Jahrgang 
1885
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Programm

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Berieht

über das Schuljahr Ostern 18841885.

I. CHRONIK.

Der Unterricht begann am 21. April. Herr Dr. Krumbholz(vgl. Programm 1884 S. 5) trat an diesem Tage als Cand. prob. ein. Die durch den Tod des Herrn Dr. Schläger(vgl. a. 0. S. 4 f) erledigte Lehrerstelle ward in der Weise neu besetzt, dass zunächst die Herren Dr. Delius, Dr. Zimmermann, Dr. Flex um je eine Stelle aufrückten und Herr Dr. Solbisky als Probe- kandidat mit der einstweiligen Verwaltung der letzten Lehrerstelle betraut wurde(M.-V. 3. Mai 1884).

Am 13. Mai fand der üblicne Spaziergang der Schule klassenweise unter Führung der Lehrer statt.

Am 19. Juni begingen Lehrer und Schüler das h. Abendmahl. Die Beichtrede hielt Herr Oberpfarrer Dr. Marbach.

Der Geburtstag unseres Landesherrn wurde in herkömmlicher Weise durch einen Festaktus begangen. Der Direktor hielt die Festrede über den Misbrauch der Fremdwörter im Deutschen. Nachdem das Grossherzogl. Staatsministerium(durch M.-V. 14. August und 30. November 1883) auf die Pflicht, welche namentlich der Schule für Reinhaltung unserer Muttersprache obliegt, hin- gewiesen hat, schien es angemessen, die Frage zum Gegenstand einer Rede bei dieser festlichen Gelegenheit zu machen, für welchen Se. Königl. Hoheit der Grossherzog selbst die lebhafteste Teilnahme bekundet hat. Der Rede folgten abwechselnd mit Gesangsvorträgen Deklamationen von deutschen und französischen Gedichten durch Schüler sämtlicher Klassen.

Die Sommerferien begannen am Montag d. 7. Juli und dauerten unter Abzug einer Woche von den Michaelisferien fünf Wochen.

Vom 1. Juli an ward dem Elementarlehrer Herrn Ferdinand Werneburg die zweite Lehrerstelle an der hiesigen Sekundarschule übertragen, doch ward derselbe bis zum Beginn der Sommerferien beurlaubt, um noch eine Woche lang den bisherigen Unterricht am Gymnasium zu erteilen; zu seinem Nachfolger ward der seitherige Lehrer an der hiesigen Katharinenschule Herr Reinhold Barth erwählt(M.-V. 26. Juni 1884).

IHerr Werneburg ist seit dem 1. April 1871 als Lehrer am Gymnasium angestellt gewesen und hat Unterricht in den Klassen von Sexta bis Untertertia einschl. erteilt. Um den engeren Zusammenbang mit der Volksschule wieder zu gewinnen, für welche er das Rektoratsexamen bestanden hat, hat er sich entschlossen, den ihm lieb gewordenen Kreis seiner Beschäftigung am Gymnasium mit einer Beschäftigung an der Sekundarschule zu vertauschen. Wir alle haben im engeren Kreise den treffichen Mann ebenso geschätzt. wie er sich einer wohlverdienten Achtung in weiteren Kreisen erfreut; unser aufrichtiger Dank für seine bisherige Thaätigkeit und unsere besten Wünsche für die Zukunft haben ihn in seine neue Stellung begleitet.

Mit dem Wiederbeginn der Schulen nach dem Schluss der Sommerferien ward Herr Barth in sein neues Amt eingeführt. Herr Barth ist in Fernbreitenbach bei Berka a. W. am 13. April 1862 geboren, besuchte die Volksschule daselbst, dann von 1876 1879 die hiesige Sekundarschule, von 1879 1882 das hiesige Seminar, das er nach bestandenem Abiturientenexamen verliess. Im Mai 1884 legte er die Staatsprüfung ab.