Bericht über das Schuljahr Ostern 1886—87.
I. SCHULEREIGNISSE.
Der Unterricht begann am 3. Mai. Herr Dr. Nicolai und Herr Dr. Heubach(vgl. Jahres- bericht 1886 S. 7) traten an diesem Tage ihr Amt an. Leider hatte den Herrn Professor Kunze sein Gesundheitszustand genötigt, bei dem Grossherzogl. Staatsministerium um Verlängerung seines Urlaubs bis zu den Sommerferien nachzusuchen(vgl. a. O. S. 5); derselbe wurde ihm gütigst bewilligt. Die Vertretung seiner Stunden wurde in derselben Weise, wie es bereits während des Winterhalbjahres geschehen war, durch Herrn Dr. Zimmermann und Herrn Schulamtsbewerber Gimm weiter geführt, sodass der mathematische und physikalische Unterricht durch alle Klassen dem Lehrplane gemäss stattfand.
Am 22. Mai fand der übliche Spaziergang der Schule klassenweise unter Führung der Lehrer statt.
Am 5. Juni unternahmen die Schüler der Ober- und Unter-Prima unter Führung einiger Lehrer eine Fahrt nach Weimar zum Besuche des Museums und anderer Sehenswürdigkeiten, abends fand eine Vorstellung des Götz von Berlichingen im Theater statt, zu welcher die Grossherzogl. Sächs. Generalintendanz des Hoftheaters Eintrittskarten zur Verfügung gestellt hatte. Wir statten auch an dieser Stelle für die freundliche Einladung und liebenswürdige Aufmerksamkeit der Grossherzogl. Generalintendanz unsern ergebensten Dank ab.
Der Geburtstag unseres Landesherrn wurde in herkömmlicher Weise durch eine Festfeier be- gangen. Herr Dr. Schmidt hielt die Festrede über die Erziehung zur Vaterlandsliebe.
Am 8. Juli begingen Lehrer und Schüler das heil. Abendmahl. Die Beichtrede hielt Herr Oberpfarrer Dr. Marbach. Die Vorbereitungsandacht hielt am Tage zuvor im Gymnasium Herr Schmiedel.
Die Sommerferien begannen am 12. Juli und endigten am 7. August. Auch nach dem Wieder- beginn des Unterrichts war Herr Prof. Kunze noch nicht imstande, seine Thätigkeit an der Anstalt, wieder aufnehmen zu können. Er hatte sich daher genötigt gesehen, bis zum Schlusse des Halbjahrs um fernere Verlängerung seines Urlaubs nachzusuchen, welche vom Grossherzogl. Staatsministerium bewilligt wurde.
Der 2. September ward durch Vorträge vaterländischer Lieder und Gedichte in herkömmlicher Weise gefeiert.
Am 8. September waren es 50 Jahre, dass Se. Excellenz Herr Staatsminister Dr. Stichling in den Grossherzogl. Staatsdienst eingetreten war. In allen Kreisen der Bevölkerung unseres Landes waren Vorbereitungen zu einer würdigen Feier des Tages getroffen worden, um dem hochverehrten Manne die herzliche Hochachtung und Liebe auszudrücken, welche seiner reichgesegneten Thätigkeit zu Teil geworden sind. Und weit über die Grenzen des Grossherzogtums hinaus hatte dieses Ereignis die freudigste Teilnahme gefunden. Die Lehrkörper der höheren Schulen des Landes vereinigten sich zu einer Ehrengabe für den Herrn Jubilar, welche in Gegenwart von Abgeordneten aller Anstalten
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