weniger grobe Differenzierungen als jener, der in ſeiner gegenſtändlichen Art ſchnell die eigenartige Struktur ſeiner Mentalität erkennen läßt. Hier iſt Geiſtiges noch mit dem Lebendigen in einer Einheit verbunden, während dort das Geiſtige ſich bereits emanzipiert und ſublimiert. Bei der Prüfung der 14 jährigen haben uns die neuzeitlichen Prüfungsmethoden zur Feſtſtellung beſonderer Begabungen wertvolle Dienſte geleiſtet. Ich könnte hier manches ſagen, was jeder andere Be⸗ rufsberater auch erfährt: vom Kampf mit Dünkel und vorgefaßten Meinungen, von den Grenzen der Erkenntnis der Mentalität, von der Anzulänglichkeit des Experimentes u. a. m.; davon glaube ich abſehen zu dürfen, weil man das auch in Büchern leſen kann. Dagegen will ich angeben, in welcher Weiſe wir unſere Arbeit ſelbſt kontrolliert haben. Wir beſuchen im Laufe des Jahres die Jungen in ihrer Werkſtatt, im Büro, in der Verkaufsſtelle, fragen den Lehrherrn, wie er zufrieden iſt, und erkundigen uns bei unſerem Schützling nach den Fortſchritten und nach ſeinen Wünſchen. Wir würden vor einem Wechſel in der Lehrſtelle nicht zurückſcheuen, falls der Lehrherr für dieſen Jungen nicht geeignet wäre, und wir bringen rückhaltlos vor, was uns an der Verwendung des Jungen nicht ge⸗ fällt. Es bildet ſich ſo ein perſönliches Verhältnis heraus, das für alle von Vorteil iſt. Gleichzeitig ſehen wir auch, ob unſere Beratung gut oder fehlerhaft war. Er⸗ freulich für unſeren Erfolg iſt, daß die Meiſter und Kaufherrn keinen Lehrjungen mehr nehmen wollen, der nicht durch unſere Hände gegangen iſt. Wir führen über jede Beratung ein Protokoll, das ſpäter durch unſere Feſtſtellungen bei den Be⸗ ſuchen ergänzt wird, und dieſe Akten bleiben bei der Kreisbehörde mit den Schul⸗ und Arztberichten über den Jungen. Die hieſigen induſtriellen Werke ſowie die Lehrer des Kreiſes arbeiten mit uns zuſammen; Handwerksmeiſter, Kaufleute, Vertreter der Induſtrie nehmen gelegentlich an unſeren Beratungen teil, und manche Stunde habe ich in Landſchulen in Gegenwart der Lehrer abgehalten und nachher mit ihnen das Ergebnis beſprochen.
In dieſen Beratungsſtunden gehen mir meiſt auch die Jungen durch die Hand, die in unſere Aufbauſchule kommen wollen. Manchen tüchtigen Schüler habe ich dabei entdeckt und gewonnen. Die Feſtſtellung der Eignung für die höhere Schule iſt meines Erachtens beſonders ſchwierig. Es genügt nicht, daß der Junge den Stoff der Volksſchule gut beherrſcht; ein tüchtiger Volksſchüler iſt nicht immer ein guter höherer Schüler. Die Volksſchule ſoll in der Hauptſache gegenſtändliches Denken vermitteln; die höhere Schule dagegen ſchreitet hinauf zum begrifflichen, abſtrakten Denken, ſchafft aus Theſe und Antitheſe die Syntheſe und gewinnt ſo den geiſtig höheren Standpunkt, der Kberſicht und Einſicht ermöglicht und eine gleichartige Beurteilung verſchiedener Fälle im Reiche der Dinge zuläßt. Dieſe Amſtellung im Denken iſt nicht allen Schülern möglich. Anlage, Vererbung ſpielen hier eine große Rolle. Es wäre falſch, wollten wir dieſe abſtrakte Art des Den⸗
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