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Durchzügler besuchten auch unter Führung ihrer Quartierwirte die Wartburg, den Beschluss bildete gegen Abend eine nochmalige religiöse Andacht in der Nikolaikirche.
Am dritten Tage fand auf dem Markt feierlicher Abschied statt unter Glockengeläute mit Rede und Gesang; hierauf erfolgte die Verteilung des Viaticums durch die Quatuorviri, und dann setzte sich der Reisezug auf den vorher erwähnten Strassen in Bewegung, unter Führung des preussischen Kommissars und der dazu bestimmten Ratsmitglieder und Herzoglichen Beamten, von zahlreichen Bürgern bis zur nächsten Raststelle oder gar bis zum nächsten Nachtquartier begleitet
Das Bild, welches sich uns entrollt hat, legt Zeugnis ab von dem tiefreligiösen Sinn der damaligen Bevölkerung Eisenachs und Thüringens, die, wie der Stadtschreiber und Syndikus Wolff bemerkt, in Schaaren von Tausenden sich einfand, nicht allein, um ihre Neugier zu befriedigen, sondern um den bedrängten Glaubensgenossen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, Leugnis auch von dem edlen Sinn des Herzogs, der auch hier die Traditionen des Ernestinischen Zweiges des Hauses Wettin hoch hielt und betätigte.
Zum Schluss lassen wir noch das berühmte, in echtem Volkstone gehaltene Exulantenlied der Salzburger folgen, das unserem Aktenstück in einem gedruckten Exemplar(Langensalza, ge- druckt bei Heergart) angefügt ist.
Ich bin ein armer Exulant, also thu' ich mich schreiben; Sie thun mich aus dem Vaterland um Gottes Wort vertreiben.
Dies weiss ich wohl, Herr Jesu mein, es ist Dir auch so gangen; Jetzt muss ich Dein Nachfolger sein; mach's, Herr, nach Dein'm Verlangen.
Ein Pilgrim bin ich auch nunmehr, muss reisen fremde Strassen, Drum bitt' ich Dich, mein Gott und Herr, Du woll'st mich nicht verlassen.
Ach steh mir bei, Du treuer Gott, ich thu' mich Dir ergeben; Verlass mich nicht in dieser Not, wann's kosten sollt' mein Leben.
Den Glauben hab' ich frei bekannt; des darf ich mich nicht schämen, Ob man mich schon ein'n Ketzer nennt und thut mir’'s Leben nehmen.
Ketten und Banden war mir ein' Ehr' um Jesu willen zu dulden, Und dieses macht die Glaubenslehr' und nicht mein bloss Verschulden.
Wenn mir der Satan und die Welt all' mein Vermögen rauben,
Bin ich doch reich, wenn's Herz behält Gott und den rechten Glauben. Gott, wie Du wilt, ich geb' mich drein, bei Dir will ich verbleiben, lch will mich gern dem Willen Dein geduldig unterschreiben.
Muss ich auch gleich ins Elend fort, so will ich mich nicht wehren; lch hoff' gewiss, Gott wird mir dort auch gute Freud' bescheeren.
So geh' ich hin in Gottes Nam'; alles ist mir genommen; Doch weiss ich schon, die Himmelskron' werd' ich einmal bekommen.
So geh' ich fort von meinem Haus, die Kinder muss ich lassen; Mein Gott! das treibt mir Zähren aus, zu wandern fremde Strassen.
Mein Gott, führ' mich in eine Stadt, wo ich Dein Wort kann haben, So will ich mich dort früh und spat in meinem Herzen laben.
Soll ich in diesem Jammertal noch länger in Armut leben, So wird mir Gott im Himmelssaal ein' bessre Wohnung geben.
Der dieses Liedlein hat gemacht, der wird hier nicht genennet; Des Papstes Lehr' hat er veracht't und Christum frei bekennet.
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