Jahrgang 
1885
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neuesten Standpunkt stehen, wohl als eines überflüssigen und unnützen Stückes im Hausrat des Gymnasiums gedacht hat, das ihm gerade so viel gilt, als die Mutter der Hecuba, nach welcher Kaiser Tiberius seine Gelehrten vergebens fragte.

Für den Beginn des neuen Schuljahres ist es nun auch gelungen, einen Ersatz für die durch den Tod des Herrn Dr. Delius erledigte Lehrerstelle namentlich für Religion und Hebräisch zu gewinnen. Das Grossh. Sächs. Staatsministerium teilte durch M. V. 12. März mit, dass höchsten Ortes beschlossen worden ist, den Kandidaten der Theologie Herrn Otto Schmiedel vom 1. April d. J. an als Religionslehrer am Gymnasium anzustellen.

Herr Schmiedel ist am 25. Juli 1858 als Sohn des Königlich Sächsischen Bergrats Schmiedel zu Zauckeroda bei Dresden geboren, besuchte von Ostern 1872 75 die Fürstenschule zu Meissen, studierte sieben Semester in Leipzig und nach der Michaelis 1881 abgelegten ersten Prüfung noch ein Semester in Jena Theologie, hielt sich dann von Ostern 1882 bis Mich. 1883 als Hauslehrer auf dem Rittergute Weiberhof bei Aschaffenburg auf, legte darauf die zweite theo- logische Prüfung zu Dresden ab und setzte seine Studien von Mich. 1883 bis Ostern 1885 in Heidelberg fort.

Mit dem Schluss des Winterhalbjahres verliess uns Herr Dr. Höhn, um nach Weimar über- zusiedeln und am dortigen Gymnasium die provisorische Verwaltung einer ordentlichen Lehrer- stelle zu übernehmen. Herr Dr. Höhn hat während des halben Jahres, in welchem er an unserer Anstalt beschäftigt gewesen ist, sich ungeteilte Anerkennung für seine Amtsführung erworben. Unsere besten Wünsche begleiten ihn in die neue Stellung.

Mit dem Beginn des neuen Schuljahres treten zwei Probekandidaten ein, Herr Dr. Freund durch M.-V. 31. Jan. und Herrn W. Gimm durch M.-N. 16. Febr. d. J.

Herr Dr. Freund ist den 14 Novbr. 1859 zu Meilitz bei Neustadt a. O. geboren, auf dem Gymnasium zu Schleiz vorgebildet und von da mit dem Reifezeugnis entlassen bezog er Ostern 1878 die Universität Jena, um sich philosophischen und historischen Studien zu widmen. Auf Grund einer Schrift:Beiträge zur antiochenischen und konstantinopolitanischen Stadtchronik erwarb er sich im Frühjahr 1882 die Würde eines Doctors der Philosophie. Dann übernahm er eine Hauslehrerstelle in einem adeligen Hause in Schlesien und bestand im Herbste 1884 die Staatsprüfung in Jena.

Herr W. Gimm ist den 16. Mai 1859 in Eisenach geboren, besuchte das Realgymnasium daselbst und ward Ostern 1878 mit dem Reifezeugnis entlassen. Er studierte in Leipzig, Berlin und Göttingen Mathematik und Physik und bestand im Herbste 1884 die Staatsprüfung in Göttingen.

Endlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass am 1. April 25 Jahre verflossen waren, seitdem der gegenwärtige Schuldiener Herr Theodor Laufer als solcher angestellt worden ist, nachdem er zuvor schon seit dem Jahre 1841 als treuer Sohn seiner verwitweten Mutter in der Verwaltung der Einheizerstelle am Gymnasium zur Seite gestanden hatte. Der unterzeichnete Direktor sprach demselben zu diesem Tage seine Glückwünsche aus.

II. UNTERRILCIIT.

Im neuen Schuljahr wird der Lehrplan vom 22. März 1883(vgl. das Programm 1883 S. 9) in der Weise weiter durchgeführt, dass dem Griechischen in Obertertia 7 Stunden, dem Französischen 2 Stunden zugewiesen sind.

Ubersicht der im Schuljahr 1884 1885 behandelten Gegenstände.

Prima. Ordinarius: der Direktor. Lateinisch 8 St.: Tacitus Annal. 1 VI(mit Auswahl). 4 St. Anleitung zur Technik des

lateinischen Aufsatzes, grammatische Wiederholungen, acht Aufsätze, Exercitien, Extempo- ralien, Ubungen im lateinischen Sprechen mit Zugrundelegung von Cornelius Nepos. 2 St.