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weniger schön erbaute Tempel das Bild des Menschen ist, der durch Busse die Seligkeit erringt. »Nü seht, welich ein glich ebenmaze! Ein ieglich kristenmensche ist des almehtigen gotes tempel. Der êrste tempel, der schöne àne müewe gebüwet wart, daz ist der unschuldige mensche. Sà zehaut sô der mensche tõtsünde getuot, sô ist dem almehtigen gote sin tempel zebrochen. Unde swer des wirdic sin wil, daz got in im wonhaft werde wider als ê, daz muoz mit arbeiten unde mit noeten geschehen«. Auch das Gleichnis von den 2 Wegen p. 171 ist sehr ansprechend; es soll veranschaulichen, wie der Mensch entweder durch das Martyrium schnell oder auf dem gewöhnlichen Heilswege langsam zum Himmelreiche kommt.»— ze gelicher wise reht als eteswà die höhen bürge: daà gét ein kleiner stic üffe— unde géèt die rihte für sich gaehes unde snelle üf die bürge. Sie sint aber stickel unde weseht unde rüch unde gar steinic und dornic.— Sô géêt ouch ein wec eht üf die selben bürge, der ist sô rüch unde sô dornic niht als dirre noch sô stickel unde gêt allez aber nach der krümbe verre hin umbe, durch daz er vil sanfter unde gemächelicher ist danne dirre; er ist aber gar lancseime, iedoch gêét er ze jungest doch reht unz an die burc dà ze dem tôr hin in.« Den Unterschied zwischen lässlichen und tötlichen Sünden und dass man jener noch soviel haben kann, ohne in die Hölle zu kommen, von diesen aber schon eine, falls sie nicht gebüsst wird, dazu genügt, diesen Unterschied veranschaulicht Berthold p. 385 durch folgendes Gleichnis:»Der tüsent fnoder strouwes unde hopfen üf einen sé würfe oder tüsent fuoder hobzes, daz swimmet unde fliuzet allez enbor. Alsô tuont die kleinen sünde: die habent sichenbor, daz sie dich niht versenkent in daz éwige fiwer. Unde swie klein ein steinlin ist, daz sinket sà zehant an den grunt, swie tief halt der wàg ist. Alsô tuot ouch din tôtsünde.« Es ist vielleicht der Anführungen schon zuviel, aber hinweisen wenigstens wollen wir noch auf das grosse Gleichnis p. 482, durch welches Berthold zeigt, wieweit das»Ansehen eines Weibes« statthaft ist und wann es zur Hauptsünde wird. Es ist damit, wie wenn jemand über einen Markt geht und die ausgestellten Sachen betrachtet. Da sind drei Fälle möglich. Entweder freut er sich nur ihrer Schönheit, ohne zu feilschen. Oder er feilschet, aber nur zur Kurzweil, ohne kaufen zu wollen. Oder aber»er stât sô lange vor dem krame, daz im der kouf liebende wirt, und er veilschet alse lange und alse vil daz er herzelichen gerne koutte und in nihtes niht anders irret, wan daz er niht pfenninge hat. Ebenso ist im Verkehr der Geschlechter mit einander, was den beiden ersten Fällen entspricht keine Sünde oder wenigstens keine tötliche, im letzten Falle aber ist die Hauptsünde da.
Wir haben uns bei den Gleichuissen länger aufgehalten, weil sie einen Glanzpunkt in Bertholds Prosa bilden. Jetzt fassen wir uns kürzer. Von Tropen begegnen wir p. 36 der Apostrophe. Wir lesen da:»Her Nôèé, dich half alliu din heilikeit niht, din sun würde ein spöter. Her Abraham, dich half alliu din wisheit niht, din sun würde ungeraten« u. s. w. Um anschaulich zu sein, dazu gehört auch die Lebendigkeit der Rede, und die Stilistik entwickelt, wie diese Lebendigkeit erreicht wird durch Vorwärtstreiben auf der einen Seite, durch Anhalten auf der andern. Unter den Mitteln des Vorwärtstreibens wird der Klimax angeführt. Er findet sich bei Berthold ziemlich häufig. Alle die Fälle, wo er nach einem aufgestellten Satze sich überbietet mit dem einmal oder öfter wiederholten »ich spriche mêr«, alle diese gehören hieher. Zum Anhalten dient neben vielen andern Mitteln der Refrain. Dieser scheint zwar ausschliesslich der poëtischen Rede anzugehören; aber etwas ihm Khnliches finden wir doch auch bei Berthold z. B. in der 14. Predigt, wo das»vil wunderbalde in starke buoze oder an den grunt der helle« ganz in der Weise des Refrains sich wiederholt. Dass auch die beliebte Anaphora nicht fehlt, kann man von vornherein erwarten. Was endlich den


