Berthold von Regensburg.
Skizze seines Lebens und seiner Bedeutung in der Geschichte der deutschen Sprache, Litteratur und Predigt.
Dem grossen Prediger des 13. Jahrhunderts, welcher der Gegenstand unserer Abhandlung sein soll, am Eingange derselben Lob zu singen, das können wir uns wohl ersparen; haben sich doch andere Stimmen dazu erhoben, Stimmen, die es mehr gilt zu hören als zu verstärken. Und könnten wir wohl auch Grösseres zu seinem Preise sagen, als schon gesagt ist? Jak. Grimm in seiner Recension der Klingschen Ausgabe von Bertholds Predigten sagt von ihm mit Anschluss an Worte von Bertholds Zeitgenossen, dass sein Wort einst in den hochdeutschen Landen wie eine Fackel leuchtete und dass noch lange die Linden, von denen er gepredigt, von ihm den Namen führten. Pfeiffer in seiner neuen Ausgake fügt hinzu, dass sein Name in dem Gedächtnis des Volks, dem er in schwerer Zeit ein Helfer und Tröster war, Jahrhunderte lang fortlebte. Wackernagel nennt ihn eine der anziehendsten Erscheinungen nicht nur in der Geschichte des Predigtwesens, sondern auf dem Gebiete der deutschen Litteratur überhaupt. Damit ist auf seine Bedeutung ausreichend hingewiesen. Ohne weitere Umschweife gehen wir also sofort dazu über, den Mann, über den von competenter Seite so gesprochen wird, näher kennen zu lernen.
Was Bertholds Leben betrifft, so sind die darüber vorhandenen historischen Zeugnisse von Pfeiffer in der Vorrede zu seiner Ausgabe von Bertholds Predigten zusammengestellt, zugleich aber so ausgebeutet worden, dass uns nichts übrig bleibt, als seinen Ermittlungen uns anzuschliessen. Geboren ist Berthold nach Pfeiffers Vermutung um das Jahr 1220 und wohl schon in zartem Alter in das 1221 gegründete Minoritenkloster zu Regensburg eingetreten; wahrscheinlich, aber nicht völlig gewiss ist es, dass er dieser Stadt auch von Geburt angehört. Seine Ausbildung erfuhr er durch den Novizenmeister des Klosters, den Bruder David. Dieser aus Deutschland, aus Augsburg gebürtig hatte sich vermutlich in Italien die theologische Bildung angeeignet, welche ihn zu jener seiner Stellung befähigte. Für seine Tüchtigkeit spricht dies beredt genug, dass man ihm in dem Kloster zu Regensburg, mit dessen Gründung der Franciskanerorden in Deutschland erst festen Fuss zu fassen suchte, die Erziehung der Zöglinge übergab. Noch beredter aber zeugt für ihn, was er aus dem jüngeren Berthold gemacht hat. Dürfen wir von dem, was Berthold nachher ist, zurückschliessen,
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