12
Bezeichnend ist wohl, daß bei Menelaos, wo wir nichts von Hausgemeinschaft hören, außer diesem Anspannen auch nicht vorkommt, daß Herren oder Herrinnen Sklavenarbeit tun.
lch sagte eben, bei Priamos gebe es keine Sklaven; das soll sich nicht nur auf den fast vergessenen Zustand der Hausgemeinschaft beziehn, sondern für die nächst-spaâtere Zeit bedeuten: keine männlichen Sklaven. In der friedlichen mykenischen Zeit versagt die Haupterwerbsquelle der Sklaverei; in den kriegerischen homerischen Zeiten werden durch Raub oder Städteeroberung Sklavinnen erworben¹), denn die Männer werden erschlagen, heißt es immer. Sklavenhandel aber findet sich fast noch gar nicht. Nun werden die Sieger nicht immer die männlichen Kinder erschlagen oder freigelassen haben. Jedenfalls hören wir von Odysseus' Palast(ꝶ 421, 316 f.) ganz deutlich, daß 50 Dienerinnen darin seien, aber keine Diener; denn die wenigen, die der Herrscher hat, wohnen draußen auf dem Lande beim Vieh; ein Sklave im Hause, Dolios, kommt freilich vor, ist aber von etwas zweifelhafter Existena. Und wenn in der Interpolation 7 103 '= 7 421) als Bedienung im Phäakenpalast wieder nur die 50 Dienerinnen erwähnt werden, so entspricht das den Verhältnissen, wie sie einmal gedacht waren. Nachher werden freilich doch Diener erwähnt. Die Zahl 50 klingt stark übertrieben; auf dem Olymp ist man bescheidener und
hat nur eine Dienerin, Hebe, aber keinen Diener.(Zum Ganzen vgl. Ed. Meyer, Gesch. d. A. II S. 306 und Finsler S. 360 f.)
Daß Männer von Dienerinnen gebadet werden, ist deutlich gesagt: 9 449 f., wo Odysseus durch Aretes Mägde gebadet wird, 348 f. durch Kirkes, 153 durch Eurynome, 366 Laertes
Dienerin für Machaon, X 442 Andromaches Mägde für Hektor das Bad. Und wenn k 905 Ares von Hebe gebadet wird, ist dies auch nur ein Beweis dafür, daß Hebe ursprünglich nur Dienerin ist. Und zwar handelt es sich nicht nur darum, Feuer anzumachen, Wasser zu holen und zu wärmen, dem Herren neue Kleider zu reichen, sondern auch dem Badenden, der in der Wanne sitzt, beim Waschen behilflich zu sein, ihm in Ermangelung einer Dusche das heiße Wasser über Kopf und Rücken) gießen und sich salben und ankleiden zu helfen. Das hat für unser Empfinden ja etwas sehr Bedenkliches; aber wir können zunaâchst Finsler zustimmen, der gerade über diesen Punkt sagt(S. 366):„Die homerische Poesie ist anständig, aber nicht prüde, und so müssen auch die Sitten gewesen sein.“ Daß das gerade im Punkte dieses Badens denkbar ist, beweist eine Parallele aus dem deutschen Epos und Leben: E. Martin sagt in seinem Kommentar zum Parzival): „Weibliche Bedienung im Bad ist die gewöhnliche im Mittelalter, wie sie noch jetzt in Skan- dinavien und Finnland vorkommt, und die Gefahr für die Sittlichkeit wird nicht empfunden.“ Vielfach sind ja in anders gearteten Kulturen oder Kulturstufen mit Sittenreinheit Bräuche verbunden, die für unser Gefühl anstößig sind.
Bedienung ist aber aus den verschiedensten Rücksichten für Erquickung und Kleiderwechsel erwünscht, namentlich dem ankommenden Gaste. Sie ist nun naturgemäß Aufgabe der Sklavinnen,
der Umstand, daß aus der troischen Beute nicht nur keine edlen, sondern überhaupt keine Sklavinnen erwähnt werden.
*) cf. Schrader, Realb. d. indog. Altt. S. 57.— Bezeichnend ist, daß Menelaos 5 128 zwei silberne Badewannen aus Aegypten mitbringt.— Vgl. auch Hentze zu„ 468.
²) Nägelsbach nimmt, doch wohl nur aus Schicklichkeitsrücksichten, an, der Badende säße bis zu den Schultern in kaltem Wasser; er wird das kaum ausprobiert haben.— Vom Frisieren wird merkwürdiger Weise nicht gesprochen, das später ein Hauptdienst des Badedieners war und in mykenischer Zeit sicher sehr nötig.
¹) Halle, 1903. S. 165. W. Pertz, Parzival 4 S. 498 gibt viele Beispiele für weibliche Bedienung aus mittel-
alterlichen Epen und Geschichte, darunter auch einige durch vornehme Frauen.— Die Kirche wird schon ihren Grund gehabt haben, gegen diese Sitte vorzugehen.
¹) Bezeichnend dafür, wie wenig die Odysseussage ursprünglich mit dem trojanischen Krieg verbunden ist, ist wohl
— 0 œ☛ A
—— O 4-dA——...0Gh 8B8 ☛8————-——= 28 ⏑⁸ʃ—
—,————


