Jahrgang 
1885
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bibhel zu veröffentlichen und gedachte später eine solche Bearbeitung herauszugeben. Alle An- zeichen deuteten darauf hin, dass er sich in aufsteigender Linie seines Wirkens und Strebens befand. Von der Anhänglichkeit und der Zuneigung, die er in der hiesigen Stadt und weit über diese hinaus sich erworben hatte, zeugte die grosse Teilnahme, die sich bei seinem Begräbnis kund gab.

Für den noch übrigen Teil des Winterhalbjahres war im Interesse der Schule ein Ersatz im Unterrichte für Herrn Dr. Delius dringend nötig. Herr Oberpfarrer und Superintendent Dr. Marbach und Herr Archidiakonus Kieser erklärten sich bereit, diesen Ersatz zu gewähren, trotzdem eine solche vermehrte Arbeit ihnen in der arbeitsvollsten Zeit des Jahres nicht leichtt wurde. Der erstere übernahm den hebräischen Unterricht, der letztere den Religionsunterricht in den drei obersten Klassen(Prima bis Tertia) in wöchentlich acht Stunden. Um so mehr fühle ich mich veranlasst, beiden geehrten Männern auch an dieser Stelle herzlichen Dank für ihre Hülfe zu sagen. In die übrigen Stunden des Herrn Dr. Delius traten die Herren Dr. Flex, Dr. Krumb- h olz, Dr. Höhn und Barth bereitwilligst ein.

Der 7. Januar war der hundertjäahrige Geburtstag Jakob Grimms; die Lehrer des Deutschen win den zwei obersten Klassen übernahmen es, die grossartige Bedeutung des herrlichen Mannes ihren Schülern vor Augen zu führen. Ein wertvolles Geschenk zum Andenken dieses Tages über- sandte uns Herr Verlagsbuchhändler Hermann Böhlau in Weimar, welcher vier Exemplare des schönen Briefwechsels zwischen Jakob und Wilhelm Grimm aus der Jugendzeit dazu bestimmte, sie an würdige Schüler der Oberklassen zu verteilen und ein fünftes Exembplar der Schülerbibliothek zum Geschenk machte.lch glaube, schrieb der Geber dass dieser Briefwechsel wohl ge- eignet ist, den Jünglingen zu zeigen, wie die schon früh geübte Treue in der beginnenden Lebens- arbeit die sicherste Bürgschaft giebt für bleibende Erfolge im späteren Leben, und dass alle Er- tolge, alles Wissen und Können erst geadelt werden durch Seelenreinheit und Selbstlosigkeit. Die Geschenke sind im Sinne des Gebers an zwei Primaner und zwei Sekundaner gegeben worden. Es sei mir gestattet, auch an dieser Stelle für die vortreffliche Gabe den schuldigen Dank abzu- statten.

Am 12. Januar konnte auch die neu errichtete Turnhalle(vgl. Programm 1884, S. 5 f.) zum Gebrauch eingeweiht werden. Die Schüler des Gymnasiums, des Realgymnasiums und des Seminars versammelten sich mit den Lehrern der drei Anstalten am Nachmittag in der Halle, ansserdem waren die Behörden, welche den Bau geleitet und gefördert hatten, zugegen. Nach einem geistlichen Gesange unter Leitung des Herrn Prof. Thureau richtete der unterzeichnete Gymnasialdirektor eine Ansprache an die Versammlung, in welcher derselbe der hoben Staatsbe- hörde und den Beamten, welche einen so stattlichen Raum für die Turnübungen geschaffen haben, den schuldigen Dank aussprach und auf die Bedeutung dieser UÜbungen namentlich auch für die geistige Entwickelung der Jugend hinwies. Nach dieser Feier begann sofort der Turnunterricht, der fast fünf Vierteljahre unterbrochen gewesen ist.

Der Gesundheitszustand der Lehrer und Schüler ist im allgemeinen gut gewesen; einen Schüler, den Quartaner Rodeck, verloren wir leider durch den Tod an den Folgen der Diph- theritis.

Vom 16. bis 19. Februar fertigten die Abiturienten, dreizehn an der Zahl, und ein vom Grossh. Sächs. Staatsministerium dem Gymnasium überwiesener Auswärtiger ihre schriftlichen Arbeiten an, die mündliche Prüfung fand in Gegenwart des Herrn Oberschulrat Dr. Rassow am 6. und 7. März statt. Die dreizehn Abiturienten erbielten das Zeugnis der Reife.

Der Geburtstag Sr. Majestät des deutschen Kaisers ward am 21. März durch eine festliche Feier begangen, da der 22. März auf einen Sonntag fiel(M.-V. 1. Februar). Herr Dr. Zimmer- mann hielt die Festrede über die Fortschritte der astronomischen Wissenschaften, namentlich im letzten Jahrhundert. Mit dieser Feier war die Entlassung der Abiturienten verbunden. Der Direktor richtete eine Ausprache an dieselben, in welcher er das Bild des Sokrates auf dem Grunde seiner Zeit in seinen Hauptzügen zu erneuern suchte, zur Erinnerung an die vorausge- gangene Lesung der Platonischen Apologie. Die Lesung dieser Schrift und das Verständnis der- selben in ihrer wesentlichsten Bedeutung lohnt allein schon die Mühe, auf dem Gymnasium

Griechisch zu lernen, dessen so mancher von denen, welche auf der Höhe der Zeit und dem aller-