Jahrgang 
1905
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Dass aber mit jener Auswanderung der Protestantismus in den Alpenländern noch lange nicht ausgerottet war, beweist der Umstand, dass noch 100 Jahre später König Friedrich Wilhelm III. in der Lage war, wiederum Hunderten von Protestanten aus jenen Gegenden Aufnahme in seinen Staaten zu gewähren, welche er in der Nähe seines Lieblingsschlosses Erdmannsdorf am Fusse des Riesengebirges ansiedelte, und die dort in ihren Kolonien Hohen- und Nieder-Zillertal zu Wohlstand und Blüte gediehen sind.

Von einem Teile der Emigranten des Jahres 1732 aber erfahren wir, dass sie auf ihrer Reise die Stadt Eisenach passiert haben. Die Nachrichten hierüber finden sich in einem Akten- stück des hiesigen städtischen Archivs A. Z. la No. 124 dessen Benutzung von den Stadt- behörden in zuvorkommender Weise gestattet wurde, wofür denselben hier noch besonderer Dank ausgesprochen sei ¹).

Danach sind im Laufe des Sommers 1732 im ganzen 2875 Salzburger Emigranten, aus dem Werratale kommend, in 3 auf einander folgenden Transporten, von Preussischen Kommissaren geleitet, in Eisenach eingetroffen, sind hierselbst feierlich empfangen, einquartiert und verpflegt, auch mit Geld beschenkt worden, und sind nach einem in der Stadt verbrachten Rasttage teils über Mihla und Mühlhausen, teils über Langensalza und Nordhausen ins Magdeburgische weiter gezogen. Andere Transporte mögen über Oberhof-Erfurt, durch das Saale- und Elstertal nach Kursachsen und dann nach Brandenburg geleitet worden sein: uns beschäftigen hier nur die- jenigen, welche die Stadt Eisenach berührten.

¹) Akten-Auszug aus Fasc. la No. 124 des Eisenachier Ratsarchivs. No. 1. 1732. 13. Juni. Das Konsistorium zu Eisenach an den Rat daselbst. Anordnung des Empfangs der ange- meldeten Emigranten. No. 2. 1732. 13. Juli. Protokoll der Ratssitzung betreffs Empfang der Emigr. Beschluss: Empfang der Em. am alten Kornhause durch Behörden und Schulen. Festsetzung des seitens der Stadt zu gewährenden

Geldgeschenks. No. 3. 1732. 30. Juli. Ratsprotokoll über den stattgefundenen Empfang der 45 Salzburger aus dem Amte St. Johann. No. 4. 1732. 31. Juli. Ratsprotokoll über den Verlauf des zweiten Tages. No. 5. 1732. 31. Juli. Schreiben des Rates zu Eisenach an das V. Wangenheimsche Gericht zu Behringen und den

Rat zu Langensalza., Anmeldung der Em. und Bitte um Verpflegung.

No. 6. eod. Liste der freiwilligen Gaben der Bürgerschaft.

No. 7. 1732. 1. August. Ratsprotokoll über die Abreise der Emigranten nach Langensalza auf 8 Wagen. An Geld sind verteilt worden: 40 Thaler Geschenk des Herzogs, 275 Thlr. Ertrag der freiw. Sammlung der Bürger- schaft und Viaticum des Rates. In Grossenlupnit sind die Em. durch Pfarrer Hesselbarth empfangen worden, es hat Gottesdienst und Speisung, sowie Verteilung von 84 Gulden stattgefunden, darauf Weiter- marsch und Einzug in Langensalza.

No. 8. Schreiben des Rats zu Langensalza an den Rat zu Eisenach. Zusage der Aufnahme der Em. Es wird noch ein anderer Transport von 580 Köpfen erwähnt, die gleichzeitig auf einem anderen Wege in L. eintreffen.

1 9. 5. 4.... No 3 9 Bericht über die Aufnahnme der Em. in Langensalza, die gan⸗ der in Eisenach analog ist.

No. 11. 1732. 22. August. Ratsprotokoll über den Empfang des zweiten Transports. Einquartierung bei den Bürgern. Einholung durch Ratsmitglieder von Wilhelmsthal über das Hohe Kreuz(Hohe Sonne). Empfang auf den

Wiesen vor dem Frauenthor. No. 12. eod. Der Rat zu Mühlhausen an den Rat zu Eisenach. Bittet die Em. über Mühlhausen zu dirigieren. Rat beschliesst demgemäss.

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