Jahrgang 
1886
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werde.« Endlich einige Stellen über das Verhältnis von Herrschaft und Dienstboten. Letztere klagt er namentlich der Untreue an(p. 85):»Als diu katze üz kumet, richsent die miuse: als ir hérschaft üz kumet, hebet sich grôoz unzuht von iuwern éhalten unde grõz ringen unde scherzen. Als die hérschaft danne widerkümt, ist daz werk ungeworht, unde sint vil lihte zwêne schaden oder drie geschehen, die sie wol erwendet solten häàn.« Und weiter:»(sie) giezent daz veizte ab dem fleische, und ez müezent die liute unde diu hérschaft ungesmake kost ezzen. vil ungetriuwer leckespiz!« Die Herrschaft soll die Dienstboten nicht zu knapp im Essen halten.» sihst vil gerne(p. 91) daz sie dir vaste wirken: soltü in gar genuoc(z'ezzen) geben. S8ö setzest in eine schüzzeln für als einer katzen vaz. Gip dir selber üf din katzenvaz oder dinen kinden oder dinen katzen! solt in grôze schüzzeln für setzen, unde dar üf genuoc legen, unde niht ein bein drüffe legen als ez benagen si; daz soltü dinem hunde dar werfen. sprichest:ezzet vaste! Daz meinest niendert alsô, daz sie vaste unde genuoc ezzen: meinest ez alsô, daz sie balde von dem tische gâhen unde daz sie dir des brotes unde der spise deste méêr üf dem tische läzen ligen unde daz sie deste é an daz werk komen.

Stellen wir uns nun auf den Standpunkt der Tugendlehre und betrachten von da aus die sittlichen Ansichten Bertholds, so nimmt er zunächst in der Einleitung zur 3. Predigt einen viel versprechenden Anlauf und scheint den Begriff der Tugend erfassen zu wollen. Es heisst p. 95 f.: »Dõô der almehtige got menschen und engel gedâhte ze machen, geschuof er ein dinc, daz ist aller dinge beste under allen den dingen, diu got ie oder ie geschuof. Swie gar edel unde swie wünneclich die heiligen engel sint und swie heilic sie daà sint, dannoch ist daz eine dinc wünneclicher und edeler uude heiliger. Unde den worten daz ir daz selbe dinc liep habet, wil ich ez iu nennen. Ez heizet tugent. Durch die tugende geschuof got engel unde menschen; wan er selbe anders niht enkan danne lüter tugent unde reine tugent, wolte er ouch, daz engel unde menschen tugenthaft waeren.« Nun legt er zunächst Protest ein gegen den Missbrauch, der in seiner Zeit mit dem Worte Tugend getrieben wurde, so dass man den äussern ritterlichen Anstand damit bezeichnete; er wollte den hohen Namen auch nur für eine hohe Sache gebraucht wissen.»Er meinet aber niht die tugent, daz eteliche liute tugent heizent. Soô einer eine botschaft hovelichen gewerben kan oder eine schüzzel tragen kan oder einer einen becher hövelichen gebieten kan unde die hende gezogenliche gehaben kan oder für sich gelegen kan, sprechent eteliche liute: ‚daz ist gar ein tugentlicher mensche: wie tugentliche er kan gebâren! Sich, diu tugent ist vor gote ein gespötte und engevellet gote ze nihte. Sich, dér tugende ahtet got niht, wan alsô lêret man einen hunt wol, daz er die füeze für sich habet unde daz er schöne gebaret. Daz ist ze nihte getäniu tugent vor gote, ez ist niwan ein lüter gespötte. Er wil deheiner tugende niht ahten, wan mite man allen untugenden widerstriten kan.« Dabei bleibt Berthold stehen, und eine positive Aufstellung, was nun unter Tugend zu verstehen sei, giebt er nicht. Er scheint aber Tugend und Liebe zu Gott gleichzusetzen. Denn indem er nun die 7 Hauptuntugenden, denen mit der Tugend zu widerstehen sei, aufzählt und als die erste haz unde nit angiebt, da bezeichnet er als die Waffe dagegen die wäre minne und sagt dann weiter(p. 100):» ist diu tugent an manigen stücken; aber diu wàre minne ist aller tugende beste, unde dar umbe sol man got minnen mit allem ernste unde mit ganzen triuwen. Unde swer got unde sich selben minnet ze rehte, der minnet ouch die tugende unde hazzet alle untugende.« Wenn Berthold in diesem Zusammenhange von 7 Untugenden redet, so ist das auch nicht etwas Festes und Stehendes bei ihm; sondern an andern Orten nennt er mehr, an andern weniger. Aber