Jahrgang 
1913
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Am 27. November 1912 waren 50 Jahre vergangen, ſeitdem Herr Reallehrer Schüler in den Schuldienſt eingewieſen wurde. Dieſes ſeltene Ereignis gab der Schule Veranlaſſung, dieſen Tag beſonders feſtlich zu begehen. Aus einem Bericht derWormſer Zeitung teilen wir mit:

Worms, 27. November. Jubelfeier in der Pberrealſchule.

Das 50 jährige Jubiläum des Herrn Reallehrers Philipp Schüler iſt heute vormittag in der Oberrealſchule würdig, erhebend, herzbewegend gefeiert worden.

Kurz vor 11 Uhr begann die Feier in Gegenwart des Herrn Geh. Oberſchulrats Nodnagel, des Herrn Oberbürgermeiſters Köhler, des Herrn Geh. Schulrats Dr. Löbell und mehrerer Profeſſoren vom Gymnaſium, des geſamten Lehrkörpers der Oberrealſchule, der Schüler und zahlreicher ehemaliger Schüler des Jubilars. Ein Trio für Cello, Violine und Klavier von Berens, vorgetragen von Herrn Reallehrer Faulſtroh und den Primanern Molzberger und Frey bildete in ſo ſchöner Wiedergabe eine ſtimmungsvolle Einleitung. Darauf ſtimmte ein Schülerchor das von Herrn Reallehrer Faul⸗ ſtroh nach einer Mozart'ſchen Melodie gedichtete Feſtlied an:

Freude tönt' aus unſ'rem Munde Jetzt in dieſer Feierſtunde. Gnädig hat ſie Gott beſchert, Unſ'rem Lehrer froh zu danken; Er war treu und ohne Wanken Uns ein Führer hochgeehrt.

Tugend hat er uns gelehret

Und dem Böſen ernſt gewehret. Mild ſah er, wo Schwachheit war, Wiſſensdurſt mit Wahrheit ſtillen, Recht zu lenken unſern Willen, War ſein Wollen rein und klar.

Sei ein ſchöner Abendfrieden Wohlverdient ihm nun beſchieden, Lieb' und Treue halt' ihm ſtand. Güt'ger Vater, wolleſt geben, Wie einſt Moſe, ſeinem Streben Sonnenblick' in ſchön'res Land.

Herr Geh. Oberſchulrat Nodnagel, der als Vertreter der oberſten Schulbehörde zu der Feier aus Darmſtadt erſchienen war, nahm nun das Wort. Er weiſt hin auf den außerordentlich ſeltenen Anlaß zur Feier: 50 Jahre treuer Pflichterfüllung. Seit dem Dienſtantritt des Jubilars in Kl.⸗Bieberau haben ſich auf politiſchem, wiſſenſchaftlichem, techniſchem und kommerziellem Gebiete ungeheuer wichtige Wandlungen vollzogen. Innerhalb der 36 Dienſtjahre in Worms hat Herr Schüler das Wachſen der Anſtalt, ihre Ueberſiedlung und ſpätere Trennung erlebt, unter einer großen Zahl Direktoren mit vielen andern Lehrern zuſammen gearbeitet, eine zahlreiche Schülerzahl erzogen. In ſeinem erhabenen Beruf hat er, ohne irdiſche Schätze und äußere Ehren anzuhäufen, in oft mühevoller, aber liebevoller Arbeit die jugendlichen Kelche erſchloſſen, ſie mit würdigem Inhalt, mit dem Schönen, Guten, Wahren erfüllt und ſo ſich ein Kapital der innigſten Verehrung und Dankbarkeit von Schülern und Kollegen erworben. Selbſtverſtändlich habe auch die oberſte Schulbehörde die ſegensreiche Arbeit des Jubilars ſtets mit An⸗ erkennung beobachtet und ihn, den Redner, beauftragt, ihre herzlichſten Glückwünſche auszudrücken. Der Großherzog habe als Zeichen ſeiner beſonderen Huld ihm die Krone zum Ritterkreuz zweiter Klaſſe des Verdienſtordens Philipp des Großmütigen verliehen, die er, der früher Direktor des Herrn Schüler war, dem Jubilar zu überreichen habe. Mit dem Wunſche, daß die Auszeichuung noch lange die Bruſt des Herrn Schüler ſchmücke, ſchloß er ſeine Anſprache.

Der Direktor der Oberrealſchule, Herr Geh. Schulrat Dr. Lahm, nahm nun das Wort zu einer tiefdurchdachten Anſprache. Nachdem er dem Jubilar die herzlichſten Glückwünſche ausgeſprochen, ihm als Andenken ein Bild als Geſchenk des Geſamtlehrerkollegiums überreicht, ihm ferner im Namen der Schüler innigſt gedankt hatte, knüpfte er an das Wort von E. M. Arndt:Was Du geträumt in früher Jugend, das mache wahr durch Männertugend; der Jugend Träume täuſchen nicht an und ſchloß: