schlösse; denn an vielen Stellen spricht er dem Menschen diesen ausdrücklich zu. Berthold glaubt den Sündenfall milder beurteilen zu müssen, um dann den Erlösungsratschluss verstehen zu können, nämlich dass sich derselbe nicht auch auf die gefallnen Engel bezog. Von diesen sagt er(p. 238): »si muosten daz himelriche rümen, und ez kan niemer mér fride noch suone werden zwischen got unde den engelen, die den fride zebrächen mit der ungehôrsame der sünden.« Anders steht es mit dem Menschen.»Wan Adam zuo der sünde verräten wart, dô was daz ouch wol mügelich, daz er baz ze hulden käme danne der ungehôrsame engel. Der überhuop sich von sin selbes willen unde brach den fride mit der hôhvart.« Dieselbe Anschauung spricht auch aus dem interessanten Dialog, den Berthold(p. 199) die göttliche Wahrheit mit der Barmherzigkeit halten lässt in Beziehung auf die Erlösung des Menschen:»Die eine wolte den sünder von rehte verdamnen, die ander wolte den éwigen fürsatz vollebringen, wan der almehtige got hete gedäht, den himel ze pflanzen mit des menschen künne.« Die Wahrheit verlangte, dass der Mensch von selbst wieder so werde, wie er gewesen, und das Geschehene sühne.»Da wider sô sprach diu Erbarmherzigkeit daz, dize waere wol wär:'aber wan der mensche niht von lüterre frevel wart ungehörsam als der tiuvel, unde wan er von des tiuvels nide dar zuo verraten wart, wan er ouch broeder natüre von dem irdenischen libe was: daz solte der mensche geniezen wider dine güete, daz dü mit diner unmaezlichen wisheit des rät fündest, wie dü dem menschen wider gehulfest, wàn diner êwigen wisheit niht verborgen ist noch diner maht dehein dinc ze unmügelich ist und ouch diner güete rehte wol gezimet. Diuer güete gezaeme ouch gar wol,— daz dü den broeden menschen, der von siner tôrheit mêr danne von sinem übel verrâten wart zuo den sünden, daz dü den, herre, ze hulde liezest komen!« Wenn wir nun fragen, wie sich Berthold die Erlösung zustande gekommen denkt, so stossen wir ungefähr auf die Gedanken Anselms von Canterbury. Der Gehorsam Christi ist ihm das Sühnende, nicht sein Tod. Wo er von der erzenie redet, die der Herr bereitet(p. 292 f.), und wie er sich solche Mühe gegeben, sie zu bereiten, da sagt er am Schluss:»Wan sie kam in alse harte und als sür an und im geschach als wé drobe, daz er bluotigen sweiz drobe switzte und eines bittern tôdes drobe starp, allez, daz diu erzenie deste bezzer waere.« Der Tod kann also nicht die Arznei selbst gewesen sein. Bei der Aneignung des Verdienstes Christi spielt der Glaube eine grosse Rolle. Unter Glauben versteht aber Berthold nicht ein innerliches Verhältnis zu Christo. Freilich verlangt er ein solches, aber er nennt es nicht Glaube, sondern hierunter versteht er das Fürwahrhalten der kirchlichen Lehre. Dieses ist ihm unumgänglich nötig zur Seligkeit. Ganz interessant ist nach dieser Seite, was wir p. 52 f. lesen:»Dü solt einvelticliche glouben waz dü ze rehte von gote glouben solt unde daz dir din kristengloube seit, dü solt niht ze vaste in die sunnen sehen, wan swer vaste in die sunnen siht, in den brehenden glast, der wirt eintweder von ougen sô boese daz er ez niemer méêr überwindet, oder er erblindet gar unde gar, daz er niemer meér gesiht. Ze glicher wise alsô stéet ez umbe den glouben: swer ze vaste in den heiligen kristenglouben siht, alsô daz in vil gewundert unde ze tiefe dar inne rumpelt mit gedenken, wie daz gesin müge, daz der vater unde der sun unde der heilige geist éin got ungescheiden sint;— Wirt eht ein guot mensche: als diu séle üz dem libe gêt, sô gesihst dü ez allez wol. Wiltü aber ze vil dar nâch grüebeln, sô maht dü eintweder sô kranc an dem gelouben werden, daz duz niemer mé überwindest, oder dü wirdest gar ze male ze eime ketzer.« Auf den Ketzer ist Berthold nun so übel zu sprechen, dass er ihn selten ohne das Epitheton verfluochter nennt und ihn gewöhnlich den stinkenden jüden an die Seite stellt. Ja diese letzteren finden noch eher Gnade in seinen Augen; denn er hält sie für notwendig,
Jahrgang
1886
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