Jahrgang 
1909
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bäudes 2zu verJanken; er selbst hat sie leider nicht mehr geschaut. Er auch vor allem hat die baufällige frühere Schuldienerwohnung abzureißen veranlaßt und eine passendere in dem neuangekauften benachbarten Wolfschen Hause herzustellen mit Eifer befürwortet. Daß auf diese Weise der Schulhof etwas vergrößert werden konnte, ist demnach mit in erster Linie sein Verdienst.

Doch im Grunde wäre das alles nur etwas Goeringes, wenn neben der äugeron Ausdehnung der Schule nicht auch ihre innere Förderung durch den lieben heimgegangenen Direktor zu rühmen wäre. Daß wir ihn den lieben nennen dürfen, und daß in diesem Werturteiie ganze Schülergenerationen miteinstimmen, das ist tatsächlich rühmensweit.

Zunächst ist da nun hervorzuheben des verstorbenen Direktors wissenschaftliche Tüchtigkeit. Genannt wurde schon die Doktordissertation. Nach ihr hat er in Zeitschriften und Programmen noch eine ganze Reihe von Abhandlungen veröffentlicht, die z. T. vortrefflich genannt werden müssen. Fehrs war ein wissenschaftlicher Praktiker. Auf die Schule und seine geliebte Schuljugend war er auch bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten bedacht. Das zeigen namentlich die beiden Abhandlungen:Zur Behandlung der Lichtbrechung im Gymnasialunterricht 1881 und-Naturwissen- schaftliche Methode und Physikalischer Unterricht im Gymnasium. 1883. Wie in der ersteren, naur einige Seiten umfassenden Arbeit, behandelt er in dieser größeren den Grundsatzdaß auch in der Prima das Experi- ment die eigentliche Basis des physikalischen Unterrichts sei. Die ganze Arbeit ist so klar und bietet eine größere Anzahl so einleuchtend gut gewählter Beispiele als Anschauungsmaterial, daß sie noch heute, nach mehr als 25 Jahren, auch nach dem Urteile eines Fachkollegen, keineswegs als überholt, vielmehr als lehrreich und wertvoll angesehen werden darf.

Um der Vollständigkeit willen seien von seinen weiteren wissenschaftlichen Arbeiten noch angeführt: Der Kettenbrueh. Wetzlar 1872. Zur Brechung des Lichts in einer kugelförmigen Fläche(Zeitschr. für mathemat. Unterricht 1875). Die Oberschule der Stadt Wetzlar 1899.(In der Festschrift zur Gedenkfeier des 00jährigen Be- stehens des Gymnasiums).

Und weil er sich selbst, zumal in seinen jüngeren Lehrerjahren, gern wissenschaftlich beschäftigte, so schätzte er das auch bei seinen Lehrern und Mitarbeitern. Er freute sich, wenn er wissenschaftlich strebsame im Lehrerkollegium hatte, wenn irgend möglich kam er ihrem Wunsche nach, sie zu empfehlen zur Teilnahme an wissenschaftlichen Ferienkursen. Mit großer Sorgfalt sammelte er alles, was etwa aus der Feder seiner Lehrer stammte, mochten es zuweilen auch naur Zeitungsartikel oder Berichte über gelegentliche öffentliche Vorträge sein. Wo er Gewissenhaftigkeit und Dreue erkannt, da gewährte er den Lehrern auch freie Bewegung. Nichts von Eng- herzigkeit oder Einseitigkeit war in ihm. Ganz natürlich war sein wissenschaftliches Intoresse in erster Linio den realistischen Fächern zugewandt, darum begrüßte er auch die Reformbewegung auf dem Schu'gebiete mit gewisser Genugtuung und die Möglichkeit, auch am Gymnasium in der UlII bis UII den geiechischen Unterricht durch solchen im Englischen und Französischen, sowie durch mathematisch-naturkundlichen zu ersetzen, crgriff er mit Befriedigung und führte sie in die Praxis über. Aber nichtsdestoweniger hielt er doch auch den alt-sprachlichen Unterricht hoch, ja gewährte ihm, dem humanistischen Charakter seiner Schule entsprechend, den ihm gebührenden Vorrang. Und ebenso schätzte er den sogenanpten Gesinnungsunterricht in Religion, Deutsch und Geschichte. Wie er zu jener stand, das sprach sich in seinen gelegentlichen Morgoenandachten von denen sich manche noch:) in seinen Papieren finden wie in den Abschiedsreden an die Abitarjenten aus. Gerade weil er kein eigentlicher Mann der Rede, wirkten die markigen Worte, aus dem tiefsten Herzen heraus gerungen, um 8o eindringlicher. Unvergeßlieh wird sicherlich vielen seiner Schüler und der andern Zuhörer die herrliche Festrede pleiben, die er bei der Kaisergeburtstagsfeier 1907 über Friedrich Friesen gehalten, den er in begeisterten Worten als das rechte Bild eines echten deutschen Jünglings schilderte. Bei derselben Gelegenheit hatte er auch beim Pestessen der Bürgerschaft im regelmäßigen Durnus das Kaiserhoch. Und auch da wieder hatte er das rechte Wort getroffen, durch das er die vaterländische Begeisterung in edelster Form zu wecken wußte. Denn außer

*) Anmerkung: Die letzte von ihm am Morgen des 23. April gehaltene war diese. Gemeinsamer Gesang: Allein Gott in der Höh'. No. 1 u. 2. Schriftverlesung Psalm 121. Daran schloß sich folgendes Gebet: Mit Deiner Gnade, o Gott, beginnen wir wieder ein neues Schuljahr. Unser Anfang sei mit Dir. Deinem Schirm und Schutze befehlen wir uns aufs neue. Laß Dein Reich, das Reich Deines lieben Sohnes, in un- serer Schule und in unseren Herzen aufblühen, damit wir stark werden gegen die Versuchungen. Laß es uns stets bedenken, daß es uns nichts hülfe, wenn wir die ganze Welt gewönnen und Schaden an unserer Seele nähmen, und laß uns danach ringen, daß wir das Eine, was not tut, behalten, den Glauben an Dich, den lebendigen, ewigen, barmherzigen Gott. Dazu segne heut und alle kommenden Tage unseren Bingang und Ausgang an dieser Stätte. Amen.