wénic mac man iemer deheinem irdenischen menschen gesagen von der unzellichen freude unde wünne, die der almehtige got der sêéle geben wil.« Oder diese(p. 483:»Als die weideliute müezent die vogele vahen mit andern stricken danne die wurme oder die vische, dà von haben wir die richen liute gelichet den vogeln: wan die fliegent friliche hin unde her unde singent gar schöne unde sint alle zit froelichen unde guotes muotes unde fürhtent niemanne unde sint veizt an dem libe unde wol bekleit unde wol varnde. Sie habent maniger hande kleit unde gar fremediu kleit, einer sus, der ander sô. Ez ist dér wiz, der swarz, etelicher wiz unde swarz, der rôt, der grüene als ein gras als der sittekus ist; dér sus, der sô, der spiegelvar, der sprunkeleht.« Die tadelnswerte Sucht zu rühren findet sich bei Berthold gar nicht. Aber wie rührend redet er doch, ohne zu übertreiben, vom Leiden des Herrn!»Dà was im(p. 358) der acker alse liep, din heilige kristenheit, daz er in niemann wolte lazen büwen, unde er hat den pfluoc selber gehabt aller engele herre. Ein pfluoc muoz von isin und von holze sin; alsô was daz heilige kriuze von holze, unde von isin die nagele, die im dã giengen durch hende unde durch füeze, und alsö habte er den pfluoc, unze er den tôt dar an nam. Nü seht ir, liebe kristenheit, wie liep iu got hât gehabt! Unde da genuogete in niht an—: er hat in ouch selbe getünget mit sin selbes bluote. Waà wart ie dehein acker sô gar übertiure gekoufet und als tiure vergolten und alsô zertliche erbüwen— und als lieplichen getunget—? Wan er hat in getunget mit sinem edeln minneclichen herzbluote, wan da mite wart diu erde begozzen.« Wie weiss Berthold die Erwartung zu spannen z. B. in der Einleitung zur 7. Predigt, aus welcher wir schon oben ein Stück citiert haben. Wie weiss er eindringlich zu reden z. B. in Predigt 22, wo er gegen die falsche Scham spricht, die von der Beichte zurückhält(p. 350 f.):»Owé des, daz ir iuch des umb eine als kleine schame erweget! Nü sage mir einz. Woltest dü ez einem tôten menschen àâne schame sagen oder einem tôten holze oder einem tôten steine? Owé ja! vil wunderlichen gerne! Nü bihtez einem lebendigen menschen, den got dar zuo geordent hat, daz er an sine stat da sitzet« u. s. w. Wie weiss Berthold endlich zu ergreifen und zu erschüttern! Die Stelle pp. 209 und 210 gegen den géligen ist zu lang, um sie hierherzusetzen. Aber wir brauchen nur nur an die oben citierte Stelle(p. 20 f.) zu erinnern; sie überhebt uns weiterer Anführungen.
Wir haben jetzt von der Bedeutung zu sprechen, die Berthold für die Entwicklung der deutschen Predigt hat. Mit demselben Rechte, wie wir ihn den Schöpfer der deutschen Prosa genannt haben, können wir ihn auch als Schöpfer der deutschen Predigt bezeichnen. Wenigstens für uns ist er es, da wir von den Predigten der Bettelmönche ausser den seinigen so gut wie keine haben. Die Bettelmönche aber waren es, welche die Predigt auf diejenige Stufe erhoben, wo sie eigentlich erst
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