Jahrgang 
1905
Einzelbild herunterladen

Augsburger Religionsfriedens wurden zur Ausführung gebracht, der Klerus wurde auf seine Rechtgläubigkeit hin streng überwacht, die Jesuitenpatres entwickelten von ihren nunmehrigen Hochburgen Wien und Ingolstadt aus eine eifrige Missionstätigkeit unter den Protestanten der Alpenländer, seitens der Landesregierungen wurde mit politischem Druck nachgeholfen 80 kam die Reformation im Südosten erst ins Stocken, bald begann ihr Rückgang.

Als nun aber vollends der steirische Ferdinand in den österreichischen Erblanden die Zügel der Regierung ergriff, da war während und inmitten aller der schweren Sorgen, die ihm der 30jährige Krieg bereitete, doch die Zurückführung aller seiner Untertanen in den Schoss der alleinseligmachenden Kirche der Gedanke, der seinem Herzen am nächsten lag. 1) Nach Erlass des Restitutionsedikts 1629 und besonders nach dem Westfälischen Frieden 1648 ist dann in den österreichischen Erblanden wie im benachbarten Erastifte Salzburg und in Bayern die Gegen- reformation energisch durchgeführt und im wesentlichen beendet worden. Hunderte und Tausende von Protestanten sind damals aus jenen Ländern teils freiwillig teils dem Zwange nachgebend ausgewandert und haben sich grösstenteils im Südwesten Deutschlands niedergelassen. Bedeutende wirtschaftliche Kapitals- und Arbeitskraft ist dadurch den östlichen Alpenländern entzogen worden und den Nachbarländern zu gute gekommen. Die Grabesruhe vollkommener Glaubenseinheit lagerte sich über den Südosten des Reiches; dass aber der Protestantismus dort nicht völlig unterdrückt und erloschen war, dass einzelne Funken immer noch unter der Asche des Glaubens- druékes fortglühten, das trat immer und immer wieder in allerlei Anzeichen hervor, das trat so recht zu Tage im Erastift Salzburg um das Jahr 1730. ²)

Auch hier hatte sich über alle Schicksale und Stürme der Gegenreformation hinweg das frühzeitig eingedrungene Luthertum bei den Bauern und Bergleuten in gar manchen Tälern erhalten. Nicht ohne wiederholte schwere Anfechtungen, welchen aber auch wieder Perioden stillschweigender Duldung gefolgt waren, hatte je nach der Gesinnung der Erzbischöfe ein Luthertum ziemlich anspruchloser Art ein bescheidenes Dasein doch durch 2 Jahrhunderte geführt. In stillen Jahren war von diesem Luthertum nicht viel zu verspüren. Prediger gab es nur wenige oder gar keine; dagegen tritt uns hier die ganz eigentümliche Erscheinung entgegen, dass dieser äusserlich ganz friedliche, innerlich aber durchaus kräftige und starke Protestantismus sich durch eine ganze Reihe von Generationen ohne jede Mitwirkung der zünftigen Theologie frisch und lebenskräftig erhielt: in den kleinen Gemeinden der Alpentäler wurde die evangelische Lehre durch die erwählten Altesten und durch dieVorleser gepflegt und fortgepflanzt; äusserlich fügte man sich dem Brauche der herrschenden Kirche Aber wenn Zeiten der Verfolgung über das Land kamen, dann erwachte in diesen starrköpfigen und trotzigen Bauernseelen der streitbare Geist des Luthertums in seiner ganzen ungebrochenen Kraft.³) Der Widerstand, der gegen die Rekatholisierungsmassregeln geleistet wurde, war äusserst zäh die geistlichen Glaubensgerichte richteten auch mit den schärfsten Prozessen nichts aus die Entschlossensten wählten den Weg der Auswanderung: Hunderte beschritten ihn freiwillig, andere wichen erst dem Zwange;

z) Vgl. Winter, Gesch. des 30jähr. Krieges p. 232.

2) Von hier ab folgt die Darstellung im wesentlichen den Ausführungen von Erdmannsdörffer in seiner Deutschen Gesch. vom Westfälischen Frieden bis zum Regierungsantritte Friedr. d. Gr., Berlin 1893. II, pag. 384 ff., woselbst auch die sonstige Literatur verzeichnet ist, bes. Anm. p. 386

3) Erdmannsdörffer a. a. O.