einen Urlaub nachsuchen müssen. Am 27. Mai übergab er die Geschäftsführung dem Unterzeich- neten, der mit seiner Vertretung in der Schulleitung beauftragt war.
Zur Aushülfe wurde der Anstalt der Kandidat Dr. Britten vom pädagog. Seminar an der Oberrealschule in Saarbrücken überwiesen.
Dem Oberlehrer Koellein wurde mit Patent vom 30. Juni 0O8 vom Herrn Minister der Charakter als Professor und bald darauf von Sr. Majestät der Rang der Räte IV. Klasse verliehen.
Vom 9. bis 17. Juni war Professor Dr. Heep zu dem archäologischen Ferienkursus in Bonn und, Trier einberufen. Am Samstag den 4. Juli nahm die Mehrzahl der Lehrer an der Versammlung Rheinischer Philologen in Bonn teil, weshalb mit Genehmigung des Prov. Schul- Kollegiums der Unterricht ausgesetzt werden durfte.
Am 9. September traf nun aber die Schule der schwerste Schlag. In Saarlouis, Wo Direktor Dr. Fehrs im Hause des Sohnes Erholung gesucht, wurde er in die Ewigkeit abgerufen. Die Leiche wurde hierher gebracht und in schwerem Zinksarge in der Aula aufgebahrt. Für den herrlichsten Blumen- und Kranzschmuck sorgte die Liebe der jetzigen und früheren Schüler, die Freundschaft und Verehrung weiter Kreise. Die Bestattung erfolgte am Sonntag den 13. September nachm. 2 ½ Uhr, nachdem für die engere Schulgemeinde schon vorher um 2 Uhr eine kurze Traueran-— dacht von dem Unterzeichneten in der Aula gehalten worden war. Ein fast unermeßlicher Zug geleitete den lieben Entschlafenen zu Grabe, darunter auch Vertreter der Lehrerkollegien von den benachbarten Anstalten wie Dillenburg, Marburg,(Oberrealschule) und namentlich Weilburg, von dem der Direktor selbst, Herr Geheimrat Dr. Paulus, mit einer größeren Anzahl seiner Lehrer erschienen war. Die Rede am Grabe hielt Herr Pfarrer Günder.
Um für die Schulgeschichte die Persönlichkeit des Entschlafenen festzuhalten, sei hier eine schlichte Skizze seines Lebensganges wie seiner Wirksamkeit beigefügt.
Friedrich Wilhelm Ernst Fehrs war geboren am 28. Dezember 1841 zu Sinzig a. Rhein als der Sohn des Kanz'eirates Fehrs, der später nach Kreuznach verzog. Hier besuchte Friedrich das Gymnasiam und bestand an ihm die Reifeprüfung am 1. August 1861. Vom Herbste dieses Jahres an widmete er sich dem Studium der Mathematik und Physik auf der Universität zu Berlin. Am 23. Mai 1864 legte er sein Examen pro facultate docendi ab und erhielt in ihm die volle Lehrbefähigung für beide Studiengebiete. Nach seinem Probejahr, das er an dem Gymnasium zu Kreuznach schon Ostern 1865 angetreten hatte, blieb er noch als freiwilliger Hülfslehrer dort tätig und ging dann noch einmal nach Berlin zurück, um aſs Mitglied des Seminars für Lehrer der Mathematik und Natur- wissenschaften am Kgl. Friedrich-Wilhelmsgymnasium zugleich auch die Kgl. Tarnlehrerbildungsanstalt als Civil- eleve zu besuchen. Nachdem er diese beiden Kurse mit gutem Erfolge hinter sich und inzwischen auch 1866 an der Universität Jena die philosophische Doktorwürde erlangt hatte auf Grund seiner Dissertation:„Erklärung der Ring- systeme, welche in einer senkrecht gegen die Axe geschliffenen Kalkspatplatte beobachtet werden“, erhielt er Ostern 1867 eine wissenschaftliche Hülfslehrerstelle an der Realschule l Ordn. zu Mülheim(Ruhr). Schon nach Jahres- frist wurde er als 1. ordentlicher Lehrer an die damalige Realschule I. Ordn. nach Hagen gewählt und von dort dann, nach bloß 1 ½ jähriger Tätigkeit, als Oberlehrer an das hiesige Kgl. Gymnasium berufen am 1. Oktober 1869. Es war das selbst für jene Zeit ein ungewöhnlich rasches Autfsteigen und nur erklärlich, wenn dem so chrenvoll Berufenen eine besonders tüchtige praktische Befähigung eigen war. Uud diese wird ibm tatsächlich auch durch urkundlich vorhandene Schriftstücke aufs schönste bezeugt. Fast 18 Jahre hatte er an dem Wetzlarer Gymnasium als Lehrer gewirkt unter den Direktoren Gideon Vogt und Pertz, a's er nach des letzteren Heimgang im Somwmer 1886, erst zum stellvertretenden und Ostern 1887 zum Kgl. Gymnasialdirektor ernannt wurde. Bedeutsam für die Schule sind die 21 Jahre seines Direktorates geworden. Aus unwürdig engen Raumverhältnissen hat sie sich ent- wickelt, hat Lieht und Luft gewonnen, wie es der an Schülerzahl auch wachsenden entsprach. Mehrere Klassen- räume, der Zeichensaal, die Aula sowie vor allem die Turnhalle sind unter dem Direktorate des Heimgegangenen entstanden. Seinem Betreiben ist auch die jüngste, z. Z. noch nicht ganz vollendete Erweiterung des Klassenge-


