phantasie und Gemüth wirken bei ihm noch so einheitlich zusammen, dass sie unmittelbar den ganzen Menschen ergreifen, wie denn auch die künstlerische Form zu dem allen auf's Beste stimmt. Eine solche Verbindung kann nicht wiederkehren.
Aber man verspreche sich anderseits auch nicht zuviel von Platon. Er ist nicht für Jedermann. Dem Massenunterricht bequemt er sich nur schwer. Er hat auch in dieser Hinsicht etwas Aristo- Kratisches. Man muss den Grundzug seines Wesens schon gefasst und lieb gewonnen und sich einiger- massen auf seine durch den Zeitgeist bedingte Tonart gestimmt haben, um ihm manche Wunderlich- Keiten. Umständlichkeiten und einen gewissen Stich ins Spitzfindige zu verzeihen.
Abgesehen von dieser Schwierigkeit können wir uns mit Wilamowitz den Platon wohl gefallen lassen. Aber wir brauchen dazu nicht jenes historische Bewusstsein des Zusammenhangs, auf das Wilamowitz so grosses Gewicht legt. Mir scheint die Forderung desselben der Jugend etwas zuzumuten, das ihrem Wesen im Grunde fremd ist.„Das wollen wir, Sagt Wilamowitz p. 91, den Menschen zeigen, ihr alle, welcher Nation ihr auch seid, soweit ihr Kulturvölker seid, habt einen gemeinsamen Unterbau. Neben den nationalen Elementen, die unsere Schulen uns beibringen, ist dies das allgemein menschlich Verbindende, dass die Welt eine ist, weil sie ruht autf f derselben Kultur, wie derselbe Gott sie regiert. Dieses in einen Teil der Menschen hineinzupflanzen, dass sie es nicht bloss wissen, dass sie es in sich hineinleben, das ist vonl 1 des Schweisses und der Mühe der Nation wert und das ist wohl nicht geringer zu erachten, als dass man sich anbetend Venagnen hat vor irgend welchen Idealbildern, die in der Zeit des Klassicismus errichtet wurden.... Die Möglichkeit dazu ist uns nur dann gegeben, wenn wir auf dem Gymnasium einen energischen. obligatorischen, ernsthaft be- triebenen griechischen Unterricht haben, der von einer wirklich wissenschaftlich durchgebildeten Lehrer- schaft aufrecht erhalten wird“.
Was für altkluge Leutchen müssten doch unsere Jungens werden, wenn sie immer das helle Bewusstsein des grossen culturgeschichtlichen Zusammenhangs mit sich herumtragen und so neben ihrem moralischen Gewissen noch eine Art geschichtliches Gewissen sich künstlich zulegen sollen, auf dessen Stimme sie ebenso aufmerksam hören sollen wie auf die des natürlichen.
Für die Schule müssen wir an erster Stelle fragen: wohnt dem Griechischen(der griechischen Litteratur) an sich eine hervorragende bildende Kraft inne? Erst wenn diese Frage bejaht ist, können wir weiter fragen: wird auch durch Rücksichten geschichtlicher Art dem Griechischen ein bedeutender Platz in dem Gymnasium angewiesen? Prifft, wie es hier der Fall ist, beides zusammen, so ist es klar, dass wir ihm das Lebenslicht auf der Schule nicht ausblasen dürfen. Beim Betrieb müssen wir aber den ersten Gesichtspunkt doch immer den massgebenden sein lassen. Ob die Jugend sich auf Schritt und Tritt klar mac ht:„Hierin hängen wir von den Griechen ab“, ist päda- gogisch ein untergeordneter Gesichtspunkt, weil er die Freude des unbefangenen Lernens, rein um der Sache selbst willen, stört. Die Jungen dürfen gar nicht erst fragen, wozu lernen wir dies, wozu lernen wir jenes, sondern es muss von vornherein bei ihnen feststehen, dass man ihnen nichts zu- mutet, was ihnen nicht heilsam ist. Den Culturzusammenhang lesen sie aber aus dem Homer, aus dem Sophokles u. S. w. nicht heraus, denn er steht nicht darin. Es ist genug, dass sie den Sophokles um des Sophokles willen lesen.
Der Gesichtspunkt des Culturzusammenhangs wird weit natürlicher als im griechischen Unter- richt in andern Fächern zum Ausdruck kommen, vornehmlich im Deutschen, in der Geschichte, auch
in der Kirchengeschichte. Da mag an passender Stelle auch auf manches hingewiesen werden, was


