Dem Andenken
Theodor Maurer's.
Ein Freundeswort von Bernhard Mangold.
Am 16. Oktober 1897 verſchied nach kurzem ſchwerem Leiden Profeſſor Dr. Maurer, Gymnaſial⸗ lehrer zu Worms. Sein Tod iſt für das Wormſer Gymnaſium ein ſchwerer, unerſetzlicher Verluſt,— unerſetzlich ſage ich und fürchte von keinem, der ihn gekannt hat, Widerſpruch. Denn wahrhaft unerſetzlich iſt ein Mann von ſo eigenartiger Perſönlichkeit, einer ſtarken energiſchen Perſönlichkeit, die ſich niemals lau oder feig zurückhielt, ſondern immer für das als recht Erkannte mannhaft eintrat, einer lieberfüllten und liebausſtrömenden Perſönlichkeit, deren Zauber alle empfanden, Erwachſene, Knaben und Kinder, die ihm nahe kamen. Wenn ich in dem Folgenden mir klar zu werden und auszuſprechen verſuche, worin der Zauber der Perſönlichkeit dieſes gottbegnadeten Lehrers beſtand, ſo erfülle ich damit für mich und viele andre Freunde und Schüler eine Pflicht der Dankbarkeit. Zugleich aber hoffe ich, daß dies Beſinnen und Klarwerden ein Segen für die Zukunft ſein wird. Denn Klarheit darüber, wie der Gute gut geworden und durch welche Mittel er Gutes wirkt, iſt ein ſtarker Anſporn zur Nacheiferung.
Theodor Maurer war am 2. Auguſt 1837 zu Darmſtadt geboren als Sohn des heſſiſchen Oberſtlieutenants Georg Philipp Maurer, der als Lieutenant den ſpaniſchen Feldzug mitgemacht und bei der Verteidigung von Badajoz mitgekämpft hatte. Er verlebte eine glückliche Knaben⸗ und Schulzeit in Darmſtadt. Ein großer Familien⸗ und Freundeskreis bot dem begabten Knaben mannichfache Anregungen; unter den Lehrern des Darmſtädter Gymnaſiums fühlte er ſich beſonders Auguſt Nodnagel, Karl Baur, Karl Wagner und Chriſtian Boßler für die Entwicklung ſeines Sinnes für Poeſie verpflichtet. In Gießen, Berlin und Bonn widmete er ſich dann mit Begeiſterung philologiſchen und philoſophiſchen Studien. Nachdem er ſein Staatsexamen 1859 be⸗ ſtanden, machte er ſeinen Acceß am Darmſtädter Gymnaſium und war gleichzeitig Lehrerg Seiner Großherzoglichen Hoheit des Prinzen Wilhelm von Heſſen. In dieſe Zeit fällt meine erſte Er⸗ innerung an den Entſchlafenen. Eines Sommers Abends kam ein Kamerad zu mir hereingeſtürzt


