Jahrgang 
1901
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12 platonischen Mythen, die aus volkstümlicher Mythologie und eigener Phantasie, verbunden mit religions- philosophischer Speculation zu wunderbaren Zaubergebilden zusammengewebt sind.

Ubereinstimmend damit lässt Platon im Timaeus den alten ägyptischen Priester berichten von zeitweiligen grossen Verheerungen, die bald durch Feuer, bald durch Wasserfluten über die Menschen hereinbrechen. Die Übriggebliebenen müssen sich aufs Neue aus der Barbarei herausarbeiten. Agypten ist vor solchen Verheerungen besser bewahrt als Griechenland. Daher die Jugend der griechischen Bildung im Vergleich mit der ägyptischen.

Es erhellt aus dieser letzten Bemerkung, dass Platon bei seiner Annahme einer periodischen Wiederholung der Cultur sich zunächst ganz auf irdische Verbhältnisse beschränkt, ja mehr oder weniger nur seine Griechenwelt im Auge hat, Es sind partielle Verheerungen der Erdoberfläche, die das Menschengeschlecht, d. h. eben zunächst das Griechenvolk, wieder in eine Art Urzustand zurück- werfen, aus dem es allmählich wieder zur Höhe der Cultur emporklimmt. Das Gleiche gilt von Aristoteles. Weder von einer periodischen Zerstörung und Wiedererstehung der ganzen Erde oder gar der ganzen Welt, mit folgender Neuschöpfung und Wiederkehr aller Verhältnisse, wie sie bei den Stoikern uns begegnete und wie sie ähnlich schon Heraklit und dann Empedokles lehrten, ist bei ihnen die Rede, noch von einem astronomischen Cyklus mit genauer Wiederbolung aller Vorgänge, wie sie,(ohne jene Voraussetzung der Zerstörung der Erde oder des Weltganzen) Pythagoras in missverständlicher Verquickung astronomischer und irdisch-menschlicher Verhältnisse lehrte, und wie wir sie ähnlich bei den Orphikern und neuerdings bei Friedrich Nietzsche, als eine der Phasen seines angeblich philosophischen Denkens, wiederfinden. Die beiden grössten Denker des Altertums bleiben in diesem Punkte, und zwar nicht zum Schaden der Sache, Patrioten der Erde. Wenn Platon in Andeutungen über das sog. grosse Weltjahr hie und da der Vermutung Raum geben könnte, er habe, wie die Pythagoreer, die grossen Perioden der Menschengeschichte an die Erscheinungen des Sternenhimmels geknüpft, so bewegen sich diese Ausführungen zu sehr im Halbdunkel mythischen Bilderspiels, als dass wir berechtigt wären, darin unmittelbar Platons eigentliche Meinung ausgedrückt zu sehen. Er selbst würde vermutlich eine klare Auskunft über diese Dinge einfach verweigert haben. Seht zu, würde er wohl sagen, was ihr mit dem Bilde machen könnt: der nüchterne Verstand ist hier am Ende. Aristoteles hielt sich von jeder Anwandlung dieser Art frei.

Es sind also tellurische, nicht kosmische Revolutionen, die nach der Meinung der grössten Philosophen des Altertums die wechselnden Perioden der Menschengeschichte im Grossen bestimmen. Diese ihre Ansicht hat ihr wenigstens teilweises Gegenbild in gewissen Anschauungen. die auch jetzt noch gangbar sind. Die Sage von der grossen Flut, welche das Menschengeschlecht bis auf ganz geringe Reste ausgetilgt habe und die Grenze bilde zwischen einer ausgelebten und einer neu sich entfaltenden Civilisation, hat sich selbst dem nüchternen Blicke von Naturforschern unserer Zeit vielfach dargestellt als eine, wenn auch mythisch umhüllte Erinnerung an thatsächliche grosse irdische Umwälzungen, die sich abgespielt haben zu einer Zeit, wo das Menschengeschlecht schon lange die Erde bevölkerte. Manche Beobachtungen, die man in der alten Welt gemacht hat, sind geeignet, diese Meinung zu unterstützen. Auch in der neuen Welt findet sich Stoff für ähnliche Vermutungen.

Der unermüdliche Fossilienjäger Lund, der in Amerika über 800 Knochenhöhlen untersucht hat, worunter sechs mit Menschenknochen, fand, allerdings nur in einer einzigen der letzteren, neben den menschlichen Resten Knochen ausgestorbener und noch lebender Tiere vor. Die Menschen- knochen zeigten ganz den Typus derjenigen Race, die noch zur Zeit der Entdeckung durch die