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Am 7. März fand unter dem Vorsitz des Herrn Oberschulrat Dr. Leidenfrost als Grossherzogl. Kommissars die mündliche Reifeprüfung statt. Von 15 Schülern, die sich zur Prüfung gemeldet hatten, schied einer vor der mündlichen Prüfung aus; ausserdem nahm noch ein Auswärtiger an der Prüfung teil. Das Ergebnis der gesamten Prüfung war, dass die 14 Schüler das Reifezeugnis er- langten, zwei derselben wurden auf Grund ihrer schriftlichen Prüfungsarbeiten und ihrer Leistungen während des zweijährigen Aufenthalts in der obersten Klasse von der mündlichen Prüfung bekreit.
Der Geburtstag Sr. Majestät des deutschen Kaisers ward am 21 März durch eine festliche Feier begangen. Herr Dr. Krumbholz hielt die Festrede über das Verhältnis der Hellenen zu den Barbaren. Im Namen der abgehenden Schüler sprach in lateinischer Rede der abgehende Ober- primaner Deichmüller. Mit dieser Feier war die Entlassung der abgehenden Schüler verbunden. Der Direktor richtete eine Ansprache an dieselben, in welcher er zunächst die Verschiedenheit und die äusseren und inneren Schwierigkeiten der einzelnen Studienfächer charakterisierte. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Bedenken ausgesprochen, welche der geschaftsführende Ausschuss des deutschen Arzteverbandes in eingehender Darlegung über die Wahl des Studiums der Medizin ge- äussert hat. Sodann wies er auf die Zeitströmung hin, welche die Naturwissenschaften— zum grossen Nachteil für unser Volk— in den Vordergrund der höhern Schulbildung stellen und Latei- nisch und Griechisch zurückdrängen wolle; versuchte im Anschluss daran die wahre Bildung zu kennzeichnen, die in unserer Zeit vielen Kreisen abhanden gekommen sei, und hob die scharfen Gegensätze hervor, welche unsere Zeit durchziehen. Nach einigen noch besonders an die ab- gehenden Schüler gerichteten Worten händigte er ihnen die Reifezeugnisse ein. Gesang unter Lei- tung des Herrn Prof. Thureau begann und schloss die Feier, welche mit Genehmigung des Gross- herzoglichen Staatsministeriums bereits am 21. März gehalten ward, um den Besuch des für die Feier am 22. März angeordneten Gottesdienstes nicht zu schmälern und eine passende Zeit zu ihrer Veranstaltung zu gewinnen.
Der Schluss des Winterhalbjahres fand am 2. April statt.
Zu Ostern schied aus dem Lehrkörper Herr Otto Schmiedel nach einer zweijährigen, trotz der kurzen Zeit erfolgreichen Amtsführung, um im Dienste des allgemeinen evangelisch-protestantischen Missionsvereins nach Japan zu gehen und dort auf neu angebrochenem Felde als Lehrer und Prediger des Evangeliums zu wirken. Möge ihn bei der lohnenden Aufgabe, welche ihn weit weg aus der alten Heimat in fremde Zonen zieht, Glück und Segen begleiten.
Herr Gustav Friedrich schied nach Vollendung seines Probejahres von hier, um eine ordent- liche Lehrerstelle am Gymnasium in Schweidnitz zu übernehmen. Wir wünschen ihm nach seiner erfolgreichen hiesigen Thätigkeit eine gleich glückliche in seiner künftigen Stellung.
Durch Verfügung des Grosshzgl. Staatsministeriums vom 25. Oktober 1886 wurde der Direktion mitgeteilt, dass Se. Königl. Hoheit der Grossherzog den Oberlehrer Bruno Otto, seither am Königl. Seminar zu Oschatz, von Ostern ab zum Religionslehrer ernannt haben. Am 16. März 1887 erfolgte das Ministerialdekret für seine Anstellung vom 1. April d. J. an
Herr Bruno Otto ist 1851 in Auerbach geboren und wurde auf der Fürstenschule in Meissen vorgebildet. In Leipzig studierte er Theologie, bestand 1874 daselbst die erste und 1877 in Dresden die zweite theologische Prüfung, im Jahre 1878 in Leipzig die pädagogische Ergänzungs- prüfung für Kandidaten der Theologie und des Predigtamts und war seit 1878 als Seminaroberlehrer in Grimma, Borna und zuletzt in Oschatz angestellt.
Ausserdem fanden noch weitere Veränderungen im Lehrkörper statt.
Nach gnädigstem Beschluss Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs ward Dr. Karl Hossfeld, seither Lehrer an der Grossherzogl. Zimmermanns-Realschule zu Apolda, zum 10. ordentlichen Lehrer und Dr. Friedrich Sigismund, seither vorläufig angestellter Lehrer am Grossherzgl. Realgymnasium hier, zum 11. ordentlichen Lehrer am Gymnasium durch Ministerialdekret vom 23. März d. J. ernannt.
Herr Dr. Hossfeld ist 1857 zu Ostheim v. d. Rhön geboren und auf den Gymnasien in Weimar uud Jena vorgebildet. Ostern 1879 mit dem Reifezeugnis entlassen, widmete er sich in Jena dem Studium der Mathematik, Physik und Philosophie. Nachdem er 1882 die Doktorprüfung und 1884


