Jahrgang 
1886
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und zu verstehen. Wir brauchen uns auch nicht darüber zu wundern. Denn jenes würde auf die sittliche Notwendigkeit der Ehe geführt haben, während Berthold, festgewurzelt in den mönchischen Anschauungen, die Ehelosigkeit hochhielt und jedenfalls schon viel gethan zu haben glaubte, wenn er das eheliche Leben dem ehelosen gleichstellte. Allerdings bemüht er sich, einen höhern Standpunkt der Beurteilung zu gewinnen. Wir lesen p. 376:»Ez sint zwei gar guote dinc. Daz ein, daz man den magettuom behalte reine unde kiusche unz an daz ende unserm herren ze lobe unde ze éren, oder daz man kint gebaere unserm herren ze lobe unde ze êren, daz diu zal in dem himelriche erfüllet werde.« Das ist freilich ein vielfach aufgestellter Gesichtspunkt, aber doch immer ein fremdartiger. Nun wir wollen aber nicht mit ihm darüber rechten, sondern seine Ansichten weiter kennen lernen. Was die Eheleute einander schuldig sind, fasst er p. 319 in dem Satze zusammen:» solt dins gemechedes mit reinen triuwen pflegen an dem libe und an der sêle und an dem guote.« Damit das erste geschehe, empfiehlt er die Gleichheit der Eheleute.»Daz dir gelich si an der jugent und an dem alter, an der edelkeit der friunde und an der ahtbaerkeit des libes, daz nim. Ich rede daà von niht, unde naeme einer ein gar armez wip, waerez doch ein rehtiu é, wan daz ez selten wol gerätet. Swenne ein alter eine junge frouwen genimet, waere eht er gerne junc unde taete er dem libe gerne wol; ist er doch ein alter grisinc. kleidet er sich juncliche, ist er eht ein alter grisinc. S0 badet er sich, ist er ein alter grise. S0 heizet er in den bart nâhen üz der hiute schern, ist er eht ein alter grisinc.« Auch in Beziehung auf die Kindererziehung finden sich viele interessante Stellen. Damit die Kinder gesund am Leibe werden, dazu warnt er namentlich vor Ueberfütterung. Wir lesen p. 433:»Daz der richen liute kinde vil minre wirt ze alten linten unde ze gewahsenen liuten danne der armen liute kint, daz ist von der überfülle, daz man der richen liute kint tuot mit fülle: wan den kan man niemer vil in gefüllen, daz man dannoch trüwe daz ez genuoc habe. 80 machet im diu swester ein muoselin unde strichet im eht in; ist sin hevelin klein, sin megelin, und ez ist vil schiere vol worden; püpelt ez im her wider üz; strichet eht sie dar. S0 kümt danne diu muome, diu tuot im daz selbe. 80 kümt danne diu amme unde sprichet: owé mins kindes! daz enbeiz hiute nihtes! Diu strichet im danne als ie von érste in. 80 weinet ez, zabelt ez. Und alsô füllet man der richen liute kint in widerstrit, daz ir gar lützel alt wirt.« Damit die Seele gesund werde, müssen sich die Eltern hüten, das Kind in früher Jugend zu ihrer Belustigung Schalkheiten zu lehren. Die Teufel sind es(p. 33), die das zuerst thun,»unde schüpfent dar zuo, daz ez boesin worte lerne unde schalkhaftiu wort spreche und schelte unde fluoche; unde schüpfent vater unde muoter ouch dar, daz sie im ez niht wern, und etewenne, daz sie ez schelten unde swern lèêren unde daz in gar wol mit ist unde sin veste lachen und ir goukel ist: ‚nü slach den unde schilt den! und gist im ein holz in die hant unde lérest ez daz übel si unde daz ez übel tuo.« So sollen die Eltern nicht thun, sondern(p. 35)»für die zit als ez êrste boesiu wort sprichet, sõô sult ir ein kleinez rüetelin nemen bi iu, daz alle zit ob iu stecke in dem diln oder in der want, und als ez eine unzuht oder ein boesez wort sprichet, so sult ir im ein smitzelin tuon an blôze hüt; ir sult ez aber an blôzez houbet niht slahen mit der hant, wan ir möhtet ez wol ze einem tôren machen.« Sehr verständig ist es, wenn Berthold die Eltern warnt, wenig gut veranlagte Kinder durchaus zu Gelehrten, zu Pfaffen machen zu wollen. Wir lesen p. 112:»Ir solt iuwer kinder niht harte twingen zuo lernunge. So ir seht, daz sie ungerne lernen, sulb ir sie da von lan. Ir sult einen leien üz im machen, einen krâamer oder einen schuochsuter oder swaz ez danne si. Daz ist waeger danne daz der schatz unsers herren versümet

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