Jahrgang 
1885
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Der 2. September ward durch Vorträge vaterländischer Lieder und Gedichte in herkömm- licher Weise gefeiert.

Am 13. September fand nach vorausgegangener schriftlicher Prüfung, an welcher auch ein dem Gymnasium zur Ablegung der Prüfung überwiesener Ausvärtiger anfänglich teil nahm, die mündliche Prüfung dreier Abiturienten in Gegenwart des Herrn Oberschulrat Dr. Rassow statt. Die drei Abiturienten erhielten das Zeugnis der Reife.

Die Herbstprüfungen wurden am 25. und 26. September abgehalten, das Halbjahr mit Ver- teilung der Zensuren am 27. September geschlossen. Das Winterhalbjahr begann am 6. Okfober.

Vom 24. September an ward der Probekandidat Herr Dr. Krumbh olz zur Ablegung eiuer militärischen Uebung auf fünf Wochen einberufen, sodass er erst gegen Ende des Oktobers seine Thätigkeit am Gymnasium wieder aufnehmen konnte.

Mit dem Schluss des Sommerhalbjahrs verliess Herr Dr. Solbisky das hiesige Gymnasium, an welchem er drei Vierteljahre thätig gewesen ist(vgl. Progr. 1884 S. 5), um eine ordentliche Lehrerstelle am Realgymnasium in Weimar zu übernehmen. Für seine erspriessliche Thätigkeit,

die er im Sommerhalbjahr als Ordinarius der Sexta dem Gymnasium gewidmet hat, sprechen wir

auch an dieser Stelle demselben aufrichtigen Dank aus.

Mit dem Beginn des Winterhalbjahrs trat Herr Dr. Höhn ein, um sein Probejahr am hiesigen Gymnasium abzulegen(M.-V. 8. Sept. 1884). Da die durch den Tod des Herrn Dr. Schläger erledigte Lehrerstelle noch unbesetzt war und eine Veränderung des Lehrplanes sich nötig machte, so wurden die beiden Probekandidaten Herr Dr. Krumbholz und Herr Dr. Höhn von Michaelis an zugleich als stellvertretende Lehrer beschäftigt.

Herr Dr. Höhn ist zu IImenau am 2. Sept. 1860 geboren, besuchte von 1873 1880 das Gymnasium zu Weimar und studierte dann in Jena und Berlin Philologie und Geschichte. Im Jahre 1883 promovierte er in Jena auf Grund seiner Dissertationde codice Blandinio antiquissimo und bestand daselbst im Jahre 1884 die Staatsprüfung.

Die Studientage wurden in der üblichen Weise abgehalten, die Primaner lasen Horaz und Homer, die Sekundaner Homer, Xenophon und Cicero.

Der 10. November Schillers 125jähriger Geburtstag wurde durch eine von Schülern des Gymnasiums und des Seminars gemeinschaftlich veranstaltete musikalische und deklamatorische Feier am Spät-Nachmittage begangen; der Ertrag von etwa 100 Mark aus den Eintrittsgeldern ſoss der Kasse der deutschen Schillerstiftung zu.

Am Katharinentage, dem 25. November, hielt der Primaner Bocklisch die deutsche Rede zur Prinnerung an die Stipendienstiftung der Reichsgräfin von Elmpt.

Einen plötzlichen und schmerzlichen Verlust erlitt das Gymnasium durch den am 11. December erfolgten Tod des Herrn Dr. Delius. Er erkrankte in den ersten Tagen des December an einer Lungenentzündung, die sehr bald nervös ausartete und seinem Leben ein jähes Ziel setzte. Er ward auf dem hiesigen Friedhofe bestattet, Lehrer und Schüler gaben ihm das letzte ehrende Geleite. Derselbe war am 12. Juni 1847 in Schernikau in der Altmark als Sohn eines Predigers geboren und gehörte dem Gymnasium als Lehrer seit dem 1. April 1878 an, an welches er von der Real- schule I. O. in Osterode berufen worden war(vgl. Progr. 1878 S. 27), hat also ein Alter von nur 37 ½ Jahren erreicht. Allzufrüh ist er uns, seiner ihm erst vor wenigen Jahren verbundenen Gattin und seinen noch im zartesten Alter befindlichen Kindern entrissen worden, allzufrüh auch für die Erfüllung seiner Wünsche und Hoffnungen, die sich an seine wissenschaftlichen Studien knüpften. Das Jahr der 400 jährigen Geburtstagsfeier Dr. Martin Luthers hatte ihm die Veranlassung geboten, eine Auswahl aus Luthers Werken(Gotha bei F. A. Perthes) zu veröffentlichen, welche als wohl- gelungene Arbeit allgemeine Anerkennung gefunden hat. Dieser Auswahl folgte das Vademecum aus Luthers Schriften für die evangelischen Schüler der oberen Klassen höherer Lehranstalten, welches er in Verbindung mit G. Krüger, Schulrat und Gymnasialdirector in Dessau, 1884 heraus- gab: die letztere Schrift ist auch vom Grossh. Sächs. Staatsministerium(M.-V. 24. Novbr. 1884) zur Benutzung im Religionsunterricht oder im deutschen oder im Geschichtsunterricht empfohlen worden und bildet ein Vermächtnis, das er der Schule, für die er thätig gewesen ist, hinterlassen hat. Die Empfehlung der hohen Behörde traf ein, als der Verewigte schon an das Krankenlager gefesselt war. Für das diesjährige Programm beabsichtigte er den Plan und Entwurf einer Schul-