Jahrgang 
1886
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tungen oder sonstigem bunten Wissenskram. Das Griechische aber und nicht das Lateinische ist allein geeignet, die nächste Grundlage für ein solches Verständnis zu bieten. Sodann: die reicheren Ausdrucksformen des Lateinischen und besonders des Griechischen, welche zum nicht geringen Teil uns fremdartig sind oder von uns weniger unmittelbar empfunden werden, erweitern und verfeinern die sprachliche Anschauung und erleichtern das Verständnis neuerer Sprachen, welche weniger reichhaltige oder nicht so einfach und unmittelbar ausgeprägte Formen besitzen. Man darf aber sogar behaupten: es ist leichter Lateinisch und Griechisch zu lernen, als Lateinisch allein, weil das Griechische eine tiefere Einsicht in das Lateinische ermöglicht. Erwägt man nun ausserdem die un- gleich grössere Bedeutung der griechischen Litteratur, mit besonderer Rücksicht auf die wahren Bedürfnisse der Jugend, so darf man auch die Folgerung ziehen, dass nach äusseren und inneren Verhältnissen auf den oberen Stufen des deutschen Gymnasiums dem Griechischen ein Vorzugsrecht vor dem Lateinischen einzuräumen ist. Selbstverständlich ist dadurch eine Anderung in der Lehrweise der alten Sprachen bedingt.

Zu Ostern scheidet aus dem Lehrkörper Herr Professor Dr. R. Menge, um einer ehren- vollen Berufung an die Lateinische Hauptschule der Franckeschen Stiftungen in Halle a. S. zu folgen. Seit Michaelis 1876 ist derselbe als Lehrer am Gymnasium hier angestellt, an welches er vom Wei- marischen Gymnasium übertrat, dem er seit Ostern 1869 als ordentlicher Lehrer angehört hat. Durch seine rührige Thätigkeit, die an einem reichhaltigen Wissen und an gutem Lehrgeschick ihre kräftige Stütze fand, hat er eine glückliche Wirksamkeit geübt und sich die Anerkennung der hohen Behörde, wie die naher und weiterer Kreise erworben. Die durch die Huld Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs ermöglichte wertvolle Sammlung von Kunstblättern verdankt ihm die erste Anlage und die weitere Pflege; das sog. Schulmuseum, welches bereits zu einer recht stattlichen Sammlung für die Schulen hiesiger Stadt herangewachsen ist und sich einer besondern gnädigen Zuwendung Ihrer Königl. Hoheit der Frau Grossherzogin zu erfreuen gehabt hat, ist durch ihn zumeist begründet und gefördert worden. Jetzt begleitet ihn bei seinem Scheiden aus dem bisherigen Amte und aus hiesiger Stadt die Anhäng- lichkeit der Jugend, die Hochachtung seiner Amtsgenossen, die Teilnahme zahlreicher Kreise mit den besten Wünschen in seine neue Stellung.

Die grosse Anzahl von Schülern der Prima, der seit Jahren mit vorübergehenden Schwankungen gesteigerte Besuch des Gymnasiums und der Umstand, dass auch künftig die oberste Klasse voraus- sichtlich eine Schülerzahl haben wird, welche für das Mass derselben und deren Lehrkräfte zu gross ist, macht schon im neuen Schuljahre die einstweilige Teilung der Prima in zwei getrennte Klassen nötig, und hat dazu geführt, an das Grossherz. Staatsministerium gehorsamst den Antrag zu stellen, die Gründung einer neuen ordentlichen Lehrerstelle zu genehmigen und an den in diesem Jahre zusammentretenden ordentlichen Landtag eine dahin gehende Vorlage gelangen lassen zu wollen. Die Räumlichkeiten aber, welche gegenwärtig dem Gymnasium zur Verfügung stehen, genügen diesen wachsenden Bedürfnissen nicht; es ist deshalb auf eine Erweiterung derselben Bedacht zu nehmen, welche in mässigeren Grenzen gehalten werden kann, wenn der inzwischen vom Landtage des Gross- herzogtums genehmigte Bau einer Bibliothek in der alten Predigerkirche ausgeführt ist.

Der Gedanke hier eine Bibliothek zu gründen ist von Sr. Königlichen Hoheit dem Grossherzog ausgegangen. Allerhöchstderselbe besitzt auf der Wartburg eine Bibliothek, welche aus Anlass des vierhundertjährigen Lutherjubiläums und durch eine besondere Stiftung erheblichen Zuwachs erhalten hat. Die Lage und die Räume der Wartburg eignen sich aber nicht dazu, um diese wertvolle Sammlung für den Gebrauch und die Benutzung zugänglich zu machen. Einen dazu sehr geeig- neten Raum bietet der östliche Teil der Predigerkirche, welcher sich unmittelbar an das Gymna- sialgebäude anschliesst und von dort aus einen Zugang erhalten soll. Und so wird ein Teil des alten Baues, der um 1223 errichtet ist, für einen würdigen Zweck hergerichtet. Dort lässt sich ein ge- räumiger und gut erleuchteter Bibliotheksaal, wie auch ein passendes Zimmer für die Verwaltung und Benutzung der Bibliothek gewinnen. Dieser Saal wird auch ausreichenden Raum bieten, um die sogen. alte hiesige Regierungsbibliothek mit aufzunehmen, welche eine nicht geringe Zahl von wertvollen Werken geschichtlichen, litterarischen und allgemein wissenschaftlichen Inhaltes enthält, und zugleich die Bibliothek des Gymnasiums. Für letztere wird so ein passenderer Raum, als sie