Jahrgang 
1909
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da es Sklaven im homerischen Hause nicht gibt.¹) Im Lager von Troja, wo Herolde oft Dienste verrichten, die in der Odyssee meist Sklavenarbeit sind, bekommen diese einmal den Auftrag, das Bad zu rüsten(j 39). Vebrigens ist» 297 ein männlicher Badediener anzunehmen, dem man ein Trinkgeld gibt(A. Römer, Hom. Studien S. 431) bezeichnender Weise in der Erzählung von Ktesippos' Wurf.

Und eben weil es Sklavenarbeit ist, ist es nicht Sache der Herrin. Nur insofern diese ge- legentlich Dienste tut, für die sonst die Dienerinnen da sind, ist es denkbar oder kann es der Dichter so darstellen, daß Damen einmal beim Bade Hilfsdienste leisten, da ja moralische Bedenken ursprünglich nicht vorliegen. Aber die Beispiele, die im Homer vorkommen, brauchen das nicht zu beweisen. Es handeſt sich um; 464, wo Telemach durch Nestors Tochter Polykaste, und d 252, wo der verkleidete Odysseus von Helena, wie es heißt, gebadet wird; die Stelle e 264, wo Odysseus von Kalypso der Dienst geleistet wird, pflegt man in den Zusammenstellungen aus irgend einem Grunde wegzulassen, ebenso 449 f., wo Odysseus' Gefährten durch Kirke gebadet werden. Und welche Ehre mußte das für die armen Burschen sein! Denn nach Finsler u. a. ist es für den Gast eine besondere Ehrung, von den Damen des Hauses eigenhändig bedient zu werden. Warum Kirke sie freilich Odysseus' Gefährten erweist, ihm selbst aber nicht(denn er wird nur von Dienerinnen bedient) das ist freilich nicht ersichtlich. Ebenso wenig, wie Helena für den armen Bettler unbemerkt Feuer anmachen und Wasser holen kann, zumal das Badezimmer unmittelbar neben dem usαρον hliegt. Nun steht da: sr εν, aber in diesem Fall klingt die schon längst gegebene(Ameis-Hentze²) und bestrittene(Nägelsbach) Deutung von Aobeu wahrscheinlich: machen, daß jemand gebadet wird. Und der Dichter, der Odysseus y 296 von Nausikaa sagen läßt:(Eõuε) Jodοi ν zorauc, hat doch sicher die Erzählung so im Sinne gehabt, wie wir sie jetzt kennen, daß die Königstochter ihren Dienerinnen den Auftrag gibt( 210). Daraus, daß diese wieder den Fremdling auffordern, sich zu waschen, geht doch nur hervor, daß sie ihm dabei helfen wollen ( 216; vgl. unten). Jedenfalls hat noch kein Neuerer y 296 so gedeutet, als müßte Alkinoos an eigenhäandige Bedienung seiner Tochter glauben. Und* 449 f. scheint mir niemand anzunehmen, daß Kirke Odysseus' Gefährten eigenhändig bedient.¹) So ist es denn möglich, daß 153 nicht die Schaffnerin selbst den Fremdling badet, wenn es heißt 105εν, sondern nur die Mägde bei den verschiedenen Verrichtungen beaufsichtigt, wie£q 449 ff. Aretes Schaffnerin ihn sich baden heißt, die Mägde aber ihn bedienen.

Aber man könnte die Stellen, wo Damen bedienen, auch anders deuten: wie Herren und Herrinnen öfters andre Sklavendienste tun, könnte ihnen der Dichter auch dies zuschreiben; von Kalypso könnte er es etwa so gemeint haben; freilich, obwohl er die einmal gegebene Höhlen- wohnung(mit Badeeinrichtung!) beibehält, ohne Bedienung beim Mahle kann er die Göttin sich nicht denken( 199). Oder die Erzählung von Odysseus' Bad durch Helena wäre so uralt, daß gar keine Bedienung zur Zeit ihrer Entstehung vorausgesetzt wäre; aber B. Niese(Entwicklung d. hom. Poesie S. 42) nimmt wohl mit Recht an, daß diese Erzählung auf Nachahmung der Doloneia beruht. Oder der Dichter hätte ohne weiteres Nachdenken einen Zug, der einmal zur Aufnahme von Gästen gehörte, nämlich von einer Dame des Hauses bedient zu werden, auf andre Stellen übertragen. Ein Vorbild dafür könnte die Stelle- 464 gewesen sein.

Die Erzahlung, daß Telemach durch Polykaste selbst gebadet wird, ist sicher alt. Das geht daraus hervor, daß Hesiod sie nicht nur gekannt, sondern mißdeutet hat. ¹) Er dachte gewiß an ¹) Diese einfache Ueberlegung lag Aristarch freilich fern, der 7 333 die überlieferten weiblichen Sklaven in männ-

liche verwandelte(dεακααα zu ³αας). 3. ²) Zu 296Job und osεο in faktitiver Bedeutung: jemanden sich baden lassen, indem der Ort ihm angewiesen 2 g8:

wird und die dazu erforderlichen Gegenstände dargereicht werden: vgl. 210 mit 216. 4) Einer meiner Schüler bemerkte, als ich die Klasse auf das 100α hinwies, sofort:Kirke kann doch in der

kurzen Zeit nicht alle 22 selbst abwaschen und einreiben.

) cf. 17 R.(Eustath. 1796, 39) I7Aedeν A Srevrs S68νος IIoauzdoe,, Vérοοοσ rJorär, zoh Whed⁵αο, Ieoοσςσπομ μεᷣ̃νεα ϑs Sναε‿ 1ιινꝙ Das Certamen 34(39) f. läßt die beiden sich in lthaka heiraten und Homers Eltern werden, gibt freilich die Namensform Epikaste.