Jahrgang 
1915
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IV. Zur Seſchichte der Anſtalt.

Das neue Schuljahr begann am 20. April mit den Aufnahmeprüfungen; der Unterricht nahm am 21. April nach einer gemeinſamen Feier ſeinen Anfang. Zwei Volontäre hatten nach dankenswerter Tätigkeit Oſtern unſere Anſtalt verlaſſen: Herr Hehr⸗ amtsaſſeſſor Dr. Schreiter, um eine Oberlehrerſtelle an dem Oberlyceum in Friedrichs⸗ hagen anzunehmen, und Herr Oehramtsaſſeſſor Dr. Frederking, um an der Frhr. Rothſchiloͤſchen Bibliothek in Frankfurt a. M. als Volontär zu arbeiten. Neueingetreten in das Kollegium war Herr Hehramtsaſſeſſor Kieffer, vorher in Bensheim, zur Ver⸗ tretung des für Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit bis zu den Sommer⸗ und dann bis zu den Herbſtferien beurlaubten Herrn Prof. Dr. Briegleb. Herr Hehramtsaſſeſſor C. Becker übernahm zur Entlaſtung des Herrn Prof. Dr. Seip weiter die Hälfte von deſſen Unterricht..

Zu Hehramtsaſſeſſoren wurden am 1. Oktober ernannt die Herren Hehr⸗ amtsreferendare Dr. H. Becker, Jennewein und Hind, zum Gr. Oberlehrer durch Allerhöchſtes Dekret am 6. März Herr Hehramtsaſſeſſor Waldt.

Auch in die friedlichen Räume unſeres Gymnaſiums brachte der jäh über Deutſchland hereingebrochene Weltkrieg mannigfache Wirkung und Veränderung. Als mitten in unſeren Sommerferien unſer Kaiſer Deutſchland zur Wahrung ſeiner Ehre, Macht und Exiſtenz zu den Waffen rief, war unſer Gymnaſium auf ſeine Schüler nie ſtolzer als damals, wo alle, denen die Verhältniſſe es erlaubten, ihr junges Oeben dem Vaterlande hinzugeben bereit waren. Vor einem Jahre hatten ſie ſich bei den vaterländiſchen Gedenkfeſten in die Stimmung von 1813 hineinzuverſetzen geſucht; jetzt waren ſie mit einem Male ſelbſt hineingeſtellt, das Vorgeſtellte war Wirklichkeit geworden. Im Waffenrock ſchon, als deutſche Krieger kamen ſie in das Gymnaſium, um hier die Notreifeprüfung abzulegen und dann in Kaſerne und auf dem Exerzierplatz ſich für den heiligen Beruf der Vaterlanoͤsverteidigung vor⸗ zubereiten, 12 Oberprimaner, der größere Teil der Klaſſe: Heinz Balſer(in Frankreich in der Front), Reinharo Boll(in den Karpathengefechten an Hungenentzündung erkrankt, z. St. im Dazarett), Ernſt Hirſch(in Frankreich verwundet, jetzt wieder in der Front), Johannes Hoffmann(in den Karpathen in der Front), Ernſt Wilhelm Meyer in Frankreich in der Front), Fritz Kauſch(in Frankreich verwundet, wieder in der Front), Arthur Kullmer(in Frankreich an Hungenentzündung erkrankt, im Lazarett), Huöwig Darmſtädter(in Belgien in der Front), Hans Emmert(in Frankreich in der Front), Friedrich Oamb(in Frankreich in der Front), Hermann Tander(in Belgien in der Front), Friedrich Bender(3. St. in Metz).

Und außer dieſen Oberprimanern eilten noch 5 Schüler der Unterprima zu den Fahnen; ſie waren ihrer Fähigkeiten entſprechend, in die höhere Klaſſe verſetzt, um znach ihrer Rückkehr aus dem Kriege ohne Zeiteinbuße ihre Gymnaſialſtudien beendigen zu können:

Beinrich Albert(3. St. Garniſon Handau), Fritz Bittel(in Frankreich in der Front), Karl Fauſtmann(in Frankreich in der Front), Kurt Müller, Wilhelm Schmidt (in Frankreich in der Front). Auch ein erſt ſechszehnjähriger Unterſekundaner, Heinrich Nau, zog zum Kampf hinaus(ſteht z. Zt. in Frankreich in der Front); ihm wurde das Zeugnis der Befähigung für den einjährig⸗freiwilligen Dienſt zuerkannt. Anfang

Maärz ſtellte ſich der zum Krankenpfleger ausgebildete Unterprimaner Theodor Strauß dem Roten Areuz zur Verfügung und leiſtet dem Vaterlande z. St. in Sedan ſeine Dienſte.