und mit 2 Unterprimanern wurde nun eine wiſſenſchaftliche Arbeit„Über die Entſtehung des deutſchen Materialismus in der Mitte des vorigen Jahrhunderts“ in Angriff genommen. Feuerbachs und Hegels Werke wurden unter beſtimmten Geſichtspunkten von den Schülern ſelbſtändig durchgearbeitet und feſtgeſtellt, daß der Materialismus Feuerbachs, der ſich nach und nach entwickelt und 1842 deut⸗ lich zum Durchbruch gelangt, zunächſt als Reaktion gegen den Hegelſchen Abſo— lutismus in Erſcheinung tritt. Das Studium dieſer Quellen war für die Schüler ſehr ſchwer, ſie haben an manchen Sätzen ſtundenlang gedeutelt, um den Sinn zu erfaſſen, aber der geiſtige Gewinn war groß und die Freude am Erreichten noch größer. Im Verlauf ſollen nun die übrigen Wurzeln des deutſchen Mate⸗ rialismus in der ſeit Anfang des Jahrhunderts ſich entwickelnden Technik, in dem Fortſchreiten der chemiſchen, phyſiologiſchen und biologiſchen Wiſſenſchaften und in dem Einfluß der franzöſiſchen Materialiſten Cabanis, Flourens, Magen— die geſucht und klargelegt werden.
Phyſik: Es nahmen im Sommer 3, im Winter 2 Oberprimaner teil. Zur Behandlung kam die Lehre von den elektriſchen Schwingungen und ihre An⸗ wendung in der drahtloſen Telegraphie und Telephonie. Es war beabſicchtigt, das Experiment zur ausſchließlichen Grundlage zu machen, doch die noch unfer— tige Ausſtattung der phyſikaliſchen Sammlung nötigte in dieſer Hinſicht zur Beſchränkung. Nach einer vertiefenden Wiederholung der Lehre vom Elektro⸗ magnetismus und von der elektriſchen Induktion wurden betrachtet die Fedder⸗ ſenſche Entdeckung von der oszillierenden Entladung, die Verſuche von Hertz, die erſten Verſuche drahtloſer Zeichengebung mittels des Kohärers, die ſtufenweiſe Vervollkommnung bis zur abgeſtimmten Telegraphie. Hauptgewicht wurde ſodann gelegt auf ein gründliches Verſtändnis der Wirkungsweiſe der Elektronenröhre als Gleichrichter, Verſtärker und Sender. Auch einige einfache Schaltungen (z. B. Audiarſchaltung) wurden näher betrachtet und in ihrer Wirkungsweiſe unterſucht. Eigene Apparate wurden nicht angefertigt, da es nicht darauf an— kam, mechaniſche Baſtelfertigkeit, ſondern wiſſenſchaftliches Verſtändnis der Grund⸗ lagen zu vermitteln.
Biologie: Im Sommer wurden behandelt: 1. Die Optik des Mikroſkops (Einführung). 2. Die Bedeutung der Einſchlußmedien(vom optiſchen und bio— logiſchen Standpunkte aus betrachtet). 3. Das Weſen der Färbung bei mikro— ſkopiſchen Präparaten. 4. Die Herſtellung einfacher mikroſkopiſcher Präparate (Trockenpräparate, einfache Balſampräparate, einfache Färbungen). 5. Makro⸗ ſkopiſche Ubungen.(Präparationen am Ohr, Freilegen der Gehör-Knöchelchen, ihr Montieren zu Sammlungspräparaten). 6. Theoretiſche Zoologie.(Vorträge). Konſtante Arten(Ariſtoteles bis Linné). Umgebildete Arten(Larmarck, Darwin, Nägeli, Wagner, Haeckel). 7. Kritik der Deſzendenztheorie(Ausſprache der Schüler).
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