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seinem Schulamte diente er willig und gern auch der Oeffentlichkeit. In dem letzten Jahrzehnt nicht mehr ganz so rege wie in früheren, wo er Jahre lang wertgeschätztes Mitglied des Stadtrats war. Auch am politischen Leben der Bürgerschaft hatte er früher eifrig teilgenommen Bis zuletzt aber war er Mitglied des Presbyteriums sowie der Kreissynode. Und in jeder Stellung, die ihm übertragen wurde, hat er in Treuen gewirkt. Das ist auch wie- derholt von Allerhöchster Stelle anerkannt worden. Denn nachdem er schon im Januar 1887, kurz bevor er zum Direktor ernannt wurde, das Prädikat Professor erhalten, wurde ihm 1896 der rote Adlerorden, und schon wenige Jahre später, am 7. Juni 1899, der Orden der Ritter des Kgl. Hohenzollernschen Hausordens verliehen. So sehr dem. treuen Manne diese Allerhöchste Anerkennang auch eine Freude war, höher stand ihm doch, wie jedem rechten Menschen, das Crteil des eigenen Gowissens und die Liebe seiner Schüler wie die Verchrung und das Vertrauen seiner Mitarbeiter. Und diese wurden ihm im reichsten Maße zuteil. Er lebte ganz für„seine Jungen“, und das er- kannten und fühlteu sie. Nur schweren Herzens entschloß er sich notwendigen Falls zu einem Strafgericht, soweit irgend möglich suchte er für ihre Fehler nach Entschuldigung, suchte sie zu verstehen, um sie dann vielleicht za verzeihen. Darum war es aber auch ein köstliches Vertrauensband, das sich um Schüler und Direktor schlang. Und nicht minder fest war, besonders in der letzten Zeit, sein Kollegium mit ihm verkettet. Man wußte, daß ein Mann an der Spitze der Schule stand, der von Gerechtigkeit und Wohlwollen gegen jeden seiner Lehrer erfüllt war. Ganz besonders her- vorzuheben ist noch die Bereitwilligkeit, mit der er sich auch außerhalb seines amtlichen Berufs in den Dienst seiner Schuljugend stellte. Nicht bloß Ausflüge und Turnfahrten unternahm er willig und gern mit ihr— und seine körperliche Rüstigkeit kam ihm dabei trefflich zu statten— er hatte auch seine Freude an einem Turn- und Ge- sangverein unter den Schülern und besuchte dessen UÜbungsstunden wohl mit Regelmäßigkeit. Daher kommt es, daß jene Schülerjahrgänge mit so besonderer Treue und Innigkeit noch heute seiner gedenken und um seinetwillen vornehmlich auch der ganzen Schulzeit sich gern erinnern. Das homerische Wort„so mild wie ein Vater war er“ bezeichnet sein Wesen und sein erzieherisches TDun. Darum war auch der Schmerz so wahr und tief, als die Kunde von seiner schweren Erkrankung laut wurde. Monatolang bewegte Sorgen und Bangen die Herzen nicht bloß der Lehrer und Schüler, sondern man darf wohl sagen aller Bürger der Stadt, die ihn kannten und daruam ihn auch verehrten. Und als dann gar jede doffnung verlosch, und die Nachricht von seinem Tode uns zuging, da wollte das Gefühl der Schwere des Verlustes lange Zeit jedes fröhliche Aufatmen hemmen. Wie viele hochstehende Männer, die dem hochverehrten Manne im Berufe und Amte näher getreten waren, haben dem Lehrer- kollegium da ihre hohe Wertschätzung des Heimgegangenen bekundet. Jede dieser Kundgebungen bestätigte aber nur wieder das eigene Urteil und erhöhte so noch den herben Schmerz, sie zeigten jedoch auch in ihrer Gesamtheit, daß Direktor Fehrs vielen Guten genug getan und darum nicht bloß für die Zeit seines amtlichen Wirkens gelebt hatte. Sein Andenken wird im Segen bleiben.
Zu ganz besonderer Genugtuung gereicht es der Schule, daß die Erinnerung an den heim- gegangenen Direktor auch äußerlich wach gehalten werden soll durch eine„Fehrs-Stiftungt, die er selbst noch seiner Schule bestimmt hatte, und für die Frau Direktor Dr. Fehrs bald nach seinem Tode der Schule ein Sparkassenbuch über den Betrag von 1000 ℳ übergeben hat, den der Verstorbene nach und nach zusammengebracht hatte, dessen Zinsertrag nun mit Genehmig-— ung der vorgesetzten Behörden alljährlich einem besonders würdigen Schüler zur Ermöglichung einer größeren Ferienwanderung überwiesen werden wird.
Mit dem Beginne des Winterhalbjahres trat Kandidat Dr. Britten in sein Probejahr ein, für das er bis auf weiteres der Schule zur Aushülfe überlassen war.
Bald nach Neujahr traf die Mitteilung ein, daß ein schon seit 9 Jahren in einem Direk- torate Rheinlands bewährter Schulmann, Herr Direktor Dr. Caesar aus Moers, zum Direktor des Gymnasiums in Wetzlar vom 1. 4. 1900 ab bestimmt sei. Gott segne diese Entscheidung der vorgesetzten Behörde. Die Schule setzt mancherlei Hoffnung und Erwartung darauf.
Nach Monatsfrist ging die Kunde ein, daß Sr. Majestät den Professor Dr. Heep zum Gymnasialdirektor ernannt, und der Minister ihm vom 1. 4. 1900 ab die Leitung des Kgl. Gym- nasiums in Marienwerder übertragen habe. Bei aller teilnenmenden Freude, die diese Nachricht erweckte, rief sie doch auch die Erkenntnis des Verlustes wach, die der Anstalt mit dem Weg— gange eines Lehrers bevorsteht, der in gewissenhafter Treue und vorbildlicher Gerechtigkeit sich


