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mit dem eifrigen Rufe:„Du, komm doch hinüber in den Schulhof; der Maurer läßt uns turnen.“ Ich eilte hinüber in den Hof der Schmitz'ſchen Schule, und dort turnten wir dann unter der Leitung des freundlichen, lebendigen Mannes, dem es eine Freude war, auch außerhalb der Schule ſich mit der Jugend zu beſchäftigen und dem wir gleich alle herzlich zugethan waren.
Von 1862—1877 leitete Maurer in Darmſtadt eine von ihm gegründete, gut beſuchte Privat⸗Knabenſchule, die ihm nach ſeinen eigenen Worten„durch die vergönnte Freiheit der Methode neben den durch die Konkurrenz geſtellten Anforderungen die wirkſamſte Schule für ſeinen Beruf wurde.“ Dieſe Zeit war, wenigſtens in ihrer erſten Hälfte, wohl die glücklichſte ſeines Lebens. Er durfte in ſeinem Berufe frei ſchalten und walten nach eigenſter Ueberzeugung, die ebenſowohl auf tüchtige wiſſenſchaftliche Erkenntnis, wie auf liebevolles Erfaſſen des jugendlichen Gemütes gegründet war; er durfte ſich überall ganz und voll, wie er zu ſagen liebte,„in den Dienſt der Idee ſtellen.“ Die materielle Verwaltung ſeiner Schule, für die er bei ſeiner hoch⸗ fliegenden und in manchen Dingen unpraktiſchen Natur keinen rechten Sinn hatte, konnte er ge⸗ troſt der Umſicht ſeiner treuen Gattin überlaſſen, die ihm ſeit 1863 zur Seite ſtand und ihn in der glücklichſten Weiſe ergänzte, ſo daß das Ehepaar mit ſeiner Schaar von 7 Kindern, die ihm im Lauf der Jahre erwuchſen, das Ideal eines Familienlebens darbot. Aus dieſem Glück wurde er zweimal in ſchwerer Heimſuchung herausgeriſſen; zweimal, 1868 und 1875, ſteigerte ſich eine geiſtige Ueberreizung, die nach ſeinem eigenen Urteil aus dem Widerſpruch zwiſchen ſeiner bis⸗ herigen einſeitig idealiſtiſchen Entwickelung mit den religiös⸗ſittlichen Zuſtänden der Wirklichkeit entſprang, bis zum Irrſinn. Er genas bald wieder und fand auch in ſeiner geſunden und ſtarken Seele die Kraft, die Nachwirkung dieſer Erkrankung innerlich zu überwinden. Offen und ohne Scheu ſprach er ſpäter in vertrautem Kreiſe von ſeiner geiſtigen Erkrankung. Schwerer wurde es ihm, den Verluſt ſeiner ſelbſtändigen Stellung zu verwinden. Den Konkurrenzkampf ſeiner„Haus⸗ ſchule“ gegen die Staatsſchule, den er Jahre lang mit gutem Erfolg geführt hatte, mußte er, ſeit auch in Heſſen der Staat das Schwergewicht der Einjährigen⸗Berechtigung in die Wagſchale ge⸗ worfen, als ausſichtslos erkennen. Er gab 1877 ſeine Privatſchule auf, trat in den Staatsdienſt und wurde am Mainzer Gymnaſium angeſtellt, wo er bis 1890 wirkte. Manches Bittere mußte er dort erfahren. Nicht nur daß er in ſeinen auf das Gemeinwohl gerichteten Beſtrebungen wenig Anerkennung fand; er wurde auch in der Schule nicht ſeinem Alter und ſeiner Begabung entſprechend verwendet. Dies ſchmerzte ihn tief; aber„im Dienſte der Idee“ überwand er die Bitterkeit und widmete ſich voll treuer Hingebung auch den geringeren Aufgaben; und er hatte die Freude, durch ſeinen Dienſt an der Seele und dem Geiſte der jungen Schüler ſich viele dankbare Herzen zu gewiunen, die ihn als ihren„väterlichen Freund“ liebten und verehrten. So nannten ſie ihn in einer ſchönen herzlichen Adreſſe, die ſie ihm beim Abſchied überreichten.
Als Maurer 1890 nach Worms kam, ſtand er auf der Höhe des Lebens. Er hatte ſeine natürliche Begabung zum Erzieher durch eine dreißigjährige treue Berufsarbeit vervoll⸗ kommnet, hatte in und außer ſeinem Berufe viel Freudiges, freilich auch ſehr viel Schmerzliches erlebt. Alle Bitterniſſe aber, die eines andern Kraft wohl gebrochen hätten, hatte er als mann⸗ hafter Chriſt überwunden und ſtand nun ſeiner Erzieher⸗Aufgabe gegenüber: ein ausgereifter, freudig reſignierter Mann mit jungem Herzen und friſchem Sinn, ein Mann, der mit dem ent⸗
ſchiedenſten ſittlichen Ernſt eine ganz unbefangene, geradezu kindliche Heiterkeit und Lebensluſt verband.
Kein Wunder, daß das Wirken eines ſolchen Mannes den reichſten Segen brachte! Wie gewinnend war ſchon der Anblick des kleinen lebhaften Mannes mit dem eisgrauen Bart, wenn


