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durch den Direktor des Weimarischen Gymnasiums mit einer Ansprache überreicht wurde. Von Seiten des hiesigen Gymnasiums war der unterzeichnete Direktor zugegen. Im Anschluss an die allgemeine Ehrengabe überreichte derselbe im Namen des Eisenacher Gymnasiums noch eine vom Herrn Prof. Schneidewind verfasste Festschrift über den tugendhaften Schreiber am Hofe der Landgrafen von Thüringen, deren Widmung der Herr Jubilar freundlichst angenommen hatte. Am Nachmittag fand ein Festmahl statt, an welchem der unterzeichnete Direktor ebenfalls Teil nahm. Möge auch ferner ein gnädiges Geschick über den Lebenstagen unseres Staatsministers walten.
Die Herbstprüfungen wurden am 23. und 24. September abgehalten, das Halbjahr mit Verteilung der Censuren am 25. September geschlossen.
Am 11. September fand unter dem Vorsitz des Herrn Oberschulrat Dr. Rassow als Gross- herzoglichen Kommissars die mündliche Prüfung mit einem Schüler und einem Auswärtigen statt. Beide erhielten das Reifezeugnis.
Das Winterhalbjahr begann am 11. Oktober. Noch vor dem Ablauf des Sommerhalbjahrs sah sich Herr Prof. Kunze durch seinen Gesundheitszustand genötigt, um seine Versetzung in den Ruhe- stand zu bitten, da es sich herausstellte, dass die geistige Anstrengung, welche der Dienst der Schule fordert, mit der Rücksicht auf sein Befinden unverträglich sei und dass völlige Enthaltung von aller geistigen Arbeit durch die Verhältnisse gebieterisch gefordert werde. Durch Allerhöchste Entschliessung wurde ihm die Versetzung in den Ruhestand vom 1. Januar 1887 ab gnädigst be- willigt und ihm in Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste das Ritterkreuz 2. Abteilung des Ordens vom weissen Falken verliehen.— So wohl begründet der Entschluss des Herrn Prof. Kunze auch war, auf eine fernere Lehrthätigkeit am Gymnasium zu verzichten, und so klar die Notwendigkeit dazu vorlag, so war es doch in gleicher Weise seinen Amtsgenossen, wie namentlich auch seinen Schülern schmerzlich, ihn nicht mehr in gewohnter Weise in ihrer Mitte zu sehen. Möge die Liebe der Schüler und die Hochachtung seiner Amtsgenossen, welche ihn nach mehr als 30jähriger Amtsführung in seine Musse begleitet, ihm als eine freundliche Erinnerung die Tage der Ruhe verschönen und möge ihm die Gesundheit und Rüstigkeit zurückkehren, deren er sich vordem lange Jahre hindurch erfreut hat.
Mit dem Beginn des Winterhalbjahrs verliess uns Herr Dr. Freund, dem es vom Grossherzogl. Staatsministerium gestattet worden war, über die Zeit des Probejahres hinaus noch Unterricht am Gymnasium zu erteilen, um eine Stellung an der Garnierschen Erziehungsanstalt in Friedrichsdorf bei Frankfurt a. M. zu übernehmen. Für die Dienste, welche er dem Gymnasium erwiesen hat, sprechen wir ihm unsern Dank aus.
Die Studientage wurden in der üblichen Weise abgehalten, die Primaner lasen Homer und Horaz, die Sekundaner Homer, Xenophon und Cicero.
Am Katharinentage, dem 25. November, hielt der Primaner Solbrig die deutsche Rede zur Erinnerung an die Stipendienstiftung der Reichsgräfin Elmpt.
Am 21. Dezember fand eine Aufführung der Musik zu Schillers Glocke von Romberg in dem gütigst bewilligten Saale der Clemda-Gesellschaft durch den Schülerchor des Gymnasiums unter der kundigen Leitung des Herrn Prof. Thureau statt; musikalische Einzelvorträge einiger Schüler der oberen Klassen gingen voraus. Die Solostellen der Romberg'schen Komposition hatten einige Damen (die Fräulein Jäger und Jagemann) und Herren(die Herren O. Koch und H. Burckhardt) aus hiesiger Stadt freundlichst übernommen. Die Aufführung war gut besucht und fand Beifall. Der Ertrag war für gelegentliche Unterstützung ärmerer Schüler bestimmt, einige Geschenke von Freunden des Gymnasiums konnten noch hinzugefügt werden, sodass sich eine Summe von 154 Mk. 16 Pf. als Gesamteinnahme ergab.
Mit dem 1. Januar 1887 trat der bisherige Oberschulrat Herr Dr. Rassow nach mehr als 40jähriger Dienstzeit in den wohlverdienten Ruhestand, in welchen unsere besten Wünsche ihn begleiten. An seine Stelle trat, zum Oberschulrat ernannt, der bisherige Schulrat, Herr Dr. Th. Leidenfrost, welcher nun in seiner Hand die Leitung des gesamten Schulwesens im Grossherzogtume, das der höheren Schulen und der Volksschulen, vereinigt.


