Jahrgang 
1886
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2 so hat David ohne Zweifel vor allen Dingen sich angelegen sein lassen, den Jüngling mit der Idee seines Ordens völlig zu erfüllen. Auf dem Wege der Volkspredigt für die Kirche zu wirken, darauf kam es ja den Franciskanern vornehmlich an. So arbeitete denn David darauf hin, den Zögling zum Volksprediger auszubilden, und wir können wohl annehmen, dass sowohl die Begeisterung, mit der Berthold nachher diesem Berufe oblag, als auch die Geschicklichkeit, die er darin entwickelte, zum guten Teile auf des Lehrers Rechnung zu schreiben ist. Er gab ihm eine gediegene theologische Bildung, gründlich, aber doch weniger gründlich, als es nötig gewesen wäre, hätte er es nicht eigentlich auf etwas anderes abgesehen als auf Mitteilung der Gelehrsamkeit. Er öffnete ihm den Sinn für die Natur und lehrte sie ihn verstehen, damit er imstande wäre, das Volk auch in diesem Buche göttlicher Oftenbarung, das ihm immerdar aufgeschlagen vor Augen lag, lesen zu lassen. Dass er es ferner nicht versäumt hat, ihn aufs genaueste zu unterrichten über das Leben und Treiben des Volks, damit er bei seiner spätern Wirksamkeit auf den Boden der realen Verhältnisse gestellt sei, dies bezeugen die Predigten Bertholds hinreichend, wenn anders wir nicht annehmen wollen, dass die Kenntnis, welche Berthold zeigt, lediglich auf eigner Erfahrung beruht. Der fähige Lehrer fand einen fähigeren Schüler, und wir können uns daher nicht wundern, dass das ursprüngliche Verhältnis zwischen beiden bald einem andern Platz machte und Berthold nun mehr Freund und Mitarbeiter Davids war als Schüler. Als Mitarbeiter erscheinen sie, wenn beiden im Jahre 1246 die Visitation des Frauenstifts Niedermünster übertragen wird. Zugleich können wir daraus schliessen, dass Berthold schon mehrere Jahre vorher aus dem Noviziate entlassen sein und Gelegenheit gehabt haben muss, seine Tüchtigkeit als Bruder zu beweisen; wir wollen daher annehmen, dass etwa mit dem Anfange jenes Jahrzehntes für ihn die Vorbereitungszeit im engern Sinne vorüber gewesen ist. Seinen eigentlichen Beruf als Wanderprediger trat er übrigens erst im Jahre 1250 an, und er mag also in dem Jahrzehnt von 1240 bis 1250 zunächst wohl in engerem Raume, vornehmlich in Regensburg Erfahrungen gesammelt und Sicherheit gewonnen haben. Mit dem Jahre 1250 begann er seine öffentliche Wirksamkeit, wenn anders seine vorherige Thätigkeit im Kloster von Regensburg in Vergleich mit der spätern mit Recht als eine mehr private angesehen wird. Er predigte vorerst in Niederbaiern, drang dann zum Rheine vor bis Speier und zog von da rheinaufwärts durch das Elsass über Colmar nach der Schweiz, wo er namentlich im Aargau und im Thurgau wirkte. Diese erste Missionsreise, wie wir sie gewissermassen nennen können, nahm ihn bis zum Jahre 1256 in Anspruch. In den Jahren 1257 und 1258 scheint er mehr in den heimatlichen Gegenden gewirkt zu haben, und die Predigten, die er, wie wir aus ihnen selbst erfahren, zu Augsburg gehalten worden sind, mögen in diese Zeit fallen. 1259 und 1260 befindet er sich wieder am Rheine. Vom folgenden Jahre an verlässt er das westliche Deutschland und wendet sich nach östlichen Ländern. Er predigt in Oestreich, Mähren, Böhmen, Schlesien, sogar in Ungarn, auf der Rückreise wohl auch in Thüringen. Die letzten Jahre seines Lebens hat Berthold wohl keine weitern Reisen mehr gemacht. Er starb 1272, nachdem ihm sein Lehrer und Freund David im Jahre 1271 vorangegangen war. Welchen Anklang Berthold mit seinen Predigten gefunden habe, davon wissen die Zeitgenossen Wunderdinge zu erzählen. Er pflegte vor Tausenden zu reden, ja, wenn die Nachrichten nicht übertrieben sind, soll die Zahl seiner Zuhörer öfters nach Zehn- und Hunderttausenden sich haben messen lassen. Vielfach predigte er daher natürlich im Freien, und dann that er, was in dem von bfeiffer unter No. 17 mitgeteilten Zeugnis zu lesen ist, er stellte zuvor durch eine an einen Faden gebundene Feder die Richtung des Windes fest, um darnach seine Stellung zu bestimmen, die er beim Sprechen