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Unermüdlich im Bücken zu ſeinen jugendlichen Zöglingen und im Heben der Kräfte der ihm an⸗ vertrauten Kinder; ſcheinbar unerſchöpflich im Geben iſt unſer Jubilar 50 Jahre lang als Lehrer geweſen. In Treue hat er ſeines Amtes gewaltet, ſeine ihm verliehenen Kräfte in den Dienſt der Schule und der Schüler geſtellt. Wenn viele ihm heute danken, von ganzem Herzen danken, ſo füge ich dieſem Danke und unſeren Glückwünſchen für uns alle noch einen beſonderen Wunſch hinzu: Möchte ihm in Rüſtigkeit und Geſundheit ein langer, freundlicher Lebensabend beſchieden ſein.
Auf die Aufforderung des Redners erhob ſich die Feſtverſammlung, Herrn Schüler zu ehren.
Herr Geheimer Schulrat Dr. Löbell drückte die aufrichtige Anteilnahme des Gymnaſiums aus, das ſich beſonders bei dieſer Feſtesfreude mit ihrer jüngeren Schweſteranſtalt eins fühle. Er hob beſon⸗ ders die 20 jährige Tätigkeit Herrn Schülers an der Vorſchule beider Anſtalten hervor, die der Jubilar als das Fundament der Anſtalt gut und ſorgſam gepflegt und gehütet habe. Im Namen des Lehr⸗ körpers und der Schüler des Gymnaſiums wünſchte er dem Jubilar Friſche an Leib und Seele für ungezählte Jahre zum Wohle der Schule und damit des Vaterlandes.
Herr Reallehrer Schüler war im Herzen bewegt von der ihm bereiteten Feier. Er ſprach ſeine Ueberraſchung aus über die unerwartete Chrung; er nehme ſie mit Dankbarkeit hin. Beſcheiden ſchreibt er den größten Teil ſeiner Verdienſte dem Wohlwollen, das ihm ſtets allſeits erwieſen wurde, zu. Dann dankte er bewegt dem Landesherrn für die Auszeichnung, dem Vertreter der Schulbehörde für ſeine Anweſenheit und die guten Worte der Anerkennung, dem Herrn Oberbürgermeiſter für ſeine Teilnahme, dem Gymnaſium für ſein Erſcheinen, all den Herren, die mit ihm in gleichem Beruf an der Anſtalt wirken, für den Beweis der Wertſchätzung. Er dankte aber auch beſonders dem, in deſſen Hände wir alle gegeben ſind, dafür, daß er ihn 50 Jahre dem Dienſte der Jugend, der Schule und dem geſamten Vaterlande geſund erhalten habe. Die Träume ſeiner Jugend haben ihn nicht getäuſcht, da er ſtets mit gutem und feſtem Willen ſeinem Berufe obgelegen, deſſen Erhabenheit und deſſen Schwierigkeiten er von vornherein nicht verkannte. Er wies hin auf die Mitarbeit der Schule an der Löſung nationaler Aufgaben, wie der Einigkeit, Kräftigung Deutſchlands, der Hebung ſeines Anſehens innen und außen. Deshalb ſei der deutſche Schulorganismus, der dem deutſchen Volke eine über alle Nationen hinausragende Bildung verleihe, auch allgemein geſchätzt, werde er ſicherlich noch den geeigneten Ausbau erfahren. Auch den Kindern ſpricht der Jubilar ſeinen herzlichſten Dank aus.
Mit einem zweiſtimmigen Choral von Teſchner„Iſt Gott für mich“ ſchloß die unvergeßliche Feier, der um ½ 2 Uhr ein Feſteſſen im Kaſino folgte.
Zur Feier des Geburtstages Seiner Majeſtät des Kaiſers hatte Herr Ober⸗ lehrer Dreſcher mit Schülern und Schülerinnen der Anſtalt Ernſt von Wildenbruchs „Väter und Söhne“ eingeübt, die Feſtrede hielt Herr Oberlehrer Schmitt. Die erſte Auf⸗ führung geſchah am 25. Januar als Vorfeier. Die„Wormſer Zeitung“ ſchreibt:
Die Feier der Oberrealſchule
beſtand wieder in der Aufführung eines großen vaterländiſchen Schauſpiels auf der Bühne unſeres ſtädtiſchen Spiel⸗ und Feſthauſes. Im Jahre 1911 war es das feurige Feſtſpiel„Kolberg“ von Heyſe, das ſo außerordentliche Begeiſterung erweckte, und in dieſem Jahre iſt es ein Schauſpiel von Ernſt von Wildenbruch, iſt nicht Kolberg, ſondern Küſtrin der Schauplatz, auf dem ſich eine düſtere Epiſode vater⸗ ländiſcher Geſchichte abſpielt.
In großen Zügen entwarf Herr Oberlehrer Schmitt in ſeiner Feſtrede ein Gemälde von den großen Ereigniſſen vor hundert Jahren. Wohl über tauſend Deutſche hörten ihm geſpannt zu, als er berichtete, wie es um unſer deutſches Vaterland nach dem Tilſiter Frieden im Jahre 1807 beſtellt war. Deutſchland in ſeiner tiefſten Erniedrigung, unſer Volk in ſeinem tiefſten Elend ſchilderte er uns, um dann auf die ewig aufbauenden Kräfte der Vaterlandsliebe, der aufopfernden Hingabe an das Vaterland hinzuweiſen; die deutſchen Herzen mit Stolz zu erfüllen, indem er die großen Männer aufzählte, die Helden des Schwertes und des Geiſtes, die mit eiſerner Stirn dem fremden Unterdrücker trotzten, mit flammender Dichterſeele ihr Volk fortriſſen zu befreiender Tat. Das Volk ſteht auf, der Sturm bricht los! Mit beredten Worten wußte uns Herr Oberlehrer Schmitt jene große Zeit anſchaulich zu machen, aus der er uns dann in die Gegenwart führte, in die neue Zeit, die 1870 anbrach, als die deutſchen Männer als ein Volk gegen den deutſchen Erbfeind ins Feld zogen, im Schlachtengetümmel Schulter an Schulter ſtritten und ſich ein Reich erkämpften. Und dieſem ſtarken Reich iſt der Frieden bisher erhalten geblieben. Fünfundzwanzig Jahre ſind es, daß unſer Kaiſer an der Spitze des Reiches ſteht, das oft wohl von ſchweren Gewitterwolken bedroht wurde, die zu zerſtreuen ihm immer wieder gelungen iſt. Ernſte Zeiten


