Jahrgang 
1856
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Jahresbericht.

Geſchichtliches.

Mit dem Beginne des Schuljahres, welches am 16. April 1855 in herkömmlicher Weiſe eröffnet wurde, trat eine Veränderung in dem Lehrerperſonal ein. Herr Proofeſſor Dr. Freſenius aus Frankfurt a. M., welcher vom Ende des November 1852 an die Stelle eines Lehrers der Mathematik und Naturwiſſenſchaften am Karl Friedrichs⸗Gymnaſium proviſoriſch verwaltet hatte, ſchied kurz vor dem Anfange des neuen Kurſus freiwillig aus dieſer Stellung. Durch die Fürſorge des Großherzogl. Staatsminiſteriums wurde es möglich, die entſtandene Lücke ſogleich auszufüllen. In Folge hohen Miniſterialreſeriptes vom 12. April 1855 wurde Herr Alfred Kunze, Sohn des Herrn Profeſſor Dr. Kunze am Gymnaſium zu Weimar, eines ausgezeichneten Lehrers der Mathe⸗ matik und Pbyſik, mit der Vertretung der vakant gewordenen Stelle beauftragt. Derſelbe hatte nach vollende⸗ tem Gymnaſialkurſus in Weimar 1850 die Univerſität Jena beſucht, um erſt vorzugsweiſe Chemie, dann aber Mathematik und Phyſik zu ſtudiren und war, nachdem er ſich dort 2 ½ Jahre aufgehalten hatte, nach Wien ge⸗ gangen und hatte zwei Jahre die dortige polytechniſche Schule beſucht. Nach Miniſterialreſcript vom 21. Febr. 1856 wird ihm auf vorher gegangene Berichterſtattung der Direktion in der bisherigen Weiſe vorerſt weiter die ſtellvertretende Ertheilung des mathematiſch⸗phyſtkaliſchen Unterrichtes überlaſſen bleiben.

Zugleich mit dem Kurſus der fünf Gymnaſtialklaſſen wurde der einjährige Kurſus der neu errichteten Vor⸗ bereitungsklaſſe begonnen.

Ferner wurde durch Reſcript vom 11. Oktober 1855 die Direktion davon in Kenntniß geſetzt, daß eine Veränderung in Bezug auf den Schreibunterricht bevorſtehe. Ein Reſcript vom 2. Januar 1856 beauftragt die Direktion, den bisherigen Schreiblehrer, Herrn Bang, zu entlaſſen und Herrn Gascard, Lehrer am hieſigen Realgymnaſium, als Schreib⸗ und Turnlehrer in ſeine Funktionen einzuweiſen. Am 7. Januar begann der neue Lehrer den Schreibunterricht. Der Turnunterricht kann erſt in der günſtigen Jahreszeit vorgenommen werden.

Am 13. und 14. Juni, ſowie am 7. und 8. November 1855 wurde die Beicht- und Abendmahlsfeier be gangen. Herr Profeſſor Dr. Wittich und der Direktor hielten die Vorbereitungsrede im Gymnaſium.

Am 23. Juni veranſtaltete das Gymnaſium die Vorfeier des Geburtsfeſtes Sr. Königlichen Hoheit, unſers gnädigſten Großherzogs. Der Direktor hielt die Feſtrede. Hierauf ſprach der Oberprimaner O'Kelly das me⸗ triſche Gebet, der Oberprimaner Sommer eine lateiniſche Ode, der Unterprimaner Guido Thon und der Ober⸗ ſekundaner Breyding ebenfalls eigene dichteriſche Verſuche in deutſcher Sprache. Je zwei Schüler aus den übri⸗ gen Klaſſen recitirten deutſche Gedichte. Der Gymnaſtialchor begann und ſchloß unter Leitung des Geſanglehrers die Feier mit entſprechenden Hymnen.

Durch höchſtes Diplom vom 24 Juni hatte Se. Königliche Hoheit, der Großherzog, die Gnade, den Direktor zum Ritter I. Abtheilung des Ordens der Wachſamkeit oder vom weißen Falken zu ernennen.

Auf Veranlaſſung eines Miniſterialreſcriptes vom 6. September wurde am 25. September zum Andenken an den vor 300 Jahren abgeſchloſſenen Augsburger Religionsfrieden vom Herrn Profeſſor Dr. Rein in Gegen⸗ wart des Lehrer⸗Kollegiums den drei oberen Klaſſen ein geſchichtlicher Vortrag und zu gleicher Zeit an die Schüler der Quarta und Quinta vom Herrn Archi⸗Diakonus Kohl, der ſchon in den Religionsſtunden die Bedeutung des Feſtes erläutert hatte, eine religiöſe Anſprache gehalten. Auch den Schülern der Vorbereitungsklaſſe ſuchte Herr Dr. Meiſter in geeigneter Weiſe die Wichtigkeit des Tages zu erklären.

An den beiden darauf folgenden Tagen, den 26. und 27. September, wurde das Privat⸗Eramen ſämmtlicher Klaſſen gehalten und am 29. das Sommerhalbjahr mit der Cenſurvertheilung geſchloſſen.

In dem Winterhalbjahre(vom 8. Oktober an) kamen fünf Studien⸗ und Arbeitstage vor.

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