um die Christen immer an das Leiden des Herrn zu erinnern(p. 363), und will sie geduldet wissen, es sei denn,»der jüden würden so vil, daz sie uns obernthant ane wolten gewinnen.« Gegen die Ketzer aber kennt er keine Schonung. Man könnte sich bei Bertholds sonstiger Milde hierüber wundern, aber er ist darin völlig ein Kind seiner Zeit. Wir können uns nicht enthalten, die Stelle auszuziehen, wo er sich über den Namen der Ketzer auslässt(p. 402 f.):»Daz tet unser herre àne sache niht, daz er sie ketzer hiez. Nü war umbe hiez er sie niht hünder oder miuser oder vogeler oder swiner oder geizer? Er hiez in einen ketzer. Daz tet er dar umbe, daz er sich gar wol heimelichen gemachen kan, zwà man in niht wol erkennet, als ouch die katze: diu kan sich gar wol ouch zuolieben unde heimlichen, und ist dehein söõ getan kunder— daz so schiere grôzen schaden habe getan.— Sô gét sie hin unde lecket eine kroten, swä sie die findet—, unz daz diu krote bluotet: sôö wirt die katze von dem eiter indurstic, unde swà sie danne zuo dem wazzer kumt, daz die liute ezzen oder trinken suln, daz trinket sie unde unreinet die liute alsô, daz etelichem menschen dà von widervert, daz ez ein halbes jär siechet oder ein ganzez oder unz an sinen tôt oder den tôt dà von gâhens nimt.— Alsô tuot der ketzer: er seit dir vor alle süeze rede von gote unde von den engeln, daz dũ des tüsent eide wol swüerest, er waere ein engel. 8 ist er der sihtige tiuvel.« Nächst dem Glauben an die kirchliche Lehre kommt es darauf an, dass man sich an die Sakramente derselben halte. Da ist zuerst die Taufe unumgänglich notwendig zur Seligkeit. Ungetauft sterbende Kinder sind vom Schauen Gottes ausgeschlossen; daher ermahnt Berthold immer, die Taufe möglichst zu beschleunigen. Mit der kirchlichen Lehre lässt er ungetaufte Kinder zwar nicht in die Hölle kommen, aber doch in eine Art Vorhölle, in den limbus parentum. Ihre Marter nennt er»die martel des schaden: das ist schade, daz sie gotes antlütze niemer mér beschouwent. Ander martel habent sie deheine: weder sie friuset noch sie hungert noch sie dürstet unde sie habent deheine pine.« Aber»swie kleine ir pine und ir martel si, si wolten doch gerne ir ieglichez für den schaden, daz si gotes antlütze niemer gesehent, mit guotem willen an einer glüenden siule üf unde nider varn, diu von dem ertriche üf unz an den himel gienge.— Daz wolten sie gerne unz an den jungesten tac liden, den worten daz(p. 126 f.) sie danne iemer mér gotes antlütze solten sehen.« Die Firmelung ist nicht so notwendig, doch sagt Berthold(p. 300):»swer sie niht empfaehet der sie wol gehaben mac unde dar üffe niht ahtet, des wirt niemer rât.« Ungefähr dasselbe gilt vom Sakrament des Altars. Berthold hält nach p. 300 f. noch an der Notwendigkeit fest, dass die Laien auch den Wein empfangen. Allerdings wurde im 13. Jahrhundert die Kelchentziehung allgemeiner, aber zum Gesetz war der spätere Brauch noch nicht erhoben. Die Brotverwandlungslehre findet sich bei ihm in der durch Paschasius Radbertus aufgestellten und durch das lateranische Concil von 1215 sanktionierten Form. Auch die Gründe, die Paschasius giebt, weshalb der Herr nicht in eigenster Gestalt sich zum Genusse darbiete, treffen wir bei Berthold an.»Wie möhte(p. 163) ein mensche ein Übhaft und ein lebendez mensche oder ein kint ze sinem libe enpfähen? Daz waere ein widerstendic dine dem menschen ze niezenne.« Um die Möglichkeit der Verwandlung begreiflich zu machen, beraft er sich auf die göttliche Allmacht. Er beruft sich weiter auf eine damals, wie es scheint, für Wahrheit genommene Fabel und stützt sich dabei auf den h. Ambrosius und seine Schrift Hexaémeron:»Als diu nahtegal(p. 302 f.) daz ei geleit hät, so sitzet der vater für daz ei unde singet mit siner süezen stimme gein dem ei, unze daz ein schoene vogel dà inne wehset.— Dô der almehtige got dem vogel die kraft hât gegeben, daz er mit siner süezen stimme daz ei ze einem lebendigen vogel machet— waz mac er danne mit im selben unde mit sin selbes heiligen
Jahrgang
1886
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