4 beschränken: die Stellung der Königin Arete und die Sitte, daß Männer durch Mädchen gebadet werden. Diese Zusammenstellung, die sich im Verlauf der Untersuchung einigermaßen rechtfertigen wird, hat schondden Vorteil, daß ich fast nur die Odyssee, besonders die Phäakis, weniger die Jlias ins Auge zu fassen brauche, das sonstige Epos, sowie Lyrik und Drama aber bei Seite lassen kann. Sie entspringt auch meiner Absicht, mein Hauptaugenmerk auf die ethische Bedeutung der Frage zu richten, sie zunächst freilich vom geschichtlichen, vielmehr völkerkundlichen Standpunkt aus zu betrachten. Dazu möchte ich hauptsächlich auf altdeutsches Epos und Leben hinüberblicken, die beide Parallelen und Aufklärungen zu Homer bieten, zeigt doch u. a. das Nibelungenlied ein ähnlich geartetes Kulturbild, wenn es ursprünglich mythologische Gestalten wie Siegfried und Brunhild mit den geschichtlichen wie Etzel und dem gleichzeitig gesetzten Theoderich und Bischof Pilgrim, heidnische Charaktere und Anschauungen mit dem Christentume vereinigt.
1. Die Stellung- Aretes.
Es ist oft gesagt und oft bestritten, daß die Frau im heroischen Zeitatter eine höhere Stellung gehabt habe als in der klassischen Zeit. Als Beweis für eine hohe Stellung wird die Phäaken- königin immer einfach in einer Reihe mit anderen homerischen Frauengestalten angeführt. Mit Unrecht: Die Stellung Penelopes und Andromaches hat ihren Grund in der Persönlichkeit des Dichters, diejenige Aretes in einer ihm vorliegenden Ueberlieferung. Sie beruht auf einem Ge- sellschaftszustand, den man vielleicht vorgeschichtlich nennen kann. J. Beloch(Griech. Gesch. S. 63) weist darauf hin, daß sich in den griechischen Anschauungen noch Ueberreste des sogen. Mutterrechtes finden, wie er auch die gentilicische Ordnung bei Homer„ohne Zweifel ein Erbteil aus proethnischer Zeit“ nennt(S. 40). Die hervorragende Stellung der Stammmütter in der genealogischen Tradition, die Herleitung des lokrischen Adels von den Frauen der„hundert Hâuser“, die Parthenier Tarents führt er als solche Spuren an. Anderseits findet er im Mythus und in den Gebräuchen der homerischen Zeit Ueberreste des alten Brauches, daß die Witwe ihrem Gatten in den Tod folgte(S. 115). Wir haben also da schon widersprechende Anschauungen.
Eine solche Erinnerung an ehemalige Zeit scheint mir nun auch Aretes Stellung zu sein. Aus dem Epos selbst hat man sich den Widerspruch verschiedentlich zu erklären gesucht dazwischen, wie erst ihr Einfluß auf König und Volk gerühmt wird und welche geringe Wirkung er nachher tatsächlich für den Verlauf der Erzählung hat: 310— 312 weist Nausikaa den Fremdling aus- drücklich an ihre Nutter, nicht an den Vater. In der Parallelstelle„ 48 ff. spricht Athene es deutlich aus: das Wohlwollen der Königin entscheidet über Odysseus' Schicksal. Aber schon seine Anrede„ 146 ff. gilt nicht allein ihr, sondern auch dem Könige und den Geronten; und dann erwartet man doch, daß die Königin spricht oder daß wenigstens der rätselhafte Herr Echeneos oder der König Rücksicht darauf nimmt, daß der Fremdling gerade die Königin angerufen hat. Nichts davon, es ist ganz selbstverständlich, daß er gut aufgenommen und heimgeleitet wird; denn so machen die Phäaken es mit jedem Fremdling; zürnt ihnen ja doch deswegen schon längst Poseidon( 92 f., 207; ₰q 31 f., 546, 566). Man erkennt gar keinen Grund, warum der Held sich gerade an Arete hat wenden müssen. Und im weiteren Verlauf tritt sie nirgend bemerkens- wert hervor, nur daß noch zwei Stellen von ihrer hohen Stellung Zeugnis ablegen:* 55 ff. nimmt Odysseus von ihr besonders Abschied, obwohl er sich schon von Alkinoos im Namen aller ver-— abschiedet hat(V. 38 f.), und hiem erklingt das tiefgefühlte Wort: 4ετ⁴ ετάό νε̈ναα.. 7 35 f. ist es die Königin, die das schweigende Staunen über die Abenteuer unterbricht, ceaος ανιν Ʒεμ⁴ε sεœσνν sagt sie dabei stolz; sie ist es hier, die die Phäakenfürsten zu reichlichen Geschenken auffordert; aber hier sagt Echeneos, eigentlich nicht sehr höflich, sogleich:„Schön, aber auf Alkinoos kommt es an.“(V. 346.)


