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er von der Hinterthür des Hofes her, die ſeiner Wohnung zunächſt lag, mit flinkem Schritt durch die ſpielenden Schüler daher kam, freundlich nach rechts und links grüßend und hie und da mit einer höflichen Geberde einen Schüler einladend, ein weggeworfenes Papier aufzuheben. Wie dies Weſen ſchon auf die Kleinen wirkte, die ihn nur aus den Pauſen und von der Straße her kannten, zeigt folgendes Wort eines kleinen Vorſchülers, das wenige Tage vor dem Tode des Entſchlafenen geſprochen wurde. Der Junge äußerte ſeinem Vater gegenüber:„Ich glaube, wir bekommen bald einen neuen Lehrer; dann ſuchen wir uns aber ſelbſt einen aus.“ Und als der Vater fragte:„Wen wollt ihr euch denn da ausſuchen?“ antwortete der kleine Mann:„Ei, den Herrn Maurer, der iſt immer ſo lieb.“— Mit den älteren Schülern, die er ſelbſt unterrichtete, ſtand er immer in einem überaus freundlichen Verhältnis. Sie empfanden es eben, daß er ihr väterlicher Freund war; auch waren ſie für die Höflichkeit ſeines Thuns und ſeiner Sprache ſehr empfänglich. Ungezogenheit kam faſt niemals vor; wo ſie aber vorkam, wußte ſie dieſe kraftvolle Natur ſehr entſchieden zurückzuweiſen. Welch gemütlichen Ton er im Verkehr mit ſeinen Schülern anſchlagen durfte, mag die Anſprache zeigen, die er an ſeinem letzten Geburtstage(2. Aug. 1897) an ſeine Oberſecunda richtete. Er ſagte, als er in die Klaſſe getreten war:„Seht einmal her; ich ſtelle mich euch heute vor als Sechzigjähriger. Ich fühle mich kräftig genug, um noch lange zu wirken. Aber eines will ich mir jetzt erlauben. Bisher habe ich im Unterricht immer geſtanden; von jetzt an nehme ich das Recht in Anſpruch, mich auch manchmal zu ſetzen. Und da will ich denn auch gleich einmal von dieſem Rechte Gebrauch machen.“ Damit ſetzte er ſich, und die Stunde begann.
Seine Unterrichtsſtunden ſelbſt waren den Schülern ein hoher Genuß. Sein reiches philologiſches, philoſophiſches und äſthetiſches Wiſſen ſtellte er hier in den Dienſt der Erziehung und arbeitete mit raſtloſem Eifer, aber auch mit unermüdlicher Geduld an der Bildung ſeiner Schüler. Die größte Aufmerkſamkeit und Stille herrſchte in ſeiner Stunde; er hielt die ganze Klaſſe— nicht im Trab; ſein Unterrichtsgang war langſam, niemals haſtig; aber er hielt ſie feſt im Zügel und führte ſie ſo ihrem geiſtigen Ziele zu. Seine Erklärung der deutſchen, latei⸗ niſchen und griechiſchen Schriftſteller war gründlich, geiſtvoll und äußerſt anregend. Vorzüglich verſtand er es, ſelbſt ein Meiſter hierin, ſeine Schüler zum ſchönen Vortrag von Gedichten anzu⸗ leiten. In den Aufſätzen beſonders konnte man die tiefgehende Einwirkung des tüchtigen Lehrers erkennen. Hier ſuchte jeder Schüler, der begabte und der weniger begabte, der gebotenen Anregung folgend, ſein Beſtes zu leiſten. War er doch auch ſicher, daß ſeine Leiſtung trotz ihrer Unvoll⸗ kommenheit, wenn ſie nur rechtes Bemühen zeigte, freundliche Anerkennung finden würde.
So ſteht der Freund mir im Gedächtnis; ſo möge er auch ſeinen Kollegen und Schülern im Gedächtnis bleiben! Er ſelbſt iſt uns verloren; aber ſein Bild wollen wir im Herzen be⸗ halten und bewahren, auf daß es uns ein Segen ſei in unſerem ferneren Thun!


