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Sehr ansprechend ist es, wie Berthold von der Stufenfolge der irdischen Creaturen redet(p. 375): »Wan der almehtige got alliu dinc úz nihte hat geschaffen, sô haàt er doch ie anderunge geschaffen näch sinen gnâden an ir ieglichem.— Jegelichez hât wesen unde leben und enpfindunge unde vernunft. Der stein hat wesen, er hät aber weder leben noch enpfindunge noch vernunft. Holz unde krüt unde wurz unde gras— ez hat allez wesen unde leben; ez hat aber niht enpfindunge unde vernunft. Swie edel ein boum ist— so houwet man in abe daz er sin niht enpfindet, sô daz er niht enzabelt noch enruofet.— Allez daz in dem lufte fliuget und an dem velde loufet— daz hat allez leben unde wesen und enpfindunge. Dà von siht man klein unde grôz wol, daz ez allez sament zabelt, und etelichez daz kirret oder ruofet sd man ez toetet.— Daà von haàt got den menschen geedelt über ez allez samt, daz er lebet unde wesen hât und enpfindet unde vernimt. Wande in got selber nâch im gebildet hàât den menschen, sô bekennet er übel unde guot, von wannen er komen ist und war zuo er werden sol, daz ander kréatiure niht enwizzent.— Für baz häât ez keine vernunft, unde dà von sô dienet ez gote niht wan von naàtüre.« Die Sphäre des bewussten Seins sie ist allein das Ziel der Schöpfung und sie schliesst eben in sich die Engel und die Menschen. Wenn nun auch hier eine anderunge vorliegt, so hat das seine Ursache. Wir haben es wohl mit einer eigentümlichen Ansicht Bertholds zu thun, wenn wir(p. 98) lesen:«Unde daz iuch got sô klàr unde sô edel an himelischer materien niht geschaffen haât als die engele, daz hat er àne sache niht getäan. Wan daz er die engele als snel unde sô gar edel hat geschaffen,
daz tet er dar umbe, daz die engele deste rincvertiger an ir geistlichen lüterkeit waeren,— unde daz sie zuo siner götlichen hoehe deste rinclicher möhten gefliegen. Unde dar umbe daz sich der engel der grôzen schônheit überhuob—, dar umbe gap er dem menschen irdenischen lip, daz er
sich deste minre überhüebe in deheiner hôhvart, unde daz den menschen ermante der horwige irdenische sac, daz er demüetic waere.« Für diese smaehede bat Gott aber dem Menschen wiederum Ersatz gegeben. Einmal hat er ihm einen edleren Leib, den er am jüngsten Tage bekommen wird, in Aussicht gestellt. Dann aber hat er sie nach einer bestimmten Seite, nach der es die Engel nicht sind, sich selbst gleich gemacht. Es dürfte wohl wieder eine eigentümliche Idee Bertholds sein, die sich in folgenden Worten ausspricht(p. 98 f.):»Als er ein herre ist in der grôzen werlt gar an allen steten und allez daz ordinet unde rihtet— unde daz er doch dà bi als unbekümbert ist und als gar àne müe ist, als ob er nie niht gedaehte ze schaffen unde ze machen: reht ze gelicher wise ist alsb ouch des menschen séle in der kleinen werlt, daz ist in ir libe, und in allen glidern des libes ist die séêle genzlich in ieglichem glide, unde sie git ieglichem glide leben und empfinden unde begern—, und ist doch bi dem allem samt die séle als fri swenne sie sich ze andern dingen kéret, als ob sie den lip niht besorge.« Jedenfalls eine sehr originelle Auffassung der Gottähnlichkeit des Menschen, fast so originell wie, was wir p. 404 lesen, dass nämlich dem Menschen seine göttliche Abkunft in akxer Form ins Gesicht geschrieben ist:»Die zwei ougen daz sint zwei o. Ein h daz ist niht ein rechter buochstabe, ez hilfet niuwan deu andern: als homo mit dem h daz sprichet mensche. 85 sint diu zwei ougen und die brawen dar obe gewelbet unde die nâse dâa zwischen abe her: daz ist ein M, schöne mit drin stebelinen. S0 ist daz ôre ein D, schône gezirkelt unde geflrieret. Sô sint diu naselöcher unde daz undertât schône geschaffen reht alse ein kriechsch E, schöne gezirkelt unde geflorieret. SÖ ist der munt ein I.« Das macht zusammengelesen homo dei. Etwas anderes, was die Menschen vor den Engeln veraushaben, ist dieses. Peter der Lombarde lässt die Frage offen, ob die Engel bis zum Tage des Gerichts an Kenntnis und Gnade zunehmen oder


