Jahrgang 
1915
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Wenn auch einige der Genannten verwundet oder erkrankt ſind, ſo haben wir doch keinen Gefallenen unter ihnen zu beklagen, wie unter unſeren früheren Abiturienten. Aller Andenken, der früheren und der letzten, durch Aufzeichnung und Veröffentlichung ihrer Namen und Schickſale für alle Zeiten in dem Gymnaſium zu erhalten, wird die patriotiſche und pietätvolle Aufgabe unſerer Anſtalt ſein.

Von den Mitgliedern des Hehrkörpers wurden ſogleich einberufen: Herr Prof. Dr. Keil(Hauptmann d. Reſ. im Erſ.⸗Bataillon, Inf.⸗Regt. 118), Herr Prof. Dr. Breidenbach(Leutnant d. O. Inft.⸗Regt. 221, bis Dezember in Frankreich in der Front) und die Herren Oehramtsreferendare JFennewein und Hind, letzterer in Frankreich verwundet, beide z. Bt. in Frankreich in der Front. Als Kriegsfreiwillige traten ſogleich ins Heer ein die Herren Oehramtsaſſeſſoren C. Becker und Hehramts⸗ referendar Dr. H. Becker, erſterer in Frankreich verwundet, z. Zt. wieder in der Front und letzterer zuerſt in Frankreich, dann in Rußland in der Front, zum Unteroffizier be⸗ fördert und zum Eiſernen Kreuz eingegeben, nach dem Nachtgefecht in den Karpathen vom 18. Februar als vermißt gemeldet. Dieſe Kunde hat bei uns allen, Oehrern und Schülern, große Betrübnis erregt; wir hoffen zu Gott, daß der junge Kollege nach dem Friedensſchluß wohlerhalten zu uns zurückkehren und, freudig begrüßt, ſeine von ihm in idealſter Geſinnung und ſchönſtem Erfolge ausgeübte Tätigkeit bei uns weiterführen wird. Gegen Ende des Sommerhalbjahres trat Herr Oehramtsaſſeſſor Waldt als Kriegsfreiwilliger ins Heer ein. Gleich bei Kriegsanfang eilte unſer Pedell Herr W. Parr, der ſchon in Südweſt⸗Afrika gekämpft hatte, zu den Waffen und ſteht z. St. in Diedenhofen.

Hocherfreulich war es zu ſehen, wie auch die zurückbleibenden Schüler alle, vom größten bis zum kleinſten, von vaterländiſchem Geiſte erfüllt waren. Das zeigte ſich nicht nur bei der begeiſterten Aufnahme der Siegesnachrichten, ſondern auch in ihrer Bereitſchaft, bei der von Herrn Prof. Dr. Henkel in dankenswerter Weiſe angeregten und organiſierten Erntehilfe aufs eifrigſte mitzuarbeiten, in ihren Heiſtungen im Dienſte des Roten Kreuzes, in ihrer faſt allgemeinen Teilnahme an der Jugenoͤwehr, in dem Eifer, mit dem ſie in den ihnen zugänglichen Kreiſen Gold für das Reich ſammelten und zuletzt den Inhalt ihrer Sparbüchſen, faſt 9 200. Mk., für die Rriegsanleihe zur Verfügung ſtellten. Sie werden jetzt auch unter Heitung des Herrn Prof. Dr. Henkel Hand, das die Stadt Worms und Private hergaben, für den Anbau von Gemüſe bearbeiten.

Infolge der militäriſchen Einberufungen an unſerer Anſtalt und des zeitweiſe ſehr beſchränkten Zugverkehrs, bei dem kein Nachmittagsunterricht durchzuführen war, erfuhr unſer Stundenplan eine Veränderung(ſ. S. 8).

Für Söhne von Vätern, die im Felde ſtehen oder ſonſt in vaterländiſchem In⸗ tereſſe ihrer Familie entzogen ſind, wurden tägliche Arbeitsſtunden eingerichtet, an welchen mitzuwirken ſich bereit erklärten, außer dem Direktor, noch die Herren Prof. Habermehl, Henkel, Hehramtsaſſeſſor Waldt(bis zu ſeinem Eintritt ins Heer), Kieffer, Graf und Reallehrer Schmidt. Der Dank für dieſes Opfer an Mühe und DBeit, das auch eine vaterländiſche Oeiſtung iſt, dürfte allen beteiligten Herren gewiß ſein.

Ein Kriegsereignis bedeutete für unſere Anſtalt auch Ende November die Ankunft von ſchleſiſchen, meiſt Beuthenern, Oymnaſiaſten, die nebſt anderen kriegsfähigen jungen Heuten aus dem fernen Oſten an den Rhein geſchickt waren, damit ſie nicht, wie es in Oſtpreußen geſchah, bei einem etwaigen Einfall der Ruſſen nach Rußland verſchleppt würden. 13 Gymnaſiaſten wurden in entſprechenden Klaſſen untergebracht, ſchloſſen mit