Jahrgang 
1905
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Die Kommission des Rates oder der Regierung, welche den Transport bis zur nächsten Etappe begleitet und die gestellten Vorspannpferde wieder zurückbringt, erhält von dem Preussischen Kommissar ein besonderes Dankschreiben an ihre Gemeinde und deren Behörden, und den Schluss bildet dann 1733 ein allgemeiner öffentlicher Dank des Königs von Preussen an alle die, welche seinen Schützlingen haben Hülfe und Förderung angedeihen lassen.

Um nun vom allgemeinen zum besonderen überzugehen, so ist zu erwähnen, dass der Empfang und die Aufnahme der Salzburger hier in Thüringen überall gleich freundlich waren; für Eisenach, Langensalza und Mühlhausen ist dies aktenmässig bezeugt, für Meiningen darf es als analog angenommen werden. Dass der Empfang in den Dörfern der gleiche war, wissen wir aus den vorliegenden Berichten von Lupnitz und Mihla, sodass das Bild überall dasselbe gewesen sein wird und die Schilderung, welche wir nachher von dem Empfange in Eisenach geben werden, mutatis mutandis mit geringen Abweichungen auf alle Orte Thüringens zutreffen wird. Als charakteristisches Zeichen für die Teilnahme, deren sich die Emigranten allenthalben in Stadt und Land zu erfreuen hatten, seien nur zwei in unserem Aktenstück überlieferte Züge angeführt. In Meiningen, Salzungen und noch an vielen anderen Orten werden einzelne Emigranten zurück- behalten, namentlich jüngere Leute und Kinder, um sie ein Handwerk lernen zu lassen resp. in den Hausstand aufzunehmen, in Nieder-Dorla bei Mühlhausen schleppten die Bauern so viel Bier an den durchpassierenden Zug, dass die geleitenden Kommissare aus Besorgnis vor Störung der Marschdisziplin sich zum Einschreiten veranlasst sahen beides doch recht bezeichnend.

Wir wenden uns nunmehr zu der Schilderung der Vorgänge speziell in Eisenach, die, wie schon bemerkt, auch für andere Orte zutreffend sind.

Drei Emigrantentransporte passierten Eisenach, der erste, 45 Köpfe stark, am 30. Juli, von Salzungen über Förtha kommend und spaäter über Lupnitz nach Langensalza weiter gehend, der zweite, 930 Köpfe stark, am 23. August, von Meiningen über Gumpelstadt-Waldfisch-Wilhelmsthal kommend, nach einem Ruhetage am 24. August dann am 25. August über Mihla auf besondere Einladung des Rates der Stadt Mühlhausen sich dahin wendend, der dritte in Stärke von 1900 Köpfen, am 8. September von Meiningen via Wilhelmsthal eintreffend, von Eisenach am 10. Septbr. in zwei getrennten Abteilungen teils über Langensalza, teils über Mühlhausen auf Nordhausen

weiter ziehend.

Empfang und Aufnahme gestalteten sich nun jedesmal gleich in folgender Weise.

Die Emigranten wurden durch berittene Ratsherren¹) in Förtha resp. Wilhelmsthal in Empfang genommen und bis Vor die Stadt geleitet. vor dem Tore, dh. das erste mal am Hospital St. Spiritus, die beiden andern male auf dem Rasen vor dem Frauentor), wurde Halt gemacht und die Emigranten verliessen die Wagen. Rat, Bürgerschaft, Geistlichkeit und sämtliche Schulen waren ihnen bis hierher entgegen gezogen, und nun gieng es in feierlichem Zuge unter dem Geläut aller Glocken nach dem Markt, wo die Salzburger von einem jüngeren Geistlichen, näm-

¹) Der Rat bestand i. J. 1732 aus den beiden Bürgermeistern Lor. Christ. Gebhardt und Joh. Georg Kühn, sowie den beiden Kämmerern Paul Ludw. Ernst Schellnas und Georg Wilh. Herda. Vgl. Progr. d. Karl Friedr.-Gym asiums 1904, p. 17.

2) dh. entweder eingenommen wird.

auf der sog. Schützenwiese bei der Phantasie oder auf dem Anger, der jetzt durch den Prinzenteich

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