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die ganze Natur umfasse, aus dem Bestande uralter, von einer Menschenperiode zur andern sich herüberrettender Tradition ab. ¹)
Also gerade das Höchste, Reinste und Edelste in unsern Vorstellungen führt er hier auf unvor- denkliche Uberlieferung zurück. Aber das schliesst nicht aus, dass die Cultur im engern Sinn, d. h. der allmähliche Fortschritt auf technischem Gebiet, sich doch aus sehr geringen Anfängen entwickelt, habe. So heisst es in der Politik(1269° 5):„Es ist wahrscheinlich, dass die ersten Menschen, sei es, dass sie Erdgeborene waren oder aus irgend welchem allgemeinen Untergang entrannen, nur wenige und von gewöhnlichem Schlage und unverständig gewesen.“ Hier erscheiut auch nach der letzteren Annahme, die dem Aristoteles die geläufige und allein richtig scheinende war, der Mensch zu Beginn auf einer äusserst niedrigen Stufe. Immerhin lässt diese Raum für einen gewissen Grundstock von Erinnerungen und wenn auch noch so dunkelen Kenntnissen: kurz der erste Ansatz zur Cultur ist aus dem grossen Zusammenbruch doch noch herübergerettet in die neu beginnende Zeit.
Im Obrigen hebe ich nur noch hervor, welche Bedeutung Aristoteles für den Aufstieg des Men- schen zu höherer Cultur seinem vorzüglichsten Werkzeug, der Hand beilegt. Weil er die Hände habe, sei der Mensch das verständigste der Tiere: so hatte sich schon Anaxagoras geäussert.(Ahnlich Sokrates Xen. Mem. I, 4, 11). Aristoteles(de part. an. 6872 15 ff.) stimmt zwar dieser Folgerungsweise des Anaxagoras nicht bei, lässt vielmehr Folge und Grund ihre Stelle wechselu, da das Schöpferische und Erste bei ihm immer das Geistige ist, aber als das vornehmste Werkzeug des Geistes preist er die Hand folgendermassen:„Die Hand ist nicht ein Werkzeug, sondern viele. Sie ist gewissermassen das Werkzeug der Werkzeuge. Demjenigen Wesen also, das fähig ist, die meisten Künste sich zu eigen zu machen, hat die Natur auch mit der Hand dasjenige Werkzeug verliehen, welches den weit- gehendsten Nutzen stiften kann. Die Hand dient ihm als Kralle und Klaue und Horn, als Speer und Schwert und jedes andere Waffenstück und Werkzeug. Sie kann zu alle dem werden, weil sie alles fassen und halten kann. Ihr natürlicher Bau befähigt sie dazu, sie ist geteilt und vielspaltig und dabei doch ein Ganzes. Sie gestattet den vielseitigsten Gebrauch. Die Biegungen der Finger ermöglichen auf's Beste das Fassen und Drücken. Und einer— der Daumen— hat eine schräge Stellung, er ist kurz und dick, aber nicht lang. Denn wie ohne Hand es überhaupt kein Fassen gäbe, so auch wieder nicht ohne die schräge Stellung des Daumens. Denn er drückt von unten nach oben, was die Finger von oben nach unten drücken. Und er ist kurz um der Kraft willen, die er auszuüben hat. Der dem Daumen entgegengesetzte àusserste Finger ist klein von Rechts wegen, wäh- rend der mittlere lang ist, wie das Mittelruder des Schiffes. Denn was zum Zwecke menschlicher Bearbeitung gefasst wird, muss vor allem in der Mitte kreisförmig umfasst werden.“ So besitzt der Mensch mit dem Göttlichsten, dem Nus, der Vernunft, auch die weitaus günstigsten äusseren Be- dingungen des siegreichen Fortschritts von der Rohheit zur Civilisation, deren Keime nie völlig untergehen.
Diese Ansicht des Meisters der peripatetischen Schule wird noch voll vertreten und verteidigt von seinem ausgezeichneten Schüler und Nachfolger, dem gelehrten und liebenswürdigen Theophrast. Der Bau des Weltalls und seine Bewegung, ebenso die Erscheinungen der sublunarischen Welt sind ihm genau die nämlichen wie seinem Lehrer, und damit auch die Ansicht von der periodi-
¹) Hierher gehört auch das Fragment aus Jamblichus comm. Pyth. bei Rose, Arist. Ergm. in der Teubnerschen Ausgabe p. 63 f.(Nr. 53) dς ναο ᷣevo νοᷣν α ν³ ꝙτνάτασννιαν τ π̈εοι m τνρορν xα 1⁵ν 0TO" Jvαeᷣναεμοντ ⁴οσοςεην(Hͥdmεν ⁵), suποοαστεεοοιςϑε„νευννέμενο... odroς nsᷣꝑεiνασαν αιdαορενν.


