Jahrgang 
1905
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Glaubensverfolgungen des Salzburger Kirchenfürsten in minder grellem Lichte erscheinen zu lassen, die Behauptung aufgestellt und verbreitet wurde, die Salzburger Andersgläubigen seien überhaupt gar keine richtigen Lutheraner und Reformierte, sondern Schwärmer, Sektierer und Wiedertäufer, auf welche also die Rechtswohltat der Verträge von Augsburg und Münster keine Anwendung finde, da schickte der eifrig orthodoxe König erst Boten aus, die an Ort und Stelle genaue Erkundigungen über die Salzburger Bauern einziehen mussten, und ferner liess er die Send- boten, welche sich hülfeflehend in Berlin einfanden, durch seinen Hofprediger und die Mitglieder seines Konsistoriums einem scharfen Examen auf die Reinheit ihres Bekenntnisses hin unterwerfen.

Als aber diese Erkundigungen und Prüfungen die Haltlosigkeit der Verdächtigungen von katholischer Seite ergaben, da gab es für Friedrich Wilhelm kein Zögern mehr. Am 2. Februar 1732 erliess er ein Patent, in welchem er, grade so wie einst sein Grossvater, der Grosse Kurfürst, nach der Aufhebung des Edikts von Nantes den französischen Hugenotten gegenüber getan, den um ihres Glaubens willen verfolgten und vertriebenen Salzburgern Aufnahme in seinen Landen verhiess nnd sie aufforderte daselbst eine neue Heimat zu suchen; es wurden ihnen für die Reise Tagegelder angewiesen, alle Rechte und Vorteile zugesichert, die bisher anderen Kolonisten erteilt worden seien, und die sofortige Absendung preussischer Kommissarien verfügt, welche die Auswanderer in Empfang nehmen, zu grösseren Transporten sammeln und dannunter Schutz und Geleit Sr. Königl. Majestät bis auf preussisches Gebiet begleiten sollten, um sie alsdann den für die Ansiedelung besonders bestellten Behörden zu übergeben. Zum Schluss des Schrift- stückes kam noch ein kalter Wasserstrahl für den Erzbischof, indem der König diesen scharf vermahnte, den Auswanderern keinerlei Schwierigkeiten und Hindernisse in den Weg zu legen, sondern ihnen alle durch die Reichsverfassung gewährleisteten Rechte und Vergünstigungen betreffs ihrer Habe angedeihen zu lassen, widrigenfalls der König Mittel in den Händen habe diese Seine demnächstigen Untertanen schadlos zu halten.

Das half. Von norddeutschen Katholiken und auch vom Kaiserhofe aus wurde dem Erzbischof begreiflich gemacht, dass er klug handeln werde den scharfen und energischen Preussenkönig nicht weiter zu reizen, und so traten denn im Frühjahr 1732 mehr als 20,000 Salzburger unbe- helligt die Reise aus den heimatlichen Bergen in den fernen Norden an, um unter dem Schutze der starken Schwingen des schwarzen Adlers ein neues Heim und religiösen Frieden zu finden.

Von ihnen starben ungefähr 700 Personen unterwegs, teils in Folge der Strapazen der weiten Reise, teils aber auch in Folge der vorher ausgestandenen Nöte und Angste, eine Anzahl blieb an verschiedenen Punkten des Weges zurück, von den Bewohnern der Ortschaften, die sie durchzogen, dazu aufgefordert und liebreich aufgenommen, besonders Kinder und jüngere Leute, die man zurückhielt und dem eigenen Haushalt einreihte oder ein Handwerk lernen liess, kleinere Gruppen mögen in der Mark sich niedergelassen haben, die Hauptmasse aber, rund 15,500 Köpfe ging nach dem ostpreussischen Masurenlande¹), wo sie durch die preussischen Domänenkammern Land angewiesen bekamen und bei ihrer Ansiedelung in jeder Weise mit Rat und Tat unterstützt und gefördert wurden. Ihre Nachkommen leben jetzt noch dort.

¹) Der Liebenswürdigkeit des Herrn Dr. Ausfeld, Direktors des Königl. Provinzial-Archivs zu Magdeburg, verdanke ich die Notiz, dass die Salzburger Emigranten durch das Herzogtum Magdeburg und die Mark Brandenburg nach Stettin geleitet wurden, von wo man sie auf dem Wasserwege in ihre neue Heimat Ostpreussen beförderte.