Jahrgang 
1909
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Schwiegersöhnen zusammen in einem Hause(ĩ6₰ι); so ist auch die Situation Q 166 und X 62 f. gedacht. Aber dieser alte Zug ist nicht konsequent beibehalten: in Z hat Hektor seinen eigenen Palast, ebenso Paris, dessen Jäaduos. dnw und u⁴s Z, 217 eigens erwähnt werden; vielleicht ist es eine alte Spur, daß Hektor gleich weiß, daß Andromache nicht zu Hause ist, als er sie im dëε‿αοꝶ;U nicht findet; ebenso, daß die Paläste noch nahe aneinander sein sollen. In der Odyssee (ν 517) wie in der kleinen Nias hat auch Deiphobos seinen eignen Palast. So entspricht es der ungekünstelten Vorstellung, dem jeweiligen Bedürfnis des Dichters Weshalb behält man aber überhaupt solche alten Züge bei?Die Dichter wollen eine Vorzeit schildern und können dazu die auf alte Zeit hinweisenden Spuren gut gebrauchen.(Finsler S. 390.)

Nun finden sich aber auch sonst Spuren dieser patriarchalischen Art des Wohnens. Für Nestors Familie hat Hentze zu 396 dasselbe mit Recht angemerkt, wenn es auch nicht vom Dichter ausdrücklich gesagt wird, sondern aus den Tatsachen zu kombinieren ist: Nestors Söhne, die bis auf Peisistratos verheiratet sind, und seine Schwiegersöhne wohnen mit ihm in dem- selben Hause.

Bei den Phäaken scheint man es noch nicht beachtet zu haben, und doch sagt es Nausikaa 62, daß ihre fünf Brüder mit in des Vaters Hause wohnen, von denen zwei verheiratet sind. Aber wenn Alkinoos 314 sagt, er wolle seinem künftigen Schwiegersohn dzon 2a zciuac geben, widerspricht das der früheren Vorstellung.

Bei Aiolos( 5) sind ja die Söhne mit den Töchtern verheiratet und wohnen zusammen in ihrer Burg(xode) und haben natürlich gemeinsamen Haushalt(V. 8). Zu arbeiten werden sie ja wohl nicht haben, wie eine menschliche Hausgemeinschaft, aber nach deren Bild ist ihr Zusammen- leben doch gedacht. Ebenso steht es doch mit dem Bilde, das sich Homer von dem Zusammen- leben der olympischen Götter macht.

Laertes hat ja nur einen verheirateten Sohn, mit dem er bis zu dessen Wegreise zusammen- wohnt( 267). Aber vom Gesichtspunkte der Hausgemeinschaft aus fällt ein Licht auf Odysseus' berühmten Thalamos¹). Wenn nämlich ein Mann heiratete, so baute er sich ein Ehe-Gemach an das Haus seines Vaters oder Schwiegervaters an; eigenhändig, denn Sklaven gibt's für den Ge- sellschaftszustand der Hausgemeinschaft nicht. So heißt es 5 36, des jungvermählten Hyperenor Witwe traure ³Qeν aan, veoο, und 1 226 f. heißt es von dem neuvermählten Iphidamas, er käme nach Troja aus dem Brautgemach, das auch nach F. Noack(Hom. Paläste S. 50) zum Hause des Schwiegervaters gehört.(H 701 und» 241 handelt es sich um ein Douos bezw. να, des Neuvermählten.) In diesem Sinne ist auch wohl die Nachricht ursprünglich aufzufassen, daß Paris seinen Palast selbst gebaut hätte, wenn es auch Z 313 f. heißt, er habe es mit den besten troischen Bauleuten getan. So stand also nahe Laertes' Haus ein Oelbaum, um dessen Stumpf Odysseus sein Ehegemach eigenhändig daran baute, als er sich verheiratete(G 189 f.).

Nur Menelaos' glänzende Hofhaltung zeigt keine Spur patriarchalischen Zusammenwohnens, nier ist eben allesmykenisch. Aber wenn sonst alle Haushaltungen, die wir näher kennen lernen, auf die Hausgemeinschaft zurückdeuten, so ist doch wohl der Schluß sicher, daß die Griechen auf diese Art wohnten, als die Erzählungen sich bildeten. Die Verhältnisse der Sklaverei weisen auch dahin, über die gleich noch einiges zu sagen ist. Zu der Vorstellung des Herrenhauses, die bei Homer und bei uns die gewöhnliche ist, patzt diese Kulturschicht allerdings nicht recht. Daß geschichtlich in diesem Fallenichtmykenisch«=vormykenisch ist, wage ich nicht zu behaupten, (obschon die phâakische Geschwisterehe und Priamos' Polygamie wohl auf hohes Alter hinweisen)

¹) Eine Anmerkung über das homerische Haus möchte ich doch machen, ohne zu glauben, daß die Formel mit den Kulturschichten dasSesam öffne dich für alle Schwierigkeiten sci: daß die Vorstellung des homerischen Hauses nicht einheitlich ist, wird allerseits anerkannt. Aber es wird immer vorausgesetzt, daß z. B. Odysseus' Haus einheitlich gedacht sei. Das ist ebenso wenig der Fall, wie etwa bei Odysseus' Haarfarbe, die? 399= 431 blond ist, aber 8 230= 158, sind die Haare 5ar νε‿ dννε οιαα, 176 ist der Bart schwarz. Der Düngerhaufen und der leicht aufzureißende Fußboden, ich denke auch das Obergemach, vertragen sich nicht mit der mykenischen Badeeinrichtung 154. O. Seeck(S. 50) schließt aus der bald hölzernen, bald steinernen Schwelle auf zwei verschiedene Quellen.