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aber auch die Zurückbleibenden beugten sich nicht: die unablässige Arbeit der Propaganda vermochte unter diesen Söhnen der Berge keinen Boden zu fassen.
Nach längerer Stille seit dem dreissigjährigen Kriege folgte eine grössere Verfolgung der Protestanten im Erzstift Salzburg zu der Zeit, wo das Vorgehen Ludwigs XIV. gegen die Hugenotten Frankreichs, die in der Aufhebung des Edikts von Nantes und der Vertreibung vieler Tausende von Anhängern Calvins gipfelten, auch in Deutschland die streng altgläubigen Kreise Deutsch- lands zu energischem Vorgehen gegen die Ketzer ermunterte. Erzbischof Maximilian Gandolph von Küenburg(reg. 1668— 1687) war es, der 1685 im Gebiete des Erastiftes die Ausrottung der heimlichen protestantischen Sektierer anordnete. Doch der Tod des Erzbischofs 1687 setzte dieser Verfolgung bald ein Ziel. Unter seinen beiden Nachfolgern traten wieder Zeiten der Duldung ein, bis i. J. 1727 der Freiherr Leopold Anton Eleutherius von Firmian den erzbischöflichen Stuhl des Hochstiftes Salzburg bestieg.
Alsbald begannen von neuem die härtesten Bedrückungen, durch welche im Verein mit den in die ketzerischen Täler entsendeten Jesuitenmissionen den von schwerer Drangsal heimge- suchten Bauern der kirchliche Gegensatz erst so recht wieder zum Bewusstsein gebracht wurde.
Nunmehr fiengen die zerstreuten Glaubensgenossen an sich zu festen Verbänden zu vereinigen. Im Sommer des J. 1731 kamen darauf etwa 300 Vertreter der verschiedenen Gemeinden in Schwarzbach zusammen und schlossen unter höchst altertümlichen Gebräuchen, wie sie von der Väater Zeiten her im Lande noch üblich waren, den Salzbund ab, in welchem sie sich gegen- seitig verpflichteten bis 2zum Tode treu beim Evangelium auszuharren. Als nun auf Befehl des Erzbischofs Firmian die Landesbehörden in den Gemeinden amtliche Ermittelungen ‚anstellten, um die wirkliche Zahl der im Lande noch vorhandenen Protestanten festzustellen, da gab es niemanden, der seinen Glauben verleugnet hätte, niemand blieb zurück: binnen wenigen Tagen waren über 20000 Personen in die Verzeichnisse der ketzerischen Bekenner des Luthertums eingetragen.
Die um ihres Glaubens willen bedrängten Salzburger Protestanten wendeten sich in ihrer naiven Schlichtheit zunächst an den Kaiser Karl VI., ihn um Schutz und Glaubensfreiheit anflehend — natürlich völlig vergeblich bei diesem eifrigen Zögling der Jesuiten, dessen ganzes Sinnen und Trachten zudem damals von der einzigen Sorge beherrscht und geleitet wurde, seiner geliebten Tochter Maria Theresia durch die pragmatische Sanktion die Erbfolge in den Habs- burgischen Landen sicher zu stellen— ein Hülfsgesuch an den zu Regensburg tagenden immer- währenden Reichstag hatte, wie für jeden Kenner und richtigen Beurteiler der Verhältnisse sich von vorn herein als selbstverständlich darstellte, ebenfalls nur ein negatives Resultat— Notschreie an die evangelischen Glaubensgenossen im Reich brachten in reicher Zahl Versicherungen des innigsten Mitgefühls und Ermahnungen zu treuem Ausharren bei der reinen Lehre— aber Hülfe, tatkräftige Hülfe, kam doch nur von einer Seite, von dem Preussenkönig Friedrich Wilhelm IJ.
Und diese Hülfe tat not.
Denn inzwischen hatte Erzbischof Firmian die Erklärung erlassen, dass er jeden Versuch seiner Untertanen, Schutz und Beistand von einer auswärtigen Macht zu erlangen, für Rebellion ansehen müsse, und da es ihm an eigenen Kräften mangelte, um energische Massregeln durch- führen zu können, so hatte er sich an die Hofburg in Wien gewendet. Und siehe da: der nämliche Kaiser Karl, der für die Bitten und Notschreie der unterdrückten Protestanten nur taube


